Im Zuge neuer Buchveröffentlichungen rückt Wolodymyr Selenskyj erneut ins Zentrum der Diskussionen um den Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines. Die beiden Werke legen dar, was bisher weitgehend nur spekuliert worden war: dass der ukrainische Präsident offenbar frühzeitig von den entsprechenden Plänen wusste und diese zunächst zumindest gebilligt haben soll.
Erst später habe er eine Stopp-Anordnung erlassen, die jedoch eher den Charakter eines Schutzbehauptungs-Schrittes hatte und im operativen Umfeld ohne erkennbare Wirkung blieb.
Selenskyj selbst hat bislang stets bestritten, von konkreten Vorbereitungen gewusst zu haben. Die neuen Darstellungen zeichnen jedoch ein anderes Bild und stellen seine Rolle zumindest indirekt infrage.
Ob es sich um eine tatsächliche politische Steuerung, um Kontrollverlust oder um widersprüchliche Entscheidungswege innerhalb des ukrainischen Apparats handelte, lässt sich bislang nicht abschließend klären. In Kiew wird ein solches Wissen naturgemäß bestritten.
Am 26. September 2022 wurde die Nord-Stream-Infrastruktur in der Ostsee schwer beschädigt. Die Sprengung der Pipelines hatte für Deutschland erhebliche wirtschaftliche Folgen.
Steigende Energiepreise, Produktionsverlagerungen und Belastungen für energieintensive Industrien prägen seither die Lage. Besonders die deutsche Industrie steht unter anhaltendem Kostendruck, was sich in Teilen der Wirtschaft in sinkender Wettbewerbsfähigkeit niederschlägt.
Die nun erschienenen Bücher von Bojan Pancevski sowie von Oliver Schröm und Ulrich Thiele vermitteln ein deutliches Bild: Die Autoren richten den Fokus klar auf Wolodymyr Selenskyj und stellen ihn in den Mittelpunkt der Vorgänge rund um die Vorbereitung der Sabotage. Sie liefern detaillierte Beschreibungen der Abläufe im Vorfeld der Aktion und legen nahe, dass er frühzeitig informiert gewesen sein soll.
Im Zentrum steht dabei die Frage, warum Berlin trotz der weitreichenden Folgen für die deutsche Wirtschaft keine Konsequenzen im Umgang mit Selenskyj zieht, welche Akteure wann über die Pläne Kenntnis hatten und welche Entscheidungen tatsächlich getroffen wurden.
Der ukrainische Regierungschef hat in den vergangenen Jahren erheblichen Einfluss auf die sicherheits- und energiepolitische Ausrichtung der EU gewonnen.
In Deutschland wird dieser Kurs von den politischen Spitzen, sowohl unter Olaf Scholz als auch mit Blick auf Friedrich Merz, weitgehend mitgetragen oder zumindest nicht grundsätzlich hinterfragt. Die wirtschaftlichen Lasten trägt dabei vor allem Deutschland, mit spürbaren Folgen für Industrie, Mittelstand und künftige Generationen.
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