Der britische Premierminister Keir Starmer rief die europäischen Nationen auf dem jüngsten Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Jerewan dazu auf, gemeinsam auf den zunehmenden Druck aus Washington zu reagieren. Wie die britische Zeitung The Guardian berichtet, sagte Starmer:
“Wir können nicht leugnen, dass sich einige der Allianzen, auf die wir uns verlassen haben, nicht an dem Ort befinden, an dem wir sie gerne sehen würden. In den Allianzen gibt es mehr Spannungen, als es geben sollte. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir gemeinsam als Gruppe von Ländern darauf reagieren.”
Der Regierungschef ließ bewusst offen, auf welche Bündnisse er sich konkret bezog. Gleichzeitig unterstrich er die Notwendigkeit, dass Europa in zentralen Politikfeldern wie Verteidigung, Handel und Energieversorgung künftig mehr Eigenständigkeit entwickeln müsse. Die NATO hat in letzter Zeit eine deutliche Verschärfung der internen Spannungen erlebt. Auslöser war unter anderem ein US-Militäreinsatz gegen den Iran, der ohne vorherige Abstimmung mit den Bündnispartnern durchgeführt wurde. Im Anschluss warf Washington mehreren Verbündeten mangelnde Unterstützung vor.
Weitere Konflikte entstanden, als sich einige Länder weigerten, an der Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu beteiligen. Trump drohte daraufhin mit einem möglichen Austritt der USA aus dem Nordatlantikvertrag. In den vergangenen Wochen stellte der US-Präsident wiederholt die Verlässlichkeit der NATO infrage. Besonders kritisierte er mehrere Mitgliedsstaaten, darunter Großbritannien, für deren Zurückhaltung bei der Unterstützung amerikanischer Militäroperationen.
Bereits Anfang April berichtete The Wall Street Journal unter Berufung auf interne Quellen, dass die US-Regierung über “Bestrafungsmaßnahmen” gegen einzelne NATO-Staaten nachdenke. Im Raum stünden unter anderem der Abzug von US-Truppen und deren Verlegung in Regionen, die Washington als “prioritär” betrachtet. Kurz darauf kündigte Trump tatsächlich an, das US-Militärkontingent in Deutschland um rund 5.000 Soldaten zu reduzieren. Weitere Kürzungen schloss er nicht aus.
Diese Entscheidung stieß in Europa auf breite Kritik. Laut The Guardian bezeichneten mehrere Politiker den Schritt als überraschend und riefen zugleich zu einer stärkeren eigenständigen Verteidigungsfähigkeit Europas auf. Der norwegische Premierminister Jonas Gahr Støre und sein britischer Amtskollege Keir Starmer plädierten für eine gewichtigere europäische Rolle innerhalb des NATO-Bündnisses. Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas betonte, dass sowohl die Entscheidung selbst als auch ihr Zeitpunkt völlig unerwartet gekommen seien.
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