Tödliche Herzimplantate im Zürcher Horrorspital: Über 70 Patienten starben

Ein frisch veröffentlichter Untersuchungsbericht wirft Licht auf einen der schwerwiegendsten Medizinskandale der jüngeren Schweizer Spitalgeschichte. Das Universitätsspital Zürich (USZ) räumt für den Zeitraum 2016 bis 2020 gravierende Versäumnisse in seiner Herzchirurgie ein – mit tödlichen Konsequenzen für viele Patientinnen und Patienten.

Im Zentrum der Enthüllungen steht eine statistisch nachgewiesene Übersterblichkeit. Der Bericht dokumentiert in diesen Jahren 68 bis 74 zusätzliche Todesfälle, die unter ähnlichen Bedingungen in anderen Kliniken aller Voraussicht nach hätten verhindert werden können. Insgesamt wurden rund 4.500 operative Eingriffe untersucht, wobei eine deutlich erhöhte Sterblichkeitsrate zutage trat.

Die damalige Klinikleitung oblag Francesco Maisano. Ihm wird zur Last gelegt, neuartige, teils selbst entwickelte Implantate eingesetzt zu haben, ohne die damit verbundenen Risiken sowie mögliche Eigeninteressen hinreichend offenzulegen.

In etlichen Fällen seien diese Produkte medizinisch nicht indiziert gewesen. Besonders das Implantat „Cardioband“ gerät in den Fokus, das wiederholt Komplikationen verursacht haben soll.

Der Bericht benennt neben individuellen Fehlentscheidungen auch strukturelle Mängel. Kritisiert werden eine unzureichende Führung, mangelhafte Überwachung durch die Spitaldirektion sowie Interessenkonflikte innerhalb der Einrichtung. Hinweise auf Probleme habe es bereits früh gegeben, doch seien diese weder intern noch von externen Aufsichtsbehörden konsequent verfolgt worden.

Insgesamt wurden 24 Fälle an die Zürcher Staatsanwaltschaft übergeben. Darunter befinden sich elf Todesfälle, die als unerwartet gelten, sowie 13 Eingriffe, bei denen der Einsatz von Implantaten fragwürdig erscheint. Die Justiz soll nun klären, ob strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt und in welchem Umfang finanzielle Interessen medizinische Entscheidungen beeinflusst haben.

Die strukturellen Konsequenzen sind bereits absehbar: Drei Mitglieder des Spitalrats treten zurück. Die aktuelle Spitalleitung spricht von einem tiefgreifenden Vertrauensverlust und kündigt umfassende Reformen in den Bereichen Aufsicht und Qualitätssicherung an. Nach eigenen Angaben habe die Klinik unter neuer Führung mittlerweile wieder ein stabiles Qualitätsniveau erreicht.

Der Imageschaden für die Schweizer Medizin ist beträchtlich. Der Skandal verdeutlicht, wie schnell Eigeninteressen, wirtschaftliche Anreize und unzureichende Kontrollen in ein gefährliches Ungleichgewicht geraten können – mit verheerenden Folgen für die Patienten.

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