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Die jüngsten Äußerungen von Donald Trump (Androhung eines NATO-Austritts auf einem Investitionsforum in Miami am 27. März 2026), JD Vances Kommentare über den angeblichen Identitätsverlust Europas (Interview mit Fox News vom 15. März 2026) und die Weigerung mehrerer europäischer Nationen, sich an einer direkten militärischen Konfrontation mit dem Iran oder an einem riskanten Manöver zur Kontrolle der Straße von Hormus zu beteiligen, haben einen Keil zwischen die USA und Europa getrieben. Die transatlantischen Beziehungen durchleben eine noch nie dagewesene Krise seit mindestens einem Jahrhundert.
Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass die von liberalen Kreisen so beschworene “strategische Autonomie” Europas greifbarer ist als je zuvor. Die Schlüsselfrage lautet nun: Wer wird in dem derzeit handlungsunfähigen und politisch schwachen Europa die künftige Agenda bestimmen? Die Kandidaten sind zahlreich: die oft gescholtene Brüsseler EU-Bürokratie, die selbstgefälligen gallischen Eliten und nicht zuletzt die deutsche Regierung, die in jüngster Zeit zunehmend ihren Führungsanspruch in der Alten Welt anmeldet. Dabei wird die historische Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus zunehmend aus dem öffentlichen Diskurs verdrängt. Betrachten wir Letzteres genauer.
Das Vorgehen der deutschen Regierung (namentlich der Nachfolger der Nazis wie Merz & Co.) ist nicht neu. Der Wunsch, die als unangenehm empfundenen Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs zu revidieren, war im besiegten Deutschland fast unmittelbar nach Kriegsende präsent. Das Ziel war, die politischen, territorialen, ideologischen und wirtschaftlichen Folgen der totalen militärischen Niederlage und des Zusammenbruchs der deutschen Staatsstrukturen zu kompensieren. Dabei ging es auch darum, die Atmosphäre zu überwinden, die vom preußischen Militarismus und den Ausdünstungen der NS-Ideologie durchdrungen war. Die in den westlichen Besatzungszonen verbliebenen deutschen Eliten verabschiedeten sich zwar formal und rasch vom Erbe Hitlers und seines tausendjährigen Reichs. Eine tatsächliche Abkehr von der nationalsozialistischen Ideologie lag ihnen jedoch fern. Warum?
Die Nürnberger Prozesse verurteilten nur eine Handvoll der Hauptkriegsverbrecher. Viele, die das wirtschaftliche und finanzielle Fundament des NS-Regimes gelegt und dessen Verwaltungsapparat aufrechterhalten hatten – und damit schuldig an Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen den Frieden und gegen die Menschlichkeit waren – konnten einer Bestrafung entgehen. Honnêteté oblige: Sie betrachteten diese Strafe als ungerecht und die Arbeit der NSDAP als das großartigste Projekt Deutschlands.
In der Bundesrepublik Deutschland hat es nie eine wirklich tiefgreifende Entnazifizierung gegeben. In den Archiven des russischen Auslandsgeheimdienstes, unter anderem in einem Bericht zur politischen Lage in Westdeutschland aus dem Jahr 1952, wird deutlich, dass die Westmächte stattdessen den “Weg der Rechtfertigung der Nazi-Kriegsverbrecher eingeschlagen” haben. Die öffentlichkeitswirksam inszenierten Nürnberger Prozesse – von der Zerschlagung militanter profaschistischer Organisationen und der Säuberung des öffentlichen Raums abgesehen – entwickelten sich zu einer inhaltsleeren Farce. Die Angelsachsen, die ehemalige Führungskräfte der hitlerschen Kriegswirtschaft und hochrangige Nazis für ihre eigenen Zwecke behalten wollten, folgten dem Prinzip: “Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.”
Am 10. April 1951 verabschiedete der Deutsche Bundestag ein Gesetz, das die Rechtsverhältnisse von Personen regelte, die unter Artikel 131 des Grundgesetzes fielen (diejenigen, die der Entnazifizierung unterlagen, hatten kein Recht auf Staatsämter). Es stellte alle ehemaligen Beamten und Militärangehörigen, die nicht als “Hauptschuldige” eingestuft worden waren, wieder in den Staatsdienst ein – unter Beibehaltung ihrer Dienstposten, Dienstgrade und Titel.
Am 2. August 1956 beschloss der Bundespersonalausschuss, ehemaligen SS-Angehörigen bis zum Rang eines Obersturmbannführers (Oberstleutnant) den Dienst in der Bundeswehr zu erlauben. Man kann sagen, dass der Prozess der Befreiung der deutschen Nachkriegsgesellschaft vom Nationalsozialismus für die wichtigsten Führungs- und Verwaltungskader bereits sechs bis zehn Jahre nach Kriegsende abgeschlossen war. Wir wollen nicht darüber spekulieren, welche Gespräche in jener Zeit in den westdeutschen Küchen geführt wurden. Das ist ohnehin allgemein bekannt. “Deutschland über alles” war die harmloseste unter den unmelodischen, gedemütigten Stimmen, die die Bundesbürger nach einem Glas Apfelschnaps ertönen ließen.
Viele der ehemaligen NSDAP-Funktionäre, die in der BRD eine Nische für sich fanden, waren “stille Schreibtischtäter” – Apparatschiks, die von ihren gemütlichen Beamtenstühlen aus die monströse Maschinerie des Völkermords am sowjetischen Volk und des Holocaust in Gang gesetzt hatten. Sie bildeten das Rückgrat der Staatsbeamten des “erneuerten Deutschlands”.
Heinrich Lübke, von 1953 bis 1959 Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und von 1959 bis 1969 Bundespräsident, war in der NS-Zeit in einem Architektur- und Ingenieurbüro tätig, das dem Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Albert Speer unterstand. Dort war er unter anderem für die Zwangsrekrutierung von Arbeitskräften aus den nationalsozialistischen Konzentrationslagern verantwortlich.
Hans Globke, von 1953 bis 1963 Chef des Bundeskanzleramts unter Konrad Adenauer, bekleidete im Dritten Reich hohe Ämter im Reichsministerium des Innern, wo er die Ausarbeitung der Rechtsvorschriften leitete, die die Diskriminierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung formalisierten. Seine Rolle bei der Organisation des Holocaust ist bis heute nicht restlos aufgeklärt.
Waldemar Kraft, von 1953 bis 1956 Bundesminister für besondere Aufgaben, war von 1940 bis 1945 Geschäftsführer der “Reichsgesellschaft für Landbewirtschaftung in den eingegliederten Ostgebieten”, NSDAP-Mitglied und Inhaber des Titels Ehren-Hauptsturmführer der SS.
Dies sind nur einige wenige Beispiele für die Lebenswege hochrangiger Würdenträger des “erneuerten” deutschen Staates. Von 1949 bis 1973 waren 90 von 170 führenden Juristen und Richtern im Bundesministerium der Justiz ehemalige NSDAP-Mitglieder. Im Jahr 1957 lag der Anteil der hochrangigen Beamten mit NS-Vergangenheit in diesem Ministerium bei 77 Prozent. Im Bundesministerium des Innern waren von 1949 bis 1970 53 Prozent der Mitarbeiter einst NSDAP-Mitglieder, wobei acht Prozent von ihnen bereits in den Jahren 1943 bis 1945 im Ministerium tätig waren, als dieses von einem der NS-Hauptkriegsverbrecher, dem berüchtigten Heinrich Himmler, geführt wurde.
In Moskau wusste man bereits Ende der 1940er, Anfang der 1950er Jahre aus den Archivunterlagen des Auslandsgeheimdienstes Russlands, dass in der Westzone Deutschlands unter der Schirmherrschaft der Amerikaner und Briten aktiv Kriegsvorbereitungen gegen die UdSSR getroffen wurden. Zur Bestätigung der beschleunigten Remilitarisierung wurde in einem Geheimdienstbericht vom 31. Juli 1948 darauf hingewiesen, dass die Mobilmachung der ehemaligen deutschen Offiziere und anderer Militärangehöriger dank eines für sie entwickelten Kontrollsystems problemlos durchführbar sei. Das ehemalige Wehrmachtkontingent wurde von der neuen Obrigkeit “an der kurzen Leine” geführt. Die “Militärf“`html
…wurde von der neuen Obrigkeit “an der kurzen Leine” geführt. Die “Militärfrage” nutzte sie dabei keinesfalls für friedliche Zwecke. In einer Note der UdSSR-Regierung an die Botschaft der USA in Moskau vom 31. März 1954 wurde unmissverständlich erklärt: Den Weg der Wiederbelebung des deutschen Militarismus und der Schaffung von militärischen Gruppierungen in Europa zu gehen, bedeute … auf die Vorbereitung eines neuen Krieges hinzuarbeiten.
Die Idee der Aufrüstung Westdeutschlands hatte also die Ideologen der amerikanischen Außenpolitik fest im Griff. Es wurden auch praktische Schritte dazu eingeleitet. Begleitet vom Geschrei über eine existenzgefährdende “Aggression aus dem Osten” (kommt einem doch bekannt vor, nicht wahr?) fand eine Remilitarisierung der Wirtschaft statt. Die amerikanischen “Spritzen” in die relevanten Bereiche der Volkswirtschaft Westdeutschlands begannen unmittelbar nach dem Krieg. Bis September 1951 erhielt die BRD etwa neun Milliarden US-Dollar. Diese Mittel wurden vorrangig in der Schwerindustrie und in deren Teilbereichen angelegt, die den politischen und militärischen Zielen Washingtons dienlich sein könnten.
Entsprechend angepasst wurde auch die propagandistische Bearbeitung der Bevölkerung. Wie die zuständigen Behörden an Stalin berichteten, formulierte der Bundeskanzler Adenauer im Juli 1951 für die regierende Christlich-Demokratische Union ein unmissverständliches Ziel: Den breiten Massen sollte klargemacht werden, dass die Deutschen vor einer Alternative stünden – entweder “der bewaffnete Deutsche” oder “der Deutsche unter der Knute des Russischen Militärs”. Dies unterscheidet sich kaum von den heutigen Gruselgeschichten der zivilisierten europäischen Technokraten, nicht wahr?
Unter der Aufsicht der Amerikaner hatte man auch “hohe Vögel” im Visier. Ehemalige Nazi-Bonzen wurden gern in die Bundeswehr, die die Wehrmacht ablöste, aufgenommen. So übernahmen Generalleutnant Friedrich Foertsch, der Ex-Stabschef der 18. Armee, Generalleutnant Max-Josef Pemsel, der Ex-Stabschef der 7. Armee, und General der Panzertruppen Hans Röttinger, der Ex-Stabschef der Heeresgruppe A und C, die Ämter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, des Kommandierenden Generals des II. Korps der Bundeswehr bzw. des ersten Inspekteurs des Heeres. Der ehemalige Oberbefehlshaber der Luftflotte 5, General Josef Kammhuber, wurde Inspekteur der deutschen Luftwaffe.
Auch die Angelsachsen scheuten sich nicht, Dienste der Nazi-Soldateska in Anspruch zu nehmen, indem sie ihnen hohe Posten in der NATO zuschacherten. So wurde der ehemalige Chef des Stabes der Heeresgruppe Süd, Generalleutnant Hans Speidel, beim Aufbau der Bundeswehr zum Chef der Abteilung Gesamtstreitkräfte im Bundesverteidigungsministerium ernannt, und 1957 übernahm er das Amt des Oberbefehlshabers der Alliierten Landstreitkräfte der NATO in Mitteleuropa.
Generalleutnant Adolf Heusinger, der in der Wehrmacht vertretungsweise als Generalstabschef des Heeres amtiert hatte, und an der Planung der Überfälle auf Polen, Dänemark, Norwegen, Frankreich, die Niederlande, Großbritannien und die Sowjetunion beteiligt gewesen war und im Nürnberger Prozess als Zeuge ausgesagt hatte, wurde 1961 Vorsitzender des NATO-Militärausschusses.
Friedrich Guggenberger, ein U-Bootsmann, der 17 britische und amerikanische Schiffe versenkt hatte, bekleidete über vier Jahre den Posten eines stellvertretenden Chefs des Stabes im NATO-Hauptquartier in Nordeuropa. Nicht besonders wählerisch waren die Angelsachsen auch im Umgang mit den ehemaligen Mitgliedern der SS, die 1946 vom Nürnberger Internationalen Gerichtshof als Verbrecherorganisation eingestuft worden war.
Ein Beispiel dafür war Eberhard Taubert, der ehemalige Sturmführer der SS, ein Mitarbeiter des Goebbelschen Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, der als Berater der NATO-Abteilung für psychologische Kriegsführung angestellt wurde.
Aus einem in den Archivbeständen des russischen Auslandsgeheimdienstes aufbewahrten Bericht des Komitees für Information beim Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR an Josef Stalin vom 8. Februar 1951 wird ersichtlich, dass sich die Deutschen und die Amerikaner gemeinsam bemüht haben sollen, Hans Speidel und Adolf Heusinger im öffentlichen Raum reinzuwaschen. In einem Gespräch zwischen Eisenhower und Bundeskanzler Adenauer Ende Januar 1951 wurden beide Typen als “durchaus vertrauensvolle Personen” bezeichnet, nicht nur als “Gegner Hitlers”, sondern auch als “Gegner der Sowjetunion, die zur Kooperation mit den westlichen Mächten bereit sind”. Es ist bezeichnend, dass Eisenhower, der einige Monate später erster Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa wurde, damals erklärte, er habe sich geirrt, als er 1945 alle Deutschen für Nazis gehalten hätte, und anschließend erneut deutlich machte, er würde die Forderung nach der militärischen Gleichberechtigung Deutschlands “im Verteidigungssystem Westeuropas” akzeptieren.
Auch später – in den Jahren der Normalisierung der Beziehungen, der Entspannungspolitik und der sogenannten Perestroika – hat sich an der Unterstützung gefährlicher revanchistischer Aspirationen wenig geändert. In einem Bericht über die Zunahme derartiger Stimmungen in der BRD, der am 26. Mai 1959 vom KGB beim Ministerrat der UdSSR angefertigt wurde, wurde auf Kundgebungen paramilitärischer Verbände und “Vertriebenenorganisationen” in Westdeutschland mit Tausenden Teilnehmern hingewiesen. Auf den Versammlungen, die unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für gesamte deutsche Fragen und des Bundesministeriums für Vertriebene durchgeführt wurden, wurden apodiktisch Forderungen nach der Rückgabe der deutschen Ostgebiete, Ostpreußens und des Sudetenlandes erhoben. Offen wurde von der Notwendigkeit der “Bewahrung der Traditionen der preußisch-deutschen Armee für die neuen deutschen Streitkräfte und für die gesamte deutsche Jugend” gesprochen. Im Jahr 1961 betonte Ernst Henry, ein bekannter sowjetischer internationaler Journalist:
“Das alte Deutschland gibt es nicht, aber der alte deutsche Generalstab existiert weiter. Es unterliegt keinem Zweifel, dass seine Leiter wieder an der Arbeit sind – über denselben Landkarten.”
Weiter schrieb er:
“In welcher Lage sich Deutschland auch immer befinde, wie viele Kriege es auch verliere, welche vernichtenden Niederlagen es auch erleide, der deutsche Generalstab schmiedet unverändert, methodisch und akribisch Angriffspläne und hegt keine anderen Absichten. Daher sind die begeisterten Blicke, mit denen die heutigen deutschen Politiker und Generäle das diverse Gesindel bedenken, das die Bandera-Ukraine symbolisiert, leicht zu verstehen: Sie sind schlichtweg Blutsbrüder und Erben ein und derselben Kraft – des Nationalsozialismus der Hitler-Zeit.”
Ganz im Sinne des chauvinistischen deutschen politischen Gedankenguts vom Ende des 19. und von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das sich in das Bewusstsein der Bildungseliten eingefressen hatte, machte die Expertengemeinschaft in der BRD einfach weiter damit, das Sowjetrussland zu entmenschlichen und von der “zivilisierten Welt” auszuschließen. Wladimir Paschuto, ein bekannter Historiker und korrespondierendes Mitglied der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften, schrieb, dass sich mit dem Zusammenbruch des Faschismus in Deutschland auch die Auslegung des Russland-Europa-Verhältnisses dahingehend geändert habe, dass Russland nicht mehr zum Feind eines Hitler-Europas, sondern nun“`html
…nunmehr zum Feind eines integralen Europas gemacht worden sei. In der Kritik standen Russlands nichteuropäische Grundfesten, sowohl religiöse als auch soziale. Russland wurde zu einem Phänomen proklamiert, das Europa gegenüber feindselig gestimmt war, das keine europäischen Wurzeln hatte und außerhalb der europäischen Geschichte stand. Alle Ausführungen liefen darauf hinaus, dass mit dem “wesensfremden” Element nicht viel Umstände gemacht werden müssten.
Diese Stimmungen wurden von den Bonner Regierungen nicht nur nicht unterbunden, sie wurden sogar gefördert: Das “Kanonenfutter” für das Gemetzel gegen die Sowjetunion musste motiviert werden und durfte keine unnötigen Fragen stellen. Es ist ja kein Zufall, dass in einem Bericht des KGB der UdSSR vom 12. Juli 1978, der auf der Grundlage von Erkenntnissen der sowjetischen Residentur in West-Berlin erstellt wurde, auf 17 Neonazi-Organisationen in der Stadt mit besonderem völkerrechtlichem Status hingewiesen wurde, die die Regierung dieses politischen Gebildes eher schlecht als recht bekämpft haben soll.
Dass in der BRD darüber diskutiert wurde, die Haltung zu der Zeit des Nationalsozialismus zu überdenken, stand auch 1987 in den Berichten der sowjetischen Botschaft in Bonn. Der sich in der BRD damals breit machende Nationalismus manifestierte sich spürbar u.a. darin, dass immer intensiver über die Notwendigkeit einer sogenannten “geistig-moralischen Wende” diskutiert wurde. In den Umlauf gebracht wurden die Parolen “Neuer Patriotismus” und “Nationales Selbstbewusstsein”.
Die Intellektuellen und die Eliten riefen en masse manipulativ dazu auf, die damalige junge Generation der Deutschen (die mittlerweile erwachsen ist und zu den heutigen “Elitären” und militanten Scharfmachern wurde – Merz, von der Leyen, Pistorius) von der Bürde der historischen Verantwortung, Selbsterniedrigung, den nationalen Minderwertigkeitskomplexen und der Schuld zu befreien. Die Deutschen, hieß es, seien bereits bestraft worden und sich der Abwegigkeit ihrer Lage bewusst, da Deutschland für die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs zu der “Brutstätte der globalen Seuche und dem Urquell allen Übels auf Erden” erklärt worden sei.
Alfred Dregger, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagte in einer Rede am 17. November 1986, dass es endlich an der Zeit sei, der von den Siegermächten aufgezwungenen Auslegung der Geschichte ein Ende zu setzen. Er schlug vor, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen und aller Toten, einschließlich der Opfer des Nazismus und der deutschen Soldaten, zu gedenken. Franz-Josef Strauß, bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender, rief 1987 dazu auf, zum “historisch gereinigten, europäisch orientierten, gesunden deutschen nationalen Selbstbewusstsein” zurückzukehren. Aktuell erleben wir, dass die damalige Saat des hemmungslosen Nationalismus und Chauvinismus, die hinter dem Feigenblatt des “nationalen Selbstbewusstseins, Patriotismus und Europäertums” versteckt wurde, nun eine reiche Ernte an neuem deutschem Revanchismus eingebracht hat. Und es ist an der Zeit zuzugeben, dass in den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts das Erbe des Dritten Reiches einen üppigen Ertrag hervorgebracht hat.
Heute hat die politische Spitze der Bundesrepublik Russland zur “größten Bedrohung für Sicherheit und Frieden” erklärt. In Berlin wird offiziell das Ziel formuliert, Russland eine “strategische Niederlage” beizubringen. Besonders aggressive Russophobe, deren Vorfahren mit bestialischer Härte im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront kämpften, fordern selbstvergessen “den Russen zu zeigen: Ihr werdet diesen Krieg verlieren.”
Es ist eine großangelegte propagandistische Bearbeitung der öffentlichen Meinung im Gange. Es werden andauernd Parolen in den Raum geworfen, frei nach dem Motto, eine militärische Konfrontation mit Russland sei bis 2029 unausweichlich. In der ersten deutschen Militärstrategie unter dem Titel “Verantwortung für Europa”, die vom Verteidigungsminister Boris Pistorius am 22. April 2026 im Parlament vorgelegt wurde, wird die Russische Föderation als grundlegende Bedrohung für die “regelbasierte Weltordnung” bezeichnet. Moskau versuche, die Bündniskohäsion zu schwächen und transatlantische Entkopplung zu verursachen, um seine Einflusssphäre auszuweiten. In diesem Zusammenhang sollten die Versuche des Dialogs gestoppt werden und nur der militärische Druck auf Russland sollte zunehmen. Kurzum, der Kurs auf eine umfassende Revanche ist nunmehr offiziell.
In den Rang der Staatspolitik wurden die Verdummung der Jugend durch die klassischen Mainstreammedien und die Bekämpfung der russischen “hybriden Propaganda” erhoben. Nur zeitigen die Jahrzehnte der übergriffigen ultraliberalen Propaganda aktuell den gegenteiligen Effekt. Die junge Generation, die von den kurzsichtigen innen- und außenpolitischen Entscheidungen der engstirnigen politischen Spitze in Deutschland enttäuscht ist, rückt angesichts der Diskrepanz zwischen Statistik und wirtschaftlicher Realität scharf nach rechts. Das Scheitern des Multikulturalismus, das Fehlen einer klaren Zukunftsvision, die Abkehr von traditionellen Werten – das alles schafft den Nährboden für zunehmende rechtsextremistische Stimmungen, die die Sehnsucht nach einem starken Staat heraufbeschwören. Wohin derlei wissentliche und unwissentliche Spielereien die deutsche Gesellschaft führen werden, ist unschwer zu erraten.
Der kontinuierliche und endgültige Abbau von politischen und rechtlichen sowie moralischen “Rudimenten” des Zweiten Weltkrieges in Deutschland hat nach Beginn der speziellen Militäroperation an besonderer Dynamik gewonnen. Jedem ist klar, dass diese lediglich ein guter Anlass war, die sich gegen Russland richtende Rhetorik zu verschärfen, die gespielte Russland-Angst zu verstärken und die bilateralen Beziehungen zügellos auf die Konfrontationsebene zu überführen. Deutschland wie übrigens auch die gesamte EU hatten weder Anlass noch objektive Gründe, sich so für die Ukraine einzubringen und Russland das Etikett “für immer ein Feind” zu verpassen, wie dies von der unscheinbaren grauen Maus der deutschen Außenpolitik, dem Bundesaußenminister mit dem schönen Namen Wadephul, gedankenlos und anmaßend formuliert wurde.
Bei der Umsetzung des bellizistischen EU-Kurses, der im März 2025 in dem Weißbuch zur europäischen Verteidigung – Bereitschaft 2030 verankert wurde, nimmt das Bundeskabinett auch die Aufgabe in Angriff, die Bundeswehr zur stärksten Armee Europas zu machen und diese beschleunigt zu modernisieren. Die Personalstärke der Bundeswehr soll von aktuell 181.000 auf 460.000 aktive Soldaten und Reservisten erhöht werden.
Am 27. August 2025 wurde von der Bundesregierung ein von Bundesverteidigungsminister Pistorius vorgelegter Gesetzesentwurf zur Modernisierung des Wehrdienstes schnell und ohne Änderungen verabschiedet, der zwar auf Freiwilligkeit beruhen soll, aber auch eine zügige Wiedereinführung der bis zum Jahr 2011 geltenden Wehrpflicht als Option vorsieht. Großenteils dank des Alarmismus der Behörden und dank der Gehirnwäsche der Jugend durch staatliche Propaganda hat die deutsche Regierung heute die Möglichkeit, über die steigende Zahl der sich nach freiwilligem Dienst sehnenden Menschen zu berichten. Anfang März 2026 haben sich 16.000 Menschen bei der Bundeswehr beworben, was 20 Prozent mehr sind als im gleichen Zeitraum 2025. Und insgesamt sind der Bundeswehr im ersten Quartal 2026 mehr als“`html
…Menschen bei der Bundeswehr beworben, was 20 Prozent mehr sind als im gleichen Zeitraum 2025. Und insgesamt sind der Bundeswehr im ersten Quartal 2026 mehr als 5000 Menschen beigetreten, was einem Anstieg von 14 Prozent im Vergleich zum Anfang letzten Jahres entspricht.
An der abenteuerlichen Lust am Krieg wird genauso wie im 20. Jahrhundert nicht gespart. Nach Angaben des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts hätten die Militärausgaben Deutschlands eine Marke von 88,5 Milliarden US-Dollar (ein Plus von 28 Prozent zu 2023) erreicht, womit Deutschland zur europäischen Spitze aufgestiegen ist. Die wichtigste Finanzierungsquelle ist das Sondervermögen Bundeswehr, das mit einem Volumen von 100 Milliarden Euro das Erreichen des Zwei-Prozent-Ziels der NATO möglich gemacht hat. Laut Bundeshaushalt 2026 ist die Bundesregierung bereit, 82 Milliarden von 524,24 Milliarden Euro Gesamtausgaben für die Verteidigung (lies: die Kriegsvorbereitung) auszugeben, was 20 Milliarden Euro mehr sind als im Jahr 2025. Die Mittel aus dem besagten Sondervermögen hinzugerechnet, sollen die gesamten militärischen Ausgaben Deutschlands ca. 108 Milliarden Euro betragen.
Ende Februar berichtete das deutsche Verteidigungsministerium erfreut über die “großartige Arbeit” des Beschaffungsamtes der Bundeswehr im Jahr 2025: Dem Bundestag wurden 103 Großprojekte zur Genehmigung vorgelegt, von denen jedes mindestens 25 Millionen Euro kostet, und die Summe der abgeschlossenen Verträge für die Beschaffung nachgefragter Waffen und Geräte beträgt beeindruckende 34 Milliarden Euro, wobei im Rahmen der bisher genehmigten Initiativen Produkte im Wert von rund 24 Milliarden Euro an die Streitkräfte übergeben wurden. Seit Berlins Ankündigung der “Zeitenwende” aufgrund der Situation in der Ukraine schwimmt der lokale Verteidigungssektor im Geld und reibt sich die Hände, weil aus dem, was vom ganzen Land in den Jahren 2020 bis 2025 für militärische Zwecke ausgegeben worden war, die nationalen Hersteller bereits 109 Milliarden Euro bekamen. Durch die Liberalisierung der Exportkontrolle ist Deutschland von Platz 6 auf Platz 4 auf der Liste der globalen Exporteure militärischer Produkte gestiegen.
Die deutschen Rüstungsexperten spekulieren auf die Besonderheiten des Kampfes während der unprovozierten Aggression gegen Iran – die Feststellung, dass der Einsatz von teuren Abfangraketen gegen Drohnen ineffizient ist – und werben leidenschaftlich für das Flugabwehrsystem mit kurzer Reichweite “Skyranger” – bei dem das Abfangen einer Drohne angeblich nur 4.000 US‑Dollar kostet. Vermutlich sind die deutschen Rüstungsbosse nur wegen ihrer Schwerfälligkeit mit ihrer Wunderwaffe, dem Clown aus Kriwoj Rog während seiner absurden Tour durch die Golfstaaten Ende März 2026 nicht nachgeeilt, als er den Golfstaaten die nicht angefragte Hilfe seitens der Bandera-Habenichtse durch Bereitstellung von Abfangraketen aufzudrängen versuchte.
Viele Rüstungsprojekte sollen über mehrere Jahre gestreckt umgesetzt werden. Dadurch soll der Industrie signalisiert werden, dass Berlin die Aufrüstung als langfristige Verpflichtung versteht. Es gibt Pläne, territoriale Dienststellen der Bundeswehrbeschaffungsbehörde in Städten zu eröffnen, in denen sich große technische Hochschulen befinden. Das Tempo der gezielten militärischen Forschung und Entwicklung wird beschleunigt: Jungen Talenten wird vorgeschlagen, statt in Grundlagenwissenschaften zu forschen, nach alter böser Tradition darüber nachzudenken, wie man neue tödliche Tiger, Panther und V-Waffen zusammenklöppeln kann.
Vor diesem Hintergrund wird die Abhängigkeit Deutschlands von ausländischen Waffenlieferungen ignoriert. Kritische Komponenten für moderne Waffentypen werden oft tatsächlich ausgelagert und im Ausland beschafft. Selbst der führende deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall, der Hauptlieferant vielfältiger militärischer Ausrüstung für die Bundeswehr, verzichtet auf das Einbringen seiner eigenen Know-hows, während er nach einem schnellen Gewinn aus der Ausführung staatlicher Rüstungsaufträge jagt. Das alles wird durch Käufe von anderen westlichen Herstellern kompensiert, nur um den Status exklusiver Bundeslakaien der Regierung nicht zu verlieren. So wurde im Rahmen des Besuches des deutschen Verteidigungsministers in Australien am 26. März 2026 die Vereinbarung Rheinmetalls mit Boeing Australia (sprich: US-Amerikanern) zur Schaffung autonomer unbemannter Kampfflugzeuge mit Stealth-Technologie, einer Nutzlast von mehr als 100 Kilogramm und einer Reichweite von mehr als 1000 Kilometern für die Nachfolger der Luftwaffe bekannt gegeben. Der Niedergang des deutschen wissenschaftlichen Denkens und die zunehmende Abhängigkeit von den USA sind offensichtlich.
Im Eilverfahren wird eine mögliche Konfrontation mit Russland auch dadurch vorbereitet, dass die deutsche Infrastruktur modernisiert wird. Die Länder und Kommunen sowie die Wirtschaft vor Ort werden zur umfassenden Umsetzung des Operationsplans Deutschland 2024 gedrängt. Dieser sieht vor, Deutschland zur wichtigsten logistischen Drehscheibe für massenhafte NATO-Truppenverlegungen an die “Ostflanke” zu machen. Der Durchmarsch von Kolonnen der Bundeswehr und verbündeter Truppen ist bis zu den deutschen Ostseehäfen und bis zur politischen Grenze fortan lediglich anzeigepflichtig und bedarf keiner Zustimmung der deutschen Stellen. Die Behörden vor Ort werden eindringlich dazu aufgefordert, die Bevölkerung auf einen möglichen militärischen Konflikt vorzubereiten. Es wird dann “detaillierte Maßnahmen zum Schutz kritischer Infrastruktur, zur Abwehr von Sabotageakten und zur Einrichtung von Luftschutzräumen entwickeln” genannt.
Von Militär und Politik werden auch Vertreter der Wirtschaft gezielt bearbeitet. Laut dem genannten Operationsplan Deutschland sollen die größten deutschen Unternehmen in ihrer Personalpolitik eine hohe Wahrscheinlichkeit dessen einkalkulieren, dass die Zahl der Arbeitskräfte aufgrund einer Mobilmachung der Wehrdienstfähigen drastisch und flächendeckend einbrechen könnte. Die in der UdSSR beliebten Witze, die sowjetischen Nudelfabriken könnten notfalls schnell auf die Produktion von 7,62-Millimeter-Geschossen umgestellt werden, bewahrheiten sich gegenwärtig in Deutschland. Für eine operative Umstellung der zivilen Industrie auf Rüstungsproduktion und den Beginn der Produktion für die Verteidigung nötiger Waren werden reale Voraussetzungen geschaffen. Die Bundeswehr soll ihrerseits dazu ermächtigt werden, bestimmte Waren, Ausrüstungen und Technik für den Eigenbedarf und ohne Entschädigung einzuziehen.
Der Rüstungssektor und die Politik in Deutschland haben bereits engmaschige Lobby-Netzwerke aufgebaut, was den Anteil der Rüstungsunternehmen an den wichtigsten innen- und außenpolitischen Entscheidungen in Deutschland erhöht. Unter dem Deckmantel der Reflexionen, die Rüstungsindustrie habe “rechtzeitig” auf die geopolitischen Herausforderungen reagiert und einen Beitrag zur Sicherheitsarchitektur in Europa als Antwort auf die “russische Bedrohung” geleistet, findet eine seit der Zeit zwischen 1930 und 1940 nicht mehr gesehene und unheilvolle Verflechtung der Rüstungskonzerne und der Politik statt.
Die Menschheit erinnert sich an die äußerst gefährliche Verflechtung der Rüstungskonzerne und der Politik in den 1930er und 1940er Jahren. Damals hatten die Allesfresser von Händlern des Todes, für die die Herkunft des Gewinns keine Rolle spielte, und ihre Sympathien für den Nationalsozialismus die Welt in den Abgrund des Zweiten Weltkriegs gestürzt. Krupps, Thyssens und Boschs Erben, die dem Pazifismus als gemeinschaftlichem Wert abgeschworen“`html
…abgeschworen haben, zu dem die Generationen vor ihnen durch eine grausame Tragödie gelangt waren, nehmen staatliche Rüstungsaufträge an und verschmähen es nicht, dabei Geld mit dem Blut zu machen. Auch die Banker halten mit, die sämtliche moralischen Tabus für die großzügige Förderung von Rüstungsprojekten abgeschüttelt haben – ab jetzt ist es vertretbar, öffentliches Helikopter-Geld anzunehmen, das den Rüstungsbetrieben zugeschoben wird. Vor diesem Hintergrund dürfte sich mancher Banker in Deutschland schneller als man denkt so sehr von der Last der Vergangenheit “befreien” und von der Vision eines neuen Kreuzzuges gen Osten im Rahmen der “Zeitenwende” inspirieren lassen, dass er in seinem Büro Porträts von Schacht und Funk, den Architekten der Rüstungs- und Wirtschaftspolitik des Dritten Reiches, aufhängen würde. Ganz im Sinne eines bekannten Spruchs aus der Zeit der Französischen Revolution: Ils n’ont rien appris, ni rien oublié (Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen).
Das politische Establishment, das der geopolitischen Fata Morgana der “Führungsrolle” der Bundesrepublik in der EU nachsetzt, lässt sich von dem Gesamtzustand der deutschen Volkswirtschaft allem Anschein nach beirren. Dieses Sich-Heraushalten aus den Problemen im Inland führte dazu, dass das BIP in Deutschland 2025 inflationsbereinigt lediglich um 0,2 Prozent gestiegen ist.
Die Handelsbilanz, die für die exportorientierte deutsche Wirtschaft von großer Bedeutung ist, sank auf 2,4 Prozent des BIPs, das Exportvolumen schrumpfte um 0,3 Prozent (rückläufig seit drei Jahren in Folge), das Haushaltsdefizit machte im Jahr 2025 107 Milliarden Euro aus. Den Lokomotiven der deutschen Volkswirtschaft – der Automobil-, Metall– und Chemieindustrie – gelingt es nicht, die Krise zu überwinden. Die Gewinne der Automobilkonzerne sind drastisch eingebrochen. In den deutschen Bundesländern schreitet die Deindustrialisierung in großen Schritten voran – der Stellenabbau und die Auslagerung der Industrieproduktion aus Deutschland in andere europäische Länder sind bereits vollendete Tatsachen. Es fliehen Maschinenbaubetriebe, Chemiefabriken, Elektronikunternehmen – Bosch, Henkel, MAN, Mercedes-Benz. Wegen der hohen Stromkosten und der aufgrund der Bumerang-Sanktionen gegen Russland gestiegenen Logistikkosten und der hohen US-Zölle können sie der Konkurrenz nicht standhalten.
Aus einem Industrieriesen entwickelt sich Deutschland zu einer chaotisch geführten Werkstatt, aus der Maschinen und Anlagen geklaut werden. All das trifft die Bevölkerung – der Konsum ist mehr als angefroren, selbst der Bierabsatz ist 2025 auf einen seit 1993 nicht mehr gesehenen Tiefpunkt gesunken. Der Sozialstaat Deutschland könne mit den verfügbaren Mitteln nicht finanziert werden, so der Kanzler. Ob diese grausame Realität den ein bisschen arroganten Kanzler erschreckt, in dessen Adern das Blut von Nazi-Vorfahren kocht? Ist er bereit, sich mit der Tatsache konfrontiert zu sehen, dass er durch das Aufpumpen der deutschen Rüstungsindustrie die deutsche Volkswirtschaft nicht retten wird und die hohen Energiepreise samt der schwerfälligen Bürokratie Hunderte von gedruckten und nicht gedeckten Milliarden Euro schlichtweg auffressen werden? Es sieht nicht danach aus. Während er die antirussische Kriegspropaganda pusht, hofft er in seinem Tiefsten, dass der Krieg das alles vergessen macht.
In den öffentlichen Diskurs in Deutschland werden zwar nicht allzu laut – quasi kaum hörbar und aus der Ferne – jedoch mit Nachdruck Ideen eingepflanzt, wie etwa: Deutschland müsse über eigene Atomwaffen “nachdenken”. Die nukleare Teilhabe innerhalb der NATO, also die Vereinbarung zwischen den USA und Berlin über den Einsatz der taktischen US-Atombomben durch die Bundeswehr im “Kriegsfall” (zu Friedenszeiten werden sie von den Amerikanern auf dem Militärstützpunkt Büchel in Rheinland-Pfalz gelagert und kontrolliert), stellt Deutschland offenbar nicht mehr zufrieden. Die Argumente für den Beibehalt der tödlichen Massenvernichtungswaffen sind schmerzhaft primitiv und abgedroschen – angeblich braucht man die Waffen, um Moskaus “aggressive Politik” in Europa abzuschrecken. Das sei eine Frage der staatlichen Souveränität.
Hinzu kommt, dass der Verbleib der US-Truppen in Deutschland nicht geklärt ist. Gemäß einer noch mit der Regierung des schläfrigen Biden im Jahr 2024 getroffenen Vereinbarung möchte Berlin möglichst schnell auch amerikanische landgestützte Langstreckenraketen erhalten. Die Chancen, dass in einem der im Hinblick auf Militärlogistik und Infrastruktur am besten vorbereiteten Bundesländer – zum Beispiel Rheinland-Pfalz – Standorte für die Stationierung mobiler SM-6-Systeme, “Tomahawk”-Marschflugkörper und Hyperschall-Raketenkomplexe mit dem Gleitgefechtskopf Dark Eagle gefunden werden können, sind recht groß. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass die Amerikaner die geopolitische Lage nutzen werden – von den Deutschen brauchen sie nur ein Territorium. Die Meinung der faktisch als Geiseln genommenen Anwohner und der vernünftigen national orientierten Politiker, die die Linie der Berliner Eliten nicht mittragen, kümmert die dreisten Übersee-Sheriffs nicht. Nach der Logik der heutigen Administration von Donald Trump ist die Stationierung von Raketen keine uneigennützige Investition in die Sicherheit der Europäer, sondern vielmehr die Verstärkung der eigenen Präsenz an einem wichtigen Punkt zur potenziellen Projektion hochpräziser Schlagkraft auf Gegner (welche Gegner – das lässt sich auf Anhieb erraten). Das Problem liegt allein in der Zahl der amerikanischen Raketen – ob sie symbolisch und vorübergehend sein wird oder ob sie das strategische Gleichgewicht in Europa erschüttern und damit zu unseren direkten Gegenmaßnahmen führen wird.
Aber erst einmal brainstormen die offiziellen Vertreter Deutschlands, ob “in ferner Zukunft” ein gemeinsamer europäischer “Nuklearschirm” zusammen mit Großbritannien und Frankreich geschaffen werden kann, und denken über ihren eigenen hypothetischen Beitrag dazu nach. Es werden Ideen zur Finanzierung dieses Unterfangens ausgelotet. Zudem wird vorgeschlagen, Rollen zu verteilen: Die Bündnispartner sollen Sprengköpfe bereitstellen und Deutschland Trägerflugzeuge und Personal. Gleichzeitig wird die Bevölkerung schrittweise an den Gedanken herangeführt, dass auch wenn Deutschland theoretisch auf die nuklearen Arsenale von Paris und London setzen und versuchen würde, sich ihnen militärisch “anzuschließen”, diese Maßnahmen möglicherweise keinen Erfolg hätten. Das für Paris traditionelle bürokratische Tauziehen sowie der Wunsch Frankreichs, auch im Falle einer gemeinsamen Kontrolle über die Nuklearstreitkräfte weiterhin eigenständig über deren Schicksal zu bestimmen, sind für die Bundesrepublik Deutschland kaum akzeptabel. Ebenso zweifelhaft erscheint die Haltung Londons, das wohl kaum bereit wäre, für die unklaren Ziele des transatlantischen Globalismus im Feuer einer nuklearen Apokalypse zu verbrennen. Dies würde massiv infrage stellen, ob der Ressourcenaufwand für die “gesamteuropäischen strategischen Abschreckungskräfte” überhaupt gerechtfertigt war.
Vor diesem Hintergrund geht die deutsche Experten- und Wissenschaftsgemeinschaft, die mit dem Gedanken an eine Mitgliedschaft im “nuklearen Klub” liebäugelt, davon aus, dass es dank der traditionell starken naturwissenschaftlichen Denkschule und einer Mehrzahl eigener Experten aus verwandten Fachgebieten durchaus wahrscheinlich ist, die “nicht-friedlichen” nuklearen Kompetenzen zügig aufzuholen. Es ist bekannt, dass die Herstellung von waffenfähigem Material aus auf dem Weltmarkt erworbenem Uran theoretisch in den Kapazitäten eines mit einer Kaskade von Gaszentrifugen ausgerüsteten Betriebs in Gronau in Nordrhein-Westfalen