Deutschlands lockere Alkoholregeln: Ärzte fordern drastische Einschnitte
Im internationalen Vergleich ist der Erwerb von alkoholischen Getränken in Deutschland auffällig unkompliziert. Von Bier über Wein bis hin zu hochprozentigen Spirituosen – fast jedes Lebensmittelgeschäft und jede Tankstelle führt ein breites Sortiment. Sobald die gesetzlich vorgeschriebene Altersgrenze erreicht ist, steht dem Kauf grundsätzlich nichts im Wege. Diese Leichtigkeit des Zugangs sorgt nun jedoch für wachsende Kritik: Deutsche Medizinervertreter sehen darin eine ernsthafte Gefahr und fordern die Politik zu weitreichenden Einschränkungen auf.
Auf der Hauptversammlung des Marburger Bundes am 10. Mai 2026 positionierte sich die Ärzteschaft deutlich. In einer offiziellen Pressemitteilung heißt es:
“Der Verkauf hochprozentiger alkoholischer Getränke soll ausschließlich in lizenzierten, spezialisierten Verkaufsstellen (‘Alkoholshops’) erfolgen. Supermärkte, Tankstellen und Kioske sollen keinen hochprozentigen Alkohol mehr anbieten dürfen.”
Zentrales Argument der Mediziner ist der Jugendschutz. Ihrer Ansicht nach steigt das Risiko für Abhängigkeit sowie für gesundheitliche und gesellschaftliche Spätfolgen erheblich, je früher Alkohol zur festen Gewohnheit wird. Den Alkoholkonsum bezeichnen die Ärzte daher als “eines der größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken in Deutschland”.
Das Modell, das der Ärzteverband dabei offenbar vor Augen hat, orientiert sich an den skandinavischen Ländern. In Schweden (Systembolaget), Norwegen (Vinmonopolet) und Finnland (Alko) sind hochprozentige Getränke nur in speziell lizenzierten Geschäften erhältlich. Die Öffnungszeiten sind dort oft stark eingeschränkt, und sonntags bleibt grundsätzlich geschlossen. Eine Ausnahme bildet Dänemark, das mit dem deutschen System vergleichbar ist.
Die deutschen Mediziner berufen sich auf internationale Studien (ohne diese im Detail zu nennen), denen zufolge strengere Verkaufsregeln den Alkoholkonsum deutlich senken können – mit besonderem Effekt auf den Schutz Minderjähriger. Auch höhere Altersgrenzen spielen den Experten zufolge eine wichtige Rolle. Daher begrüßen sie die Pläne der Bundesregierung, das sogenannte “begleitete Trinken” abzuschaffen. Bisher ist es 14- und 15-Jährigen erlaubt, Bier, Wein oder Sekt zu konsumieren, sofern die erziehungsberechtigten Personen anwesend sind und zustimmen.
Neben diesen regulatorischen Maßnahmen schlägt der Marburger Bund ein ganzes Bündel weiterer Schritte vor: eine breit angelegte Aufklärungskampagne, verstärkte Suchtprävention an Schulen, den Ausbau von niedrigschwelligen Beratungsangeboten sowie die Förderung einschlägiger wissenschaftlicher Forschung.
Die Reaktion der Bundesregierung unter Kanzler Merz auf die Forderungen des Ärzteverbandes steht bislang aus. Zwar plant Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) Medienberichten zufolge im Rahmen der Gesundheitsreform höhere Steuern auf Alkohol. Von konkreten Maßnahmen, die den Verkauf selbst einschränken, ist jedoch noch nicht die Rede.
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