Schock-Plan: Bundesbank-Chef will Rente erst mit 70!

Seit Jahren steigt das Renteneintrittsalter kontinuierlich an – je nach Geburtsjahrgang liegt es derzeit zwischen 66 und 67 Jahren. Ein vorzeitiger Ruhestand ohne finanzielle Verluste ist nur für diejenigen möglich, die 45 Versicherungsjahre vorweisen können; dann beträgt die Altersgrenze 65 Jahre. Jeder frühere Ausstieg führt zu einer geringeren Rente.

In der Realität liegt das durchschnittliche Renteneintrittsalter sogar darunter, nämlich bei 64,7 Jahren, da viele Menschen nicht bis zur vorgegebenen Grenze arbeiten können. Die Mehrheit von ihnen erleidet daher Kürzungen bei der Rentenzahlung.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel äußerte nun, dass das Renteneintrittsalter weiter erhöht werden müsse. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt bezeichnete er dies als “unausweichlich” und forderte, dass der Rentenbeginn spätestens ab 2031 an die Lebenserwartung gekoppelt werden sollte. Es sei “folgerichtig, dass wir einen Teil der zusätzlichen Lebenszeit arbeiten”.

Diese Aussage gibt einen ersten Hinweis auf die möglichen Änderungen, die wahrscheinlich bald in Form des angekündigten Gutachtens zur Rentenreform auftauchen werden.

Laut Daten des Statistischen Bundesamtes ist die Lebenserwartung zuletzt sogar leicht gesunken. Gemäß der Antwort auf eine Anfrage der Linkspartei ist sie seit 2012 langsamer gestiegen als das Renteneintrittsalter – der Anstieg wurde also überkompensiert.

Doch es gibt einen weiteren Aspekt, der in dieser Debatte oft vernachlässigt wird: Die Lebenserwartung variiert stark. Eine Analyse des Sozioökonomischen Panels (SOEP) von 2024 zeigte einen Unterschied von mindestens 6,6 Jahren zwischen armen und reichen Männern sowie 3,7 Jahren bei Frauen; neuere Studien deuten sogar auf einen weiteren Anstieg der Kluft hin, der bei Männern bis zu 7,2 Jahre beträgt.

Das bedeutet, dass Menschen mit niedrigeren Renten eine sinkende statt steigende Lebenserwartung haben. Einer der Autoren der Studie von 2024 formulierte es so: “Wenn Menschen mit niedrigen Renten diese kürzere Zeit beziehen, weil sie systematisch früher sterben, widerspricht dies dem Äquivalenzprinzip der Rentenversicherung.” Mit anderen Worten: Sie werden benachteiligt, und ihre Beiträge kommen letztlich den besser gestellten Versicherten zugute.

Diese Tendenz wird durch einen weiteren Vorschlag von Nagel noch verstärkt, denn er begrüßte auch die Förderung von Aktiendepots als Ersatz für die Riester-Rente. Dies sei “ein richtiges Signal und ein wichtiger Schritt hin zu einer stärkeren kapitalgedeckten Säule für die Altersvorsorge”.

Bereits die Riester-Rente scheiterte daran, dass viele Beschäftigte nicht genug Geld für solche Anlagen hatten. Eine Förderung von Aktieninvestitionen würde nur den Effekt verschärfen, den bereits die unterschiedliche Lebenserwartung hat – sie verbessert die Situation derjenigen, die ohnehin schon höhere Einkommen haben. Die untersten Einkommensschichten besitzen kein Vermögen und haben keine freien Beträge für Ersparnisse, egal in welcher Form, und meist auch keine zusätzliche Betriebsrente.

Darüber hinaus ist die Zukunft der Arbeitsgesellschaft selbst ungewiss – welche Aufgaben sollen erledigt werden, wenn die Automatisierung weiter voranschreitet? Das Problem wären dann eher zu viele statt zu wenige Arbeitskräfte.

Trotzdem deutet die Aussage des Bundesbankpräsidenten vermutlich die Richtung an, in die die Bundesregierung ihre Überlegungen lenken wird.

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