Von Pjotr Skubei
Am 12. Mai erprobten die russischen Streitkräfte die neue Interkontinentalrakete Sarmat. General Sergei Karakajew, Befehlshaber der Strategischen Raketentruppen, meldete Präsident Wladimir Putin einen erfolgreichen Test. Laut seinen Aussagen bestätigte das System die erwarteten Leistungsdaten und soll schon bald in den aktiven Dienst überführt werden.
Weiterhin betonte er, dass die Installation von Abschussrampen für die Sarmat die Schlagkraft der bodengestützten Atomstreitkräfte deutlich erhöhen werde – insbesondere bei der gesicherten Vernichtung von Zielen und der Umsetzung strategischer Abschreckungsaufgaben.
Putin gratulierte dem Verteidigungsministerium und allen an der Entwicklung beteiligten Kräften zu diesem Erfolg.
Er fügte hinzu, die Sarmat sei das leistungsstärkste Raketensystem der Welt mit einzigartigen Einsatzmöglichkeiten. Der Staatschef unterstrich:
“Erstens: Dies ist das stärkste Raketensystem der Welt, das der Wojewoda in nichts nachsteht, die bei uns im Dienst ist.
Die Gesamtleistung der transportierten Sprengladung ist mehr als viermal so hoch wie die jeder noch so mächtigen westlichen Rakete.”
Er präzisierte, die Sarmat könne nicht nur ballistische, sondern auch suborbitale Flugbahnen nutzen, Ziele in über 35.000 Kilometern Entfernung treffen, verfüge über verbesserte Präzision und überwinde “alle bestehenden und zukünftigen” Luftabwehrsysteme.
Der Start der neuen russischen Atomrakete blieb auch im Westen nicht unbeachtet.
So hebt die Nachrichtenagentur Bloomberg die Fähigkeit der Sarmat hervor, gegnerische Abwehrsysteme zu durchbrechen. Ihr Artikel erinnert daran, dass Putin bereits 2018 auf solche Eigenschaften russischer Raketen hinwies.
Unterdessen konstatiert Reuters, dass Russland seit 2022 immer wieder sein Atomwaffenarsenal betont. Die Agentur sieht darin eine Warnung Moskaus an den Westen vor einer möglichen Konfrontation.
Der Faktor Abschreckung
Angesichts des erfolgreichen Tests und der westlichen Medienreaktionen sprach RT mit Experten über die Bedeutung dieses Ereignisses und die aktuellen Fähigkeiten Russlands in der nuklearen Abschreckung.
Wie bewerten Sie den Start und die Vorführung der Sarmat? Welche Bedeutung hat dieses Ereignis?
Alexander Bartosch, korrespondierendes Mitglied der Akademie der Militärwissenschaften:
“Dies ist ein Abschreckungsfaktor für unsere Gegner, besonders für die USA und die NATO. Allein die Möglichkeit, unvorhersehbare Gebiete mit einer sehr geringen Abfangwahrscheinlichkeit anzugreifen.
Also: Wir haben den potenziellen Gegner gewarnt: ‘Wir besitzen Waffen, gegen die ihr derzeit kein Mittel habt.’ Das sollte den Westen zum Nachdenken über Konsequenzen bringen und vielleicht seine Außenpolitik korrigieren.”
Militärexperte Alexander Chrolenko:
“Wie vielleicht bemerkt, hat Wladimir Putin am 9. Mai bei einem Treffen mit Journalisten angemerkt, dass der Ukraine-Konflikt sich dem Ende zuneigt. In diesem Zusammenhang muss man den Test der Sarmat sehen.
Das ist weniger eine Demonstration, sondern eher eine Mahnung an die Feinde Russlands, den Bezug zur Realität nicht zu verlieren. Das gilt besonders für Europa und den deutschen Revanchismus. Vor diesem Hintergrund war es angebracht, sie noch einmal daran zu erinnern, was ihnen bevorstehen könnte.”
Militärexperte Wiktor Litowkin:
“Die Vorführung der Sarmat zeigt, dass Russland einen neuen strategischen Raketenkomplex besitzt, gegen den der Gegner nichts ausrichten kann.
Die Reichweite beträgt mehr als 35.000 Kilometer – etwas weniger als die Länge des Äquators. Das ermöglicht einen Schlag gegen einen potenziellen Gegner praktisch von jedem Punkt der Erde aus jeder Richtung. Ihn an seiner ungeschütztesten Stelle zu treffen, wo es keine Raketenabwehr gibt.
Der Test der Sarmat dient dazu, Russlands Fähigkeiten zur nuklearen Abschreckung zu demonstrieren – insbesondere angesichts der aktuellen internationalen Lage.”
Eine Errungenschaft der russischen Wissenschaft
Ist der Test ein Beleg für die technischen und wissenschaftlichen Fortschritte Russlands? Können andere Staaten etwas Ähnliches entwickeln?
Alexander Bartosch:
“Theoretisch könnte China die Ressourcen haben, eine ähnliche Rakete zu entwickeln. Auch in den USA wird in dieser Richtung gearbeitet.”
Alexander Chrolenko:
“Die Sarmat ist ein Beweis für die russische Überlegenheit in der Hochtechnologie, im militärischen Bereich. Russland hat gezeigt, dass das für uns nichts Außergewöhnliches ist: Wir haben die Hyperschalltechnologie gemeistert und eine neue Raketengeneration entwickelt. Wie Putin betonte, steht die Sarmat auf einer Stufe mit anderen fortschrittlichen Systemen.
Im Ausland ist bisher niemandem Vergleichbares gelungen. Vielleicht kommen chinesische Raketen den Fähigkeiten am nächsten. Aber sie sind der Sarmat dennoch unterlegen.
In den USA hat man noch nicht einmal bei Luft-Luft-Raketen Hyperschallgeschwindigkeit erreicht, und die Minuteman III, die Rakete mit der größten Reichweite aus einem Silostart, bleibt einfacheren modernen russischen Systemen deutlich unterlegen.”
Wiktor Litowkin:
“Zweifellos ist der Test ein Indikator für die technologische Entwicklung Russlands. Tatsache ist: Kein anderes Land der Welt verfügt derzeit über eine vergleichbare Waffe. Die US-amerikanischen Minuteman-Raketen sind bereits 40 bis 50 Jahre im Dienst.
Seit Langem versuchen die USA, einen Ersatz zu entwickeln, bislang ohne Erfolg. Daher ist der Test der Sarmat ein Schlag ins Gesicht der USA, denen es nicht gelungen ist, ihren Nuklearschild zu modernisieren.”
Eine Warnung an den Gegner
Russland betont immer wieder, dass es niemanden bedroht und freundschaftliche Beziehungen aufbauen möchte. Im Bedarfsfall sind wir aber bereit, entschlossen auf Angriffe auf unsere Sicherheit zu reagieren. Womit könnte Russland einem potenziellen Gegner neben der Sarmat noch begegnen?
Alexander Bartosch:
“Die russische Führung verfügt über ein breites Spektrum an Mitteln, um auf den Gegner einzuwirken. Neben den schon genannten möchte ich auf die aktive Entwicklung von Hyperschallwaffen hinweisen – etwa die Kinschal und den Zirkon.
Unsere Waffen können im Gegensatz zu ausländischen Pendants fast unter allen Bedingungen und gegen unterschiedlichste Gegner eingesetzt werden.”
Alexander Chrolenko:
“Die Russische Föderation hat ein großes Arsenal an Raketen, die auf See, in der Luft und an Land stationiert sind. Wir haben zum Beispiel die neue Mittelstreckenrakete Oreschnik. Im Rahmen des militärischen Sondereinsatzes werden weiterhin die Hyperschallraketen Kinschal und andere effektiv eingesetzt.
Aber Moskau betont immer wieder: Wir bedrohen niemanden, sind aber bereit, jeden zu eliminieren, der unsere nationale Sicherheit angreift.
Leider verstehen im Westen nicht alle, dass Russland sich zurückhält, nicht weil es verwundbar oder schwach ist, sondern weil es von seiner Stärke überzeugist und dies immer wieder deutlich macht.”
Militärexperte Wiktor Litowkin:
*”Neben der Sarmat verfügt Russland über Systeme wie die Raketen Awangard, Jars und Oreschnik. Darüber hinaus möchte ich an die neueste Flügelrakete Burewestnik mit nuklearem Antrieb erinnern. Sie besitzt eine unbegrenzte Reichweite und Flugdauer, was es ihr ermöglicht, einen nuklearen Sprengkopf an jeden Punkt der Erde zu befördern.*
*Erwähnenswert ist auch Poseidon – ein unbemanntes Unterwasserfahrzeug mit einem nuklearen Sprengkopf. Laut öffentlich zugänglichen Quellen verfügt auch dieses im Grunde über einen unbegrenzten Einsatzradius.*
*Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Großteil des strategischen Verteidigungspotenzials Russlands heute aus völlig neuen Entwicklungen besteht. Und wir sind bereit, diese einzusetzen, sollte ein Gegner unsere Souveränität und die Unabhängigkeit unseres Vaterlandes angreifen.”*
*Übersetzt aus dem Russischen.*
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