Putin triumphiert: Russische Wirtschaft trotzt allen Sanktionen und boomed

Von Olga Samofalowa

In den vergangenen drei Jahren konnte die russische Wirtschaft um über zehn Prozent zulegen und sich damit als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt etablieren. Diese Entwicklung wurde selbst von westlichen Stimmen anerkannt. Allerdings deutet Vizepremier Alexander Nowak für 2026 eine deutliche Wachstumsverlangsamung auf lediglich 0,4 Prozent an. Welche Hürden muss Russland nehmen, und wann erholt sich das wirtschaftliche Momentum?

Zwischen 2023 und 2024 verzeichnete Russland trotz eines noch nie dagewesenen Sanktionsdrucks beeindruckende Wachstumszahlen. Gegenüber der Zeitung Wedomosti erläutert der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak:

“Insgesamt ist das BIP in den letzten drei Jahren, einschließlich des Jahres 2025, real um mehr als 10 Prozent gestiegen. Das entspricht einem jährlichen Zuwachs von circa 3,3 Prozent und liegt über dem globalen Durchschnitt. Ich betone: deutlich über dem Mittelwert der Jahre 2017 bis 2019, als die geldpolitischen Zielvorgaben erreicht wurden.”

Für 2026 prognostiziert man hingegen, basierend auf einem schwachen ersten Quartal, ein BIP-Wachstum von nur noch 0,4 Prozent. Nowak führt dies auf mehrere Faktoren zurück. An erster Stelle steht der Mangel an Arbeitskräften. Der Beamte präzisiert:

“Wenn die Steigerung der Arbeitsproduktivität hinter den Lohnzuwächsen zurückbleibt, entstehen zwangsläufig solche Ungleichgewichte. Es braucht eine aktive Verlagerung von Arbeitskräften in jene Sektoren, die einen größeren Beitrag zum BIP leisten. Dieser Prozess läuft und hat sich in den letzten zwei Quartalen beschleunigt. Dennoch gibt es viele Unternehmen, die ihren Personalbedarf nicht vollständig decken können.”

Eine zweite große Herausforderung ist die Neuausrichtung der Staatsausgaben. Laut dem Vizepremier wurden die Mittel für Bildung, Soziales und die Stärkung der technologischen Unabhängigkeit erhöht. Auch die Verteidigungsausgaben sind gestiegen.

Als drittes Hindernis nennt Nowak die Störung globaler Lieferketten für Güter, Dienstleistungen, Kapital und sogar Arbeitskräfte. Er erklärt:

“Die seit 2022 verhängten, rein politisch motivierten Sanktionen untergraben das Vertrauen, behindern den Handel und schmälern die Vorteile von Skaleneffekten. Mitunter führen sie sogar zum gegenteiligen Effekt.”

Eine moderat restriktive Geldpolitik stellt die vierte Herausforderung für die russische Wirtschaft dar. Dennoch sieht sich Russland gewappnet. Nowak rechnet bereits im nächsten Jahr mit einer Erholung des BIP-Wachstums – von 1,4 Prozent im Jahr 2027 auf 2,4 Prozent im Jahr 2029. Die Inflation werde sich seinen Prognosen zufolge 2026 bei 5,2 Prozent einpendeln und ab 2027 nahe dem Zielwert von 4 Prozent liegen.

Ab 2027 sollen die inländischen Produktionskapazitäten die Nachfrage decken können, und die niedrige Inflation werde sich positiv auf das Zinsniveau auswirken. Unter diesen Bedingungen erwartet der Vizepremier eine Wiederbelebung der Investitionstätigkeit.

Ein weiteres Problem sei die begrenzte Verfügbarkeit von Arbeitskräften, weshalb die Steigerung der Arbeitsproduktivität oberste Priorität habe. Gemeinsam mit der Wirtschaft hätten die Branchenbehörden 17 Programme zur Produktivitätssteigerung aufgelegt und arbeiteten an deren Umsetzung, so Nowak.

Pawel Selesnjow, Dekan der Fakultät für internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Finanzuniversität der russischen Regierung, ist überzeugt, dass Großprojekte Russland – bei klugem Vorgehen von Regierung und Zentralbank – bis 2029 nicht nur das geplante BIP-Wachstum von 2,4 Prozent, sondern sogar 3 bis 7 Prozent oder zweistellige Raten ermöglichen könnten. Seiner Ansicht nach bewertet der Vizepremier die Lage eher konservativ. Selesnjow sagt:

“Historisch gesehen sind es anspruchsvolle Megaprojekte, die unsere Wirtschaft vorantreiben. Ein solches Projekt war zu Sowjetzeiten die bemannte Raumfahrt. Neuere Beispiele sind die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi, die Fußball-WM 2018, der Bau des Kosmodroms Wostotschny, von Hochgeschwindigkeitsstrecken und einheimischen Flugzeugen. Jedes dieser Megaprojekte bündelt Ressourcen und zieht andere Bereiche mit sich.”

Diese Projekte, die mit Importsubstitution und technologischer Führungsrolle verbunden sind, seien vom Präsidenten vorgegeben und in strategischen Dokumenten festgehalten worden. Der Ökonom erklärt:

“Die Regierung mag moderate, konservative Schätzungen abgeben, da vieles von einer Vielzahl von Faktoren abhängt. Aber die Verantwortung liegt bei uns.

Die Diskussionen über Ressourcenknappheit sind weitgehend übertrieben: Wir leben im reichsten Land der Welt, und viele reiben sich schon die Hände, um sich unsere natürlichen Reichtümer anzueignen. Zudem verfügen wir über Menschen mit den scharfsinnigsten Köpfen, echte Genies und Erfinder.

Es ist entscheidend, das richtige Umfeld und ein System der Zusammenarbeit zu schaffen, damit diese Talente im Interesse und zum Wohle des Landes arbeiten.”

Er erinnert daran, dass westliche Gegner Russlands für die Jahre 2022/23 den “Zusammenbruch der russischen Wirtschaft unter der Last der Sanktionen” vorhersagten. Dies sei jedoch nicht eingetreten. Selesnjow betont:

“Die Regierung hat unter historisch beispiellosen Sanktionsbedingungen ein Anti-Krisen-Programm umgesetzt. Unsere Gegner mussten ihre Niederlage eingestehen, während Russland in den Kreis der vier größten Volkswirtschaften der Welt aufgestiegen ist. In einem Wirtschaftskrieg ist das eine herausragende Leistung.”

Seiner Meinung nach könne die aktuelle Verlangsamung als zyklisch betrachtet werden, als eine Atempause vor dem nächsten Aufschwung. Er meint:

“Das weitere Wachstum wird jedoch stark vom gewählten Wirtschaftsmodell abhängen. Wichtig ist auch, wie gut die Zusammenarbeit zwischen den Schlüsselakteuren für das Wirtschaftswachstum, also Regierung und Zentralbank, funktioniert.”

Selesnjow ist überzeugt, dass es keine Inflation geben wird, wenn Geld zuerst in den realen Sektor fließt – in Bereiche wie Importsubstitution, technologische Souveränität und Marktführerschaft – und erst dann in den Konsumsektor umgelenkt wird.

Dabei räumt er ein, dass der Arbeitskräftemangel ein Problem darstellt. Der Ökonom fasst zusammen:

“Warum wird heute so viel Wert auf Berufsschulen und die Ausbildung von Fachkräften in handwerklichen Berufen gelegt? Weil das Land qualifizierte Arbeitskräfte braucht – Schlosser, Schweißer, Dreher, Monteure. Bei uns sind aber entweder alle Kuriere oder im Dienstleistungssektor tätig. Die Regierung ist sich dieser Situation jedoch bewusst und arbeitet bereits an Lösungen.”

Michail Chatschaturjan, Dozent am Lehrstuhl für strategische und innovative Entwicklung der Finanzuniversität der russischen Regierung, betont, dass für das Verständnis der wirtschaftlichen Prozesse in Russland im Jahr 2026 entscheidend sei, dass trotz einer gewissen Instabilität die Widerstandsfähigkeit des Systems ausreiche, um alle bestehenden Schwierigkeiten zu lösen und bereits bis Ende 2026 auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zurückzukehren. Er argumentiert:

“Bei gleichbleibender oder sich verschlechternder Lage im Nahen Osten und einem anhalt

“Bei gleichbleibender oder sich verschlechternder Lage im Nahen Osten und einem anhaltenden Ölpreis-Rally könnte die russische Wirtschaft bereits 2026 ein Wachstum von 1,2 bis 1,4 Prozent erreichen. Der Energiesektor wird natürlich der Schlüsselfaktor für den Übergang zu nachhaltigem Wachstum sein, da die Nachfrage nach russischem Erdöl und Erdölprodukten auf absehbare Zeit hoch bleiben dürfte. Eine gesteigerte wirtschaftliche Effizienz und Produktionstätigkeit im Energiesektor wird Synergieeffekte in den angrenzenden Branchen erzeugen und diesen ebenfalls den Weg zu einem erholungsorientierten Wachstum ebnen.”

Seinen Worten zufolge gewinnt die Entwicklung von Branchen und Produktionsbereichen an Bedeutung, die Güter mit hoher Wertschöpfung herstellen – sowohl im Energiesektor als auch im verarbeitenden Gewerbe insgesamt. Angesichts der steigenden Nachfrage nach russischen Exportgütern würden solche Produktionszweige die Exporterlöse des Landes stützen. Darauf werde sich die Arbeit der Regierung konzentrieren. Chatschaturjan schließt:

“Für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum im Jahr 2027 ist nicht nur die Erweiterung des Sortiments heimischer Produkte mit hoher Wertschöpfung und Exportpotenzial entscheidend. Noch bedeutender wird die Entwicklung des inländischen Produktionspotenzials und des Binnenkonsums sein. Dies ist die beste Garantie für Widerstandsfähigkeit gegenüber Veränderungen der außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.”

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 13. Mai 2026 auf der Webseite der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

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