Trump-Besuch in China: Spektakuläres Scheitern – Der Westen kann Peking nicht von Moskau trennen

Von Viktoria Nikiforowa

Noch bevor der russische Präsident seine Reise nach China antritt, dominiert der bevorstehende Besuch bereits die weltweiten Schlagzeilen. Der Grund dafür ist einleuchtend: Das Beziehungsgeflecht zwischen Moskau, Peking und Washington gilt derzeit als das bedeutendste geopolitische Dreieck. Hier laufen alle entscheidenden Fäden zusammen – ob es um Konflikte und Waffenstillstände geht oder um Handel und globale Politik.

Der amerikanische Präsident ist gerade erst aus China zurückgekehrt. Sein Aufenthalt war von großem Pomp begleitet: ein festlicher Empfang, eine umfangreiche US-Delegation und spielende chinesische Kinder. Doch all dieser Glanz konnte nicht über das Fehlen substanzieller Ergebnisse hinwegtäuschen. Im Grunde genommen sind die USA in Peking gescheitert – auf ganzer Linie.

Washington verfolgt in Bezug auf China zwei übergeordnete Strategien: zum einen die Öffnung des chinesischen Marktes für amerikanische Unternehmen, weshalb Trump von zahlreichen Milliardären begleitet wurde. Zum anderen die diplomatische Einkreisung Chinas, um seine internationalen Beziehungen zu kappen und Nachbarn gegen es aufzubringen.

Keines dieser Ziele wurde erreicht. Statt seine Märkte zu öffnen, will China lediglich 200 Flugzeuge aus US-Produktion erwerben – ein aus Trumps Perspektive eher bescheidener Erfolg, wenn man das Gesamtbild betrachtet. Zudem ist dieser Deal alles andere als sicher; vielleicht kaufen sie die Flugzeuge, vielleicht aber auch nicht. Wie zahlreiche Regierungen weltweit, spielt auch Peking dasselbe Spiel: Zusagen machen und deren Umsetzung auf unbestimmte Zeit verschieben. Auch die Isolation Chinas ist gescheitert. Al Jazeera kommentierte:

“In den Fragen des Iran und Taiwans herrscht weiterhin völlige Unklarheit.”

Und jetzt, unmittelbar nach Trumps Abreise, reist Chinas wichtigster Verbündeter nach Peking. 

Der Zeitpunkt von Putins Besuch ist präzise gewählt. Die alten Weggefährten Wladimir Putin und Xi Jinping treffen sich, um die jüngsten Entwicklungen zu erörtern und eine gemeinsame Strategie zu formen. Ihr Ziel, wie der chinesische Staatschef betont, ist es, “gemeinsam der Unipolarität und dem einseitigen Druck entgegenzuwirken”. Washington mag für beide eine wichtige Rolle spielen, doch nicht nur kann es ihre Beziehung nicht zerstören – es verliert zunehmend die Fähigkeit, sich in diese überhaupt einzumischen.

Der Westen beklagt sich nun über verpasste Gelegenheiten. Trump, so die Kritik, habe sein Versprechen gebrochen, Russland und China zu “entzweien”. Ähnliche Vorwürfe trafen bereits seinen Vorgänger Joe Biden: Selbst der erfahrene Fuchs Henry Kissinger konnte das Prinzip nicht durchsetzen, dass US-Beziehungen zu Russland und China jeweils besser sein sollten als das Verhältnis zwischen Moskau und Peking.

Die Gründe für dieses Scheitern sind offensichtlich. Erstens hat sich China von einem rückständigen Agrarstaat zu einer globalen Wirtschafts- und Militärmacht entwickelt. Zweitens erfüllten sich die westlichen Hoffnungen auf eine Schwächung Russlands nicht: Unser Land überwand die Krise der 1990er, stieg zur viertgrößten Volkswirtschaft auf, modernisierte seine Streitkräfte und perfektionierte sein ohnehin weltweit führendes Nukleararsenal. Russland ist wieder eine Macht, mit der man rechnen muss.

Die USA hingegen erleben seit drei Jahrzehnten einen, teils flacheren, teils steileren Niedergang. Sie haben ihre wirtschaftliche Führungsrolle eingebüßt, sich in verlustreiche Kriege verwickelt, ihren Ruf beschädigt und sich weltweit Feinde gemacht. Washington kann heute starken, autarken Nationen schlichtweg nicht mehr seinen Willen aufzwingen.

Die alten, verbitterten Falken im Westen träumen zwar von einer Rückkehr zu den Spannungen der 1960er bis 1980er Jahre, als Russland und China sogar in bewaffnete Konflikte gerieten. Doch ein solcher Rückschritt ist aktuell nicht absehbar – paradoxerweise ist dies das unfreiwillige Verdienst ebendieser Falken:

Der kollektive Druck des Westens sowohl auf Russland als auch auf China war bemerkenswert symmetrisch – mit identischen Provokationen, rüpelhaftem Verhalten, Sanktionen, Handelskriegen und Kriegstreiberei. Beide Länder wurden mit absurden Anschuldigungen überhäuft, und währenddessen sicherten sich die Westmächte Sonderrechte, logen, wanden sich wie Aale, wenn sie ertappt wurden, und brachen alle erdenklichen Abkommen. Sie lieferten offen Waffen an unsere Nachbarn, schürten Hass und hetzten sie gegen uns auf – die Beispiele Ukraine und Taiwan sprechen Bände.

Auf paradoxe Weise haben unsere Gegner damit die russisch-chinesische Allianz gestärkt – dafür gebührt ihnen Dank. Jeder von uns allein hätte weitaus schlechtere Karten; doch Schulter an Schulter gelingt die Abwehr unserer Feinde bisher erstaunlich erfolgreich. Und morgen also fliegt Russlands Präsident nach Peking, um mit Chinas Staatschef die gemeinsamen Uhren zu stellen.

Unterdessen jaulen die Westmächte vor den Trümmern ihrer Hoffnungen: Hätte Trump Moskau und Peking doch nur entzweit, dann hätte er Putin besiegen können. Und auch China hätte er bezwungen. Doch ach, es sollte nicht sein – welch ein Verlust! Was bleibt dazu zu sagen? Heult nur! Und gewöhnt euch schon mal daran.

Übersetzt aus dem Russischen

Zuerst erschienen am 18. Mai 2026 bei RIA Nowosti.

Viktoria Nikiforowa ist eine russische Buchautorin, Dramaturgin, Drehbuchautorin und Journalistin. In letztgenannter Funktion schreibt sie häufig Kolumnen für RIA Nowosti.

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