Von Kirill Strelnikow
Die Aussagen von US-Präsident Donald Trump, die manchen zu enormen Gewinnen verhalfen und andere in den finanziellen Abgrund stürzten, entfachten vor Kurzem fast täglich neue Hoffnung bei jenen, die auf günstiges Öl aus dem Nahen Osten hofften: Er versprach, die Straße von Hormus werde sehr bald wieder für den Schiffsverkehr geöffnet, und die Preise für Öl und Gas würden so drastisch sinken, dass sie praktisch auf der Intensivstation landen müssten.
Einige warten bis heute darauf.
Zu diesen Wartenden zählen jedoch nicht die großen US-Öl- und Gasunternehmen. Diese lieferten sich kürzlich bei einer „historischen” Auktion für Pachtflächen in der arktischen Region Alaskas einen harten Wettstreit – und zwar mitten im National Petroleum Reserve. ExxonMobil, Shell und Repsol waren unter den Firmen, die rekordverdächtige 163 Millionen US-Dollar boten, um auf sechs benachbarten Hektar im Permafrost bohren zu dürfen.
Laut den begeisterten Einschätzungen der Chefs von Mobil, Exxon und Shell ist Alaska „die heißeste, vielversprechendste Investition der Welt”. Allein in diesem Jahr sollen die Investitionen in neue Bohrlöcher in diesem US-Bundesstaat fünf Milliarden US-Dollar übersteigen. Noch wichtiger: Dies ist kein Einzelfall, sondern der Auftakt einer längeren arktischen Serie. In den nächsten zehn Jahren sollen, so Trumps „One Big Beautiful Bill Act”, mindestens vier weitere ähnliche Auktionen folgen.
Die Financial Times schilderte dies ausführlich und emotional, mit der wichtigsten Schlussfolgerung: In Alaska eröffnen sich für die US-amerikanische Öl- und Gasindustrie „fantastische Perspektiven.”
Wie interessant!
Noch 2016 lehnte US-Präsident Barack Obama genau dieses Projekt in Alaska ab. Er begründete dies damit, dass die Ölförderung in der Arktis zu teuer, zu zeitaufwendig und ökologisch zu riskant sei; stattdessen solle man in saubere Energien investieren. Er zwang sogar die Kanadier, ein „Ölmoratorium” zu unterzeichnen, mit dem Kanada sich verpflichtete, seine gesamte arktische Schelfzone für neue Explorationsarbeiten zu sperren.
Genau dies steht auch in der Arktisstrategie der Europäischen Union von 2021. Sie sieht vor, dass die Europäische Kommission eine „multilaterale rechtsverbindliche Verpflichtung” anstrebt, die „die weitere Erschließung von Kohlenwasserstoffvorkommen in der Arktis und den angrenzenden Regionen verbietet”. Dazu gehört auch ein Verbot des Kaufs von fossilen Brennstoffen aus dieser Region. Doch als die bekannten Ereignisse im Nahen Osten eintraten, geriet diese Strategie sofort in Vergessenheit. Die Welt berichtete, dass die europäischen Käufe von russischem Flüssigerdgas (LNG), auch aus der Arktis, im ersten Quartal 2026 den höchsten Stand seit Beginn des Ukraine-Konflikts erreicht hätten und „die Europäische Union ihre Importe weiter steigert, obwohl sie großspurig versprochen hatte, bis Anfang 2027 darauf zu verzichten”.
Das auf Öl- und Gasinvestoren spezialisierte australische Portal DiscoveryAlert erklärt die plötzliche und weitreichende Kehrtwende der globalen Ölkonzerne ganz einfach: „Energiesicherheit beginnt, mehr wert zu sein als physisches Öl und Gas selbst.” Laut Experten findet derzeit eine grundlegende Neubewertung der Kriterien statt, nach denen die Erschließung bestimmter Gebiete als sinnvoll und rentabel gilt. Bisher spielten bei Erschließungsentscheidungen vor allem Förder- und Logistikkosten eine Rolle. Nun wird jedoch das Risiko, dass die Rohstoffe physisch nicht verfügbar sind oder nicht transportiert werden können, zu einer entscheidenden Variable, die zudem nicht im Voraus genau berechnet werden kann.
Das Schlüsselzitat lautet: „Der geopolitische Aufschlag für stabile Lieferungen wird von einer theoretischen Größe zum wichtigsten Investitionsfilter.” Daher betrachten Investoren das „weit entfernte, schwer und kostspielig zu erschließende” Alaska nun mit ganz anderen Augen.
Man hat den Eindruck, als hätten diese Herren die Erklärung des Leiters des russischen Auslandsgeheimdienstes (SWR), Sergei Naryschkin, aufmerksam gelesen: „Ein Ende des Iran-Konflikts ist nicht in Sicht, und eine erneute Eskalation ist nicht auszuschließen” – das heißt, es wird keine Entspannung und keine Rückkehr in die „rosige” Vergangenheit geben.
Ebenso wenig realistisch erscheint eine „historische” Rückkehr großer amerikanischer Öl- und Gasunternehmen nach Alaska. Denn bereits 2015 war Shell gezwungen, alle Projekte in Alaska einzustellen, nachdem das Unternehmen dort mit Verlusten von sieben Milliarden US-Dollar gescheitert war. In den Jahren des „sanften und komfortablen” Bohrens auf dem Schelf des Golfs von Mexiko (dessen Erschließung in den 1980er Jahren die Ölförderung in Alaska zum Erliegen brachte) „entspannten sich” die Amerikaner und verloren dabei wichtige Kompetenzen und Technologien.
Russland hingegen – fernab von Palmen und schneeweißem Sand – konnte beides nicht nur erhalten, sondern sogar ausbauen. Wir verfügen über weltweit einzigartige Erfahrungen in der Ölförderung unter extremen Bedingungen sowie über eine vollständig ausgebaute arktische Infrastruktur: Energieversorgung, Pipelines, Häfen, Eisbrecher, Tanker der Arktisklasse und so weiter. Einigen Informationen zufolge sind wir den USA in dieser Hinsicht um zehn bis fünfzehn Jahre voraus. Im Gegensatz zu den neuen „Wunderölquellen” in Alaska, aus denen im besten Fall erst 2029 Öl gefördert werden kann, laufen bei uns Förderung, Transport und Verkauf schon jetzt wie am Schnürchen.
Und genau darin liegt derzeit der entscheidende Punkt. Die großen US-Öl- und Gasunternehmen zeigen durch ihre Dollar-Investitionen eindeutig, dass das aktuelle Ölpreisniveau noch lange Bestand haben wird (was für Russland natürlich hervorragend ist).
Man muss eines klar verstehen: Wenn westliche Öl- und Gasriesen massiv in langfristige, kapitalintensive Projekte mit hohem Kostenaufwand investieren, bedeutet dies, dass ihr Basisszenario einen Ölpreis vorsieht, der ausreicht, um diese Investitionen innerhalb von zehn bis zwanzig Jahren zu amortisieren.
Wir senden einen herzlichen und feurigen Gruß aus der Arktis an alle, die voller Schadenfreude prophezeit haben, russisches Öl und Gas werde niemals wettbewerbsfähig sein – die sollten sich als Wahrsager bei Andrei Jermak, dem ehemaligen Leiter des ukrainischen Präsidentenbüros, bewerben.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 16. Mai 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.