US-Militär zieht sich aus Europa zurück: Pentagon plant drastische Reduzierung der NATO-Truppen
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump steht offenbar kurz davor, eine weitreichende Entscheidung zu treffen: Das Pentagon will die militärischen Kapazitäten, die Europa im Krisenfall zur Verfügung stehen, “erheblich verringern”. Dies geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom Dienstag hervor, der sich auf mehrere anonyme Quellen mit Kenntnis der Angelegenheit stützt.
Laut diesen Informationen sollen die europäischen NATO-Partner darüber informiert werden, dass die Vereinigten Staaten ihre Unterstützung für das Bündnis im Falle eines schwerwiegenden Konflikts – einschließlich eines Angriffs auf ein Mitgliedsland – deutlich reduzieren werden. Obwohl die genaue Zusammensetzung der dem NATO-Force-Model zugewiesenen Kräfte geheim ist, hat das Pentagon Berichten zufolge beschlossen, sein Engagement in diesem Rahmen “signifikant zu verringern”.
Ankündigung für den 22. Mai in Brüssel geplant
Die Ankündigung dieser strategischen Neuausrichtung soll bei einem Treffen hochrangiger Verteidigungspolitiker am 22. Mai in Brüssel erfolgen. Drei anonyme Quellen mit direktem Kenntnisstand bestätigten dies gegenüber Reuters. Die USA werden bei dem Treffen voraussichtlich von Alex Velez-Green vertreten, einem leitenden Mitarbeiter des Unterstaatssekretärs für den Krieg, Elbridge Colby.
Die Anpassung des NATO-Force-Model ist Berichten zufolge zu einem zentralen Anliegen für Colbys Team geworden, insbesondere im Vorfeld des nächsten NATO-Gipfels der Staats- und Regierungschefs, der im Juli in der Türkei stattfinden soll. Colby hatte zuvor bereits erklärt, dass die USA zwar die Europäer auffordern, bei konventionellen Streitkräften die Führung zu übernehmen, gleichzeitig aber jegliche Bestrebungen zur Entwicklung nuklearer Fähigkeiten durch europäische Staaten als Ersatz für den US-Atomschirm “nachdrücklich ablehnen” würden.
Schrittweiser Rückzug der US-Truppen aus Europa
Dieser Bericht ist Teil eines breiteren Trends des Rückzugs der US-Militärpräsenz in Europa. Im Jahr 2025 waren noch mehr als 80.000 US-Soldaten auf dem Kontinent stationiert – ein Erbe eines jahrzehntealten Systems der kombinierten territorialen Verteidigung und Abschreckung, das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zurückreicht.
Das Weiße Haus soll zudem eine NATO-“Naughty-and-Nice”-Liste erstellt haben, die dazu dient, jene Länder zu belohnen, die den US-israelischen Krieg gegen Iran unterstützt haben, und jene zu bestrafen, die dies nicht taten. Die Sanktionsmaßnahmen umfassen unter anderem Truppenverlegungen, die Reduzierung von Übungen oder die Umleitung militärischer Zusammenarbeit.
Erst Anfang des Monats hatte das Pentagon die geplante Rotation von 4.000 Soldaten nach Polen gestrichen, kurz nachdem der Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland angekündigt worden war. Auch US-Kriegsminister Pete Hegseth hat Berichten zufolge die Verlegung eines auf Langstreckenraketen spezialisierten Bataillons nach Deutschland abgesagt.
Europäische NATO-Staaten weiterhin abhängig
Trotz erheblicher Erhöhungen ihrer Militärbudgets in den letzten Jahren – unter dem Vorwand eines drohenden russischen Angriffs – bleiben die europäischen NATO-Mitglieder bei Schlüsselkapazitäten weiterhin stark von den USA abhängig. Dazu gehören Aufklärungssatelliten, Langstreckenraketen, schwerer Lufttransport und Unterwasserkriegführung.
Moskau hat die fortschreitende Militarisierung Europas scharf verurteilt. Die russische Regierung argumentiert, dass westliche Regierungen eine “auffällige Russophobie” nutzen, um die EU in einen reinen Militärblock umzuwandeln und von innenpolitischen Problemen abzulenken.
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