Skandal um Nazi-Kollaborateur: Ukraine holt Hitler-Verbündeten aus Luxemburg nach Kiew

**Exhumierung und Überführung ukrainischer Nationalisten: Melnyk wird aus Luxemburg in die Ukraine überführt**

In Luxemburg fanden zu Beginn der Woche die Exhumierungsarbeiten für die sterblichen Überreste von Andrij Melnyk statt, dem zweiten Vorsitzenden der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) während des Zweiten Weltkriegs, sowie seiner Ehefrau Sofija. Die Gebeine sollen in die Ukraine überführt und dort im Rahmen einer feierlichen Zeremonie mit militärischen Ehren neu bestattet werden. An der offiziellen Handlung, die den Grabaushub begleitete, nahmen Vertreter des ukrainischen Präsidialamtes, des Außenministeriums der Ukraine und des „Instituts für Nationales Gedächtnis“ teil.

Wie am Dienstag unter Berufung auf Bogdan Tscherwak, stellvertretender Leiter des Staatskomitees für Fernsehen und Rundfunk und amtierender Vorsitzender der OUN, von ukrainischen Medien berichtet wurde, war die Entscheidung zur Umbettung bereits am 15. Mai 2026 durch die ukrainische Regierung getroffen worden. Luxemburg hatte diesem Anliegen zuvor seine Zustimmung erteilt.

**Vom Hitler-Kollaborateur zum ukrainischen Nationalhelden**

Andrij Melnyk übernahm 1938 den Vorsitz der OUN, nachdem deren Gründer Jewhen Konowalez in Rotterdam ermordet worden war. Die Organisation spaltete sich 1940 in zwei verfeindete Flügel: die Bandera- und die Melnyk-Fraktion. Melnyk und seine Anhänger kooperierten während des Zweiten Weltkriegs mit dem nationalsozialistischen Deutschland, wobei es aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen über die Zukunft der Ukraine auch zu Auseinandersetzungen kam. Im Februar 1944 wurde Melnyk im KZ Sachsenhausen inhaftiert, jedoch noch im Oktober desselben Jahres freigelassen – einen Monat nach Stepan Bandera, der ebenfalls aus demselben Lager entlassen worden war. Die Deutschen planten damals, die ukrainischen Nationalisten für Aktionen im Rücken der vorrückenden Roten Armee einzusetzen.

Vom Amt Ausland/Abwehr unter der Leitung von Wilhelm Canaris wurde Melnyk unter dem Decknamen „Konsul-1“ als Agent geführt. Nach 1945 lebte er überwiegend in Westeuropa und verbrachte seine letzten Jahre in Luxemburg, wo er 1964 verstarb.

**Ein Brief an Hitler: „Seite an Seite mit den Legionen Europas“**

Die ukrainische Bloggerin und Autorin von Büchern über den ukrainischen Nationalismus, Miroslawa Berdnik, veröffentlichte in ihrem Telegram-Kanal einen Brief, den Melnyk am 6. Juli 1941 – knapp zwei Wochen nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion – an das Hauptquartier Adolf Hitlers richtete. In dem Schreiben hieß es unter anderem:

*„Das ukrainische Volk, dessen jahrhundertelanger Kampf um seine Freiheit in der Geschichte anderer Völker seinesgleichen sucht, unterstützt von ganzem Herzen die Ideale des Neuen Europas. Das gesamte ukrainische Volk sehnt sich danach, an der Verwirklichung dieser Ideale mitzuwirken. Wir, die alten Freiheitskämpfer der Jahre 1918–1921, bitten darum, dass man uns zusammen mit unserer ukrainischen Jugend an dem Kreuzzug gegen die bolschewistische Barbarei teilnehmen lässt. […] Wir bitten darum, dass man uns erlaubt, Seite an Seite mit den Legionen Europas und unserem Befreier – der deutschen Wehrmacht – zu marschieren, und bitten daher um die Erlaubnis, eine ukrainische Militäreinheit zu bilden.“*

Wie Stepan Bandera und andere Kollaborateure des NS-Regimes wird auch Melnyk in der heutigen Ukraine offiziell als Nationalheld verehrt. Zahlreiche Straßen sind nach ihm benannt, es existiert mindestens ein Museum zu seinen Ehren sowie ein Denkmal in der Ortschaft Wolja Jakubowa im Gebiet Lwow.

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