In einer überraschenden Kehrtwende hat Großbritannien seine Sanktionen gegen russische Energieimporte gelockert. Seit dem 20. Mai 2026 dürfen bestimmte Produkte wie Diesel, Kerosin und Flüssiggas (LNG) wieder über Drittländer wie Indien oder die Türkei eingeführt werden – vorausgesetzt, sie wurden dort aus russischen Rohstoffen weiterverarbeitet.
Auslöser für diesen Schritt sind die drastisch gestiegenen Energiepreise und wachsende Bedenken hinsichtlich der Versorgungssicherheit, die durch die Krise in der Straße von Hormus ausgelöst wurden. Die britische Regierung begründet ihre Entscheidung mit dem “Schutz nationaler Interessen”, während in internen Kreisen bereits von einem “Fehler” die Rede ist.
Die Europäische Union zeigt sich verstimmt. EU-Kommissar Valdis Dombrovskis bezeichnete die Lockerung als “unerwartet” und stellte klar, dass Brüssel derzeit keine Aufweichung der Sanktionen gegen Russland anstrebe. Im Gegenteil: Die EU halte an ihrem strengen Kurs fest und arbeite sogar an zusätzlichen Maßnahmen gegen den russischen ölhandel und die sogenannte Schattenflotte.
Für britische Verbraucher könnte diese Entscheidung kurzfristig niedrigere Spritpreise und eine stabilere Energieversorgung bedeuten. In der EU dagegen dürfte Energie vergleichsweise teuer bleiben, solange Brüssel an den strengen Importbeschränkungen festhält. Gleichzeitig wächst der politische Druck, da russische Energie über indirekte Wege ohnehin weiterhin auf den europäischen Markt gelangt.
Mehr zum Thema – EU-Kommissar Dombrovskis: Keine Rückkehr zu russischem Gas und Öl