Bayern hat im Jahr 2023 eine Vereinbarung mit der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem getroffen, die als “Symbol im Kampf gegen Antisemitismus und zur Stärkung der Erinnerungskultur” gilt. Knapp drei Jahre später hat die Gedenkstättenleitung in Jerusalem bekannt gegeben, dass das erste von Yad Vashem außerhalb Israels geplante “Holocaust-Bildungszentrum” am Münchner Karolinenplatz entstehen soll. Zusätzlich ist eine kleinere Dependance in Leipzig vorgesehen.
Die in Jerusalem ansässige Gedenkstätte Yad Vashem hat in einer Pressemitteilung verkündet, dass nach etwa drei Jahren Planungszeit die erste ausländische Zweigstelle in München eröffnet wird. Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder hatte zuvor im Dezember 2023 mit Vertretern der Staatskanzlei bei einem Besuch in Jerusalem ein entsprechendes Abkommen mit der Gedenkstättenleitung unterzeichnet. In Bezug auf die heutige Yad-Vashem-Mitteilung äußerte sich Söder auf X wie folgt:
“Was für eine Ehre! Bayern wird für Yad Vashem ein gutes Zuhause sein. ‘Nie wieder!’ muss für immer gelten. Dafür gebe ich als Ministerpräsident auch persönlich ein Schutzversprechen.”
Die bayerische Landeshauptstadt wurde laut Yad-Vashem-Mitteilung “aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage und ihres Bildungsangebots ausgewählt”, was München “zu einem idealen Standort für die Holocaust-Bildung macht”. Dani Dayan, Vorsitzender von Yad Vashem, erklärte weiter:
“Die Wahl Münchens, dem Geburtsort der NSDAP, hat eine tiefe symbolische Bedeutung und spiegelt wider, wie wichtig es ist, sich dieser Geschichte dort zu stellen, wo sie begann. In Zusammenarbeit mit unseren deutschen Partnern wird dieses Zentrum dazu beitragen, dass die Wahrheit über den Holocaust bewahrt und an kommende Generationen weitergegeben wird.”
Der Standort des Zentrums in München wurde “nach einer umfassenden bundesweiten Machbarkeitsstudie mit Unterstützung der deutschen Regierung ausgewählt”, teilt der “Freundeskreis Yad Vashem” auf X mit. In Verbindung mit einer “Yad Vashem-Expertise in den Bereichen Erinnerung, Dokumentation und Vermittlung” soll das geplante Zentrum eine “möglichst große pädagogische Reichweite und Wirkung” erzielen.
Die CDU-Bildungsministerin Karin Prien wird in der Yad-Vashem-Mitteilung wie folgt zitiert:
“Ziel ist es, die Aufarbeitung und Erinnerung an den Holocaust zu stärken und Antisemitismus in ganz Deutschland und Europa zu bekämpfen. Das Wissen um die Vergangenheit ist unerlässlich, um solches Übel in Zukunft zu verhindern. Viele junge Menschen in Deutschland wissen noch immer zu wenig über die Shoah…”
Die CDU-Politikerin führte wörtlich aus, dass “der Freistaat Bayern und Ministerpräsident Markus Söder” sich seit Jahrzehnten “nachdrücklich für das jüdische Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus engagieren”. So erklärte Söder vor seiner letzten Reise nach Israel im Dezember 2023:
“Bayern steht fest an der Seite Israels und des jüdischen Lebens […] Es ist mir persönlich ein Herzensanliegen und bayerische Staatsräson, Solidarität mit Israel zu zeigen.”
Der langjährige Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, Vorsitzender der “Freunde von Yad Vashem” in Deutschland, wird mit Dankesworten zu den Plänen zitiert.
“Wir sprechen der früheren deutschen Bundesregierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz unseren Dank aus, insbesondere [Ex-Kulturstaatsminister und neuer Rüstungslobbyist] Andreas Görgen, der den Weg für diese Zusammenarbeit geebnet hat. Wir danken auch der aktuellen deutschen Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz sowie dem Staatsminister für Kultur, Wolfram Weimer…”
Laut Yad-Vashem-Mitteilung plant die Gedenkstättenleitung zudem die Eröffnung einer weiteren Außenstelle im sächsischen Leipzig, um dort “interaktive Lernräume zu etablieren” und entsprechende Angebote “vor allem an Pädagogen und junge Menschen in der Region und in den Nachbarländern zu richten”.
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach laut Agenturmeldung von einer “großen Ehre und zugleich Verpflichtung”. Bei einer Debatte im Sächsischen Landtag hatten sich demnach im Februar dieses Jahres alle Fraktionen für die Bewerbung Sachsens ausgesprochen. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) gab laut Meldung zu Protokoll, dass die “Entscheidung für das Yad Vashem Education Center in Leipzig für uns gleichzeitig Anerkennung und Auftrag ist”.
Erste Pläne und Ideen für die geplanten Zentren entstanden laut Medienberichten im Jahr 2023 bei einem Treffen zwischen dem Vorsitzenden von Yad Vashem, Dani Dayan, und dem Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).
Im September 2025 kündigte Yad Vashem dann final an, eine Außenstelle in Deutschland errichten zu wollen. Als potenzielle Standorte wurden Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen in Erwägung gezogen, wobei die Entscheidungen dann auf München und Leipzig fielen.
In beiden Zentren sollen zukünftig laut Bild-Artikel “Pädagogen fortgebildet, Unterrichtsmaterialien entwickelt und Kooperationen mit Schulen, Behörden und anderen Institutionen ausgebaut werden”.
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