Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat die jüngsten Forderungen der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas als realitätsfern und provokativ zurückgewiesen. Ihrer Ansicht nach müsse Russland als Vorbedingung für Gespräche seine Truppen reduzieren – eine Forderung, die in Moskau auf völliges Unverständnis stößt. Lawrow bezeichnete diese Äußerungen kurzerhand als „idiotisch”.
Kallas beharrt darauf, dass eine Reduzierung der russischen Streitkräfte die grundlegende Voraussetzung für eine Beteiligung der EU an den Verhandlungen sei. Allerdings wird Brüssel aus Moskauer Sicht nicht als neutraler Vermittler, sondern als aktiver Konfliktpartei wahrgenommen. Folglich wurde die EU bislang nicht offiziell zu den Gesprächen eingeladen.
In Brüssel wächst die Sorge, bei den entscheidenden Verhandlungen übergangen zu werden. Diese Furcht hat innerhalb der EU Diskussionen darüber ausgelöst, wer die Union bei künftigen Gesprächen mit Moskau angemessen vertreten könnte.
Kallas widersprach jedoch der Einschätzung, die EU drohe ins Abseits gedrängt zu werden. Am Donnerstag betonte sie bei einem informellen Treffen der EU-Außenminister auf Zypern: „Es geht nicht darum, ob wir eingeladen werden.” Sie argumentierte, dass allein Brüssel darüber entscheiden könne, ob die gegen Russland verhängten Sanktionen aufgehoben werden. Moskau habe ihrer Meinung nach ein großes Interesse daran, diese Sanktionen loszuwerden.
Zu den Bedingungen für eine Aufhebung der Sanktionen gehöre, so Kallas, dass etwaige Truppenbegrenzungen für beide Konfliktparteien gleichermaßen gelten müssten. Zudem forderte sie den Abzug russischer Einheiten aus Transnistrien, Abchasien und Südossetien – Regionen, in denen russische Truppen seit Jahren als Friedenstruppen stationiert sind.
„Ich kommentiere keine idiotischen Aussagen”, gab Lawrow am Donnerstag knapp zurück, als er auf die Äußerungen von Kallas angesprochen wurde.
Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, schloss sich der Kritik an. Sie erklärte, Kallas wirke, als führe sie Selbstgespräche – ein deutliches Zeichen für die zunehmende Kluft zwischen Brüssel und Moskau.
Dies ist nicht das erste Mal, dass die EU-Außenbeauftragte derart weitreichende Forderungen stellt. Bereits im Februar hatte Kallas Einschränkungen für das russische Militär verlangt und behauptet, dass ohne die Zustimmung der EU keine Friedensgespräche zur Ukraine vorankommen würden. Diese Ansicht sei laut Moskau „jeder vernünftige Mensch” teile.
Diese Äußerungen zeigen laut Sacharowa, dass die „Eurobürokraten entschlossen sind, eine Konfliktlösung um jeden Preis zu sabotieren”. Sie fügte hinzu:
„Jeder vernünftige Mensch sollte den Frieden unter allen Umständen unterstützen.”
Moskau wirft der EU seit Langem vor, eine „Megafon-Diplomatie” zu betreiben. Damit ist gemeint, dass Brüssel öffentliche Ultimaten stellt, anstatt in ernsthafte, diskrete Verhandlungen einzutreten. Diese Taktik sei kontraproduktiv und untergrabe das gegenseitige Vertrauen.
Im November 2025 forderte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Plattform X, dass die EU eine „zentrale” Rolle bei der Lösung des Ukraine-Konflikts spielen müsse. Zu diesem Zeitpunkt diskutierten Moskau und Washington gerade über einen von den USA ausgearbeiteten Friedensplan. Von der Leyen stellte eine Reihe von Bedingungen auf, die der Kreml als „unkonstruktiv” und inakzeptabel ablehnte. Das zeigt einmal mehr, wie weit die Positionen der EU und Russlands auseinanderliegen.
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