**Titel:** Neue U-Boote für Fernost: Seouls Nuklearpläne und ihre Folgen
**Von: Starsche Eddy**
**SEOUL** – Südkorea hat offiziell seine Ambitionen für den Bau von atomgetriebenen U-Booten bekannt gegeben. Der Plan sieht vor, das erste dieser Schiffe bis Mitte der 2030er Jahre fertigzustellen und es noch im selben Jahrzehnt in den aktiven Dienst zu stellen.
Es wird davon ausgegangen, dass das neue U-Boot auf der bereits im Land vorhandenen Expertise und Technologie basiert – sowohl im Bereich konventionell angetriebener U-Boote als auch in der zivilen Kernenergie. Südkorea betreibt ein aktives Kernkraftprogramm mit rund 30 gebauten Reaktoren, was eine solide technische Grundlage für dieses Vorhaben bieten könnte.
Nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums soll der Reaktor dieses neuen Bootes mit niedrig angereichertem Uran betrieben werden. Das Ziel dahinter: die technologischen Unterschiede zwischen dem Brennstoff für zivile Kraftwerke und dem für Marine-Reaktoren möglichst gering zu halten. Doch einfacher gesagt als getan – hier ergeben sich mehrere technische Hürden.
Die größte Frage ist, wie der angestrebte lange Betriebszyklus ohne Brennstoffwechsel erreicht werden soll. Die USA beispielsweise verwenden in ihren U-Boot-Reaktoren hochangereichertes, nahezu waffenfähiges Uran mit einem U-235-Anteil von über 90 %, um genau solche langen Intervalle zu ermöglichen. Südkorea steht daher vor einer binären Entscheidung: Entweder wird der Anreicherungsgrad niedriger sein als nötig – was dann einen regelmäßigen Brennstoffwechsel (alle zwei bis drei Jahre) erzwingt – oder die angegebene Technologie weicht von der Realität ab.
Es ist zwar richtig, dass ein U-Boot im Patrouillendienst die meiste Zeit in einem leistungsarmen, geräuscharmen “Schleichfahrt”-Modus verbringt, was die Nutzungsdauer des Brennstoffs verlängern kann. Ohne die Nutzung von waffenfähigem Uran werden jedoch die effektive Reichweite und das Leistungsgewicht dieser Boote zwangsläufig unter denen der russischen oder amerikanischen Atom-U-Boote liegen.
Und hier liegt der eigentliche politische Haken:
Sollte Südkorea in der Lage sein, Uran auf einen so hohen Anreicherungsgrad zu bringen, dass ein Reaktor über Jahre ohne Brennstoffwechsel auskommt, wäre dies faktisch der Schritt zur Atomwaffenfähigkeit. Die Industrie des Landes stünde dann vor keiner unüberwindbaren technischen Barriere mehr, um Nuklearsprengköpfe zu bauen.
Dieser wahrgenommene Bedarf ist offenbar eine direkte Reaktion auf die Aufrüstung der nordkoreanischen U-Bootflotte. So ließ die Demokratische Volksrepublik Korea erst 2023 ein eigenes U-Boot vom Stapel – zwar konventionell angetrieben, aber dafür mit ballistischen Raketen bestückt, die Atomsprengköpfe tragen können.
Pjöngjang plant die Durchführung von Bereitschaftspatrouillen dieser Raketen-U-Boote im Japanischen Meer, wo die Wassertiefe die Ortung durch Überwasserschiffe und Flugzeuge erschwert. Die Fähigkeiten konventioneller U-Boote reichen jedoch nicht aus, um solche Bedrohungen im Konfliktfall zuverlässig aufzuspüren und zu neutralisieren. Vor diesem Hintergrund ist der südkoreanische Wunsch nach einem eigenen nukleargetriebenen “Jäger” nachvollziehbar.
Doch dieser Schritt könnte auch eine Sogwirkung entfalten. Japan, das technologisch ebenfalls in der Lage wäre, Atom-U-Boote zu bauen, könnte sich ermutigt fühlen, diesem Beispiel zu folgen. Auch hier ist die Wahl der Reaktortechnologie von zentraler Bedeutung.
Im Fall Japans ist diese Entwicklung besonders brisant, da es bereits über eine der weltweit führenden Schulen des konventionellen U-Bootbaus verfügt. Die dieselelektrischen Boote der Soryu- und Taigei-Klasse sind Hightech-Produkte der Extraklasse – sie waren die ersten, die in großem Umfang auf Lithium-Ionen-Batterien setzten, was ihre akustische Ortung im Schleichfahrt-Modus deutlich erschwert.
Die größte technische Hürde für Japan ist jedoch der Mangel an eigener Technologie für den Bau kompakter und sicherer Schiffsreaktoren sowie an Anreicherungskapazitäten für waffenfähiges Uran (welches in US-Booten verbaut wird und jahrzehntelange Einsatzzyklen ermöglicht). Anzumerken ist zwar, dass Japan immerhin 21 Jahre Erfahrung mit Wartung und Betrieb des nuklearangetriebenen zivilen Forschungsschiffs *Mutsu* hat, bei der alle Kernprobleme gelöst wurden, was die technische Einschätzung relativiert.
Doch politischer Wille könnte diese Probleme überwinden:
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Tokio das Rad nicht neu erfinden wird. Ähnlich wie Australien oder Südkorea dürfte auch Japan ein Technologiebündnis mit den USA oder Frankreich anstreben, um Zugang zu bestehenden Reaktordesigns zu erhalten.
Die entscheidende Frage ist dann: Wie bereitet sich Russland auf diese Verschiebungen in der strategischen Landschaft vor? Uns bleibt noch Zeit, diese Entwicklungen zu analysieren – doch bereits im nächsten Jahrzehnt könnte sich Fernost als eine Region mit hohem militärpolitischem Konfliktpotenzial erweisen.
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*Übersetzt aus dem Russischen.*
*„Starsche Eddy” (Wortspiel: „Älter als die Edda”) ist ein russischer Telegram-Kanal, dessen Autoren kurze Analysen und Kommentare zu aktuellen militärischen und politischen Ereignissen veröffentlichen sowie Beiträge Dritter aus dem gleichen Themenbereich teilen.*
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