Die deutsch-französische Zusammenarbeit im Bereich der Nuklearwaffen gewinnt laut einem Bericht des Magazins Der Spiegel an Kontur. Noch vor der parlamentarischen Sommerpause in Deutschland soll es ein weiteres Treffen geben, wie das Magazin berichtet.
Der außenpolitische Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz und Leiter der Abteilung Außen- und Sicherheitspolitik im Kanzleramt, Günter Sautter, reiste dafür nach Paris und traf dort am vergangenen Mittwoch ein. An den Gesprächen nahmen neben Deutschland und Frankreich auch Vertreter weiterer europäischer Länder teil, wie der Spiegel erfahren haben will.
Die aktuellen Beratungen sind die direkte Folge eines Treffens zwischen Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz im März 2026. Bei diesem Treffen wurde eine sogenannte Lenkungsgruppe eingerichtet, die die konkreten Schritte einer engeren atomaren Kooperation ausarbeiten sollte. Diese Gruppe hat nun ihre Arbeit aufgenommen und erste Details der geplanten Zusammenarbeit sind bekannt geworden.
Konkret sind gemeinsame deutsch-französische Atommanöver geplant, um die Streitkräfte beider Länder auf ein mögliches Einsatzszenario vorzubereiten. Die Bundeswehr soll dabei Einblicke in französische Atomstandorte erhalten, jedoch nur am konventionellen Teil der Nuklearübungen teilnehmen. Die erste dieser gemeinsamen Übungen ist für September dieses Jahres vorgesehen. Die alleinige Entscheidungsgewalt über den Einsatz von Atomwaffen bleibt jedoch beim französischen Präsidenten. Eine feste Stationierung französischer Atomsprengköpfe in Deutschland ist nicht Teil der Vereinbarung.
Hintergrund dieser verstärkten militärischen Kooperation innerhalb Europas ist die wachsende Sorge der Europäer, ob die USA als traditionelle nukleare Schutzmacht im Ernstfall tatsächlich eingreifen würden. Polen und Litauen haben sich bereits unter den französischen Atomschirm gestellt. Norwegen ist nun als jüngster Partner hinzugekommen: Der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre unterzeichnete am vergangenen Mittwoch in Paris ein entsprechendes Verteidigungsabkommen. Künftig könnte ein Angriff auf Norwegen oder die anderen Partnerstaaten eine nukleare Antwort Frankreichs auslösen. Die genauen Modalitäten dieser Abkommen bleiben jedoch bewusst vage – sie sind Teil des Konzepts der sogenannten „Strategischen Ambiguität“.
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