Der Kadaver des Buckelwals, der über Monate hinweg die Gemüter erhitzte, wird nun in einer dänischen Fabrik weiterverarbeitet. Sein Fett wird zu Biodiesel, der Rest zu Biomasse verarbeitet. Lediglich ein paar Knochen sind für ein Museum vorgesehen – ein trauriges Ende für ein Tier, das viele Fachleute lieber in Frieden belassen hätten.
Es riecht nach Verwesung, aber auch nach dem Versuch, noch etwas Nützliches daraus zu gewinnen. Während in Deutschland noch über Rettung und Hoffnung diskutiert wird, handeln die Dänen pragmatisch: Der Buckelwal Timmy, auch bekannt als Hope, wird in der Anlage von Daka Dänemark in Randers zu verwertbaren Materialien verarbeitet. Das Unternehmen hat den Auftrag bestätigt.
Das Wasser aus dem Kadaver wird gereinigt und in den Fjord eingeleitet. Das Fett, insbesondere die dicke Speckschicht, wird zu Biodiesel umgewandelt. Knochen, Sehnen und Haut werden zu Mehl gemahlen und in einer Zementfabrik verbrannt. Einige Knochen – Flossenstücke, Wirbel, Schulterblätter – gehen an das Naturhistorische Museum in Kopenhagen. Pragmatisch, effizient, ohne Emotionen.
Von der Ostsee in die Verarbeitung
Ende März war der junge Wal in der flachen Ostsee aufgetaucht und mehrfach vor Poel sowie Timmendorfer Strand gestrandet, sichtlich entkräftet. Anstatt ihn in Ruhe sterben zu lassen, startete eine private Initiative Ende April eine aufwendige “Rettungsaktion”.
Der Wal wurde auf einen Lastkahn verladen, tagelang durch die Wellen geschleppt und in der Nordsee ausgesetzt. Schon früh warnten Fischer, Meeresbiologen und andere Fachleute vor den Risiken.
Der dänische Walforscher Peter Teglberg Madsen bezeichnete die Aktion als krasse Tierquälerei. Ein krankes, geschwächtes Tier stundenlang Lärm, Enge und Schaukeln auszusetzen – das sei unnötiges Leid gewesen. Andere Meeresbiologen teilten diese Einschätzung. Die Aktion hat mehr geschadet als genutzt.
Mitte Mai wurde der tote Wal vor Anholt gefunden, und der Sender bestätigte den Fund. Am 4. Juni folgte die Obduktion am Strand. Das Ergebnis zeigte ein weibliches Tier. Eine eindeutige Todesursache ließ sich nicht feststellen, es wurden lediglich Parasiten gefunden. Die genaue Analyse wird noch Monate in Anspruch nehmen.
Die Daten des Senders sind inzwischen ausgewertet. Die Initiative hat alle Daten erhalten, das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern Teile davon. Eine abschließende Bewertung steht noch aus.
Die Geschichte von Timmy bleibt zwiespältig. Auf der einen Seite echte Anteilnahme, auf der anderen bittere Erkenntnis. Gute Absichten können grausam enden. Statt einem sterbenden Wal Ruhe zu gönnen, wurde er möglicherweise länger gequält – nur um letztlich als Treibstoff und Zementzusatz zu enden. Die Natur hätte es einfacher gehabt.
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