In Herat, einer Stadt im Westen Afghanistans, hat die regierende Taliban-Verwaltung ihre Sicherheitsmaßnahmen erheblich verschärft. Ziel dieser Aktion war es, Proteste gegen die jüngst erlassenen, strengen Auflagen für Frauen zu unterdrücken, wie France24 unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Die Unruhen entzündeten sich, nachdem die Sittenpolizei am 6. Juni mehrere Frauen festgenommen hatte. Der Vorwurf: Sie trugen weder einen Tschador noch eine Burka. UN Women, die UN-Organisation für Gleichstellung und Ermächtigung von Frauen, gab bekannt, dass mindestens 30 Frauen in Herat in Gewahrsam genommen wurden. Für die Zeit nach dem Freitagsgebet waren weitere Protestaktionen geplant gewesen.
Ein AFP-Reporter beobachtete am Freitag einen Konvoi aus rund zwanzig Militärfahrzeugen, schwer bewaffnete Sicherheitskräfte und die Einrichtung zusätzlicher Checkpoints. Anwohner berichteten der Agentur, dass die Verstärkung bereits am Donnerstag eingesetzt habe. „Auf jeder Straße steht ein verdächtiges Auto, von dem aus Zivilisten die Passanten beobachten“, erzählte ein Bewohner. Zudem durchsuchten die Sicherheitskräfte die Handys der Bürger.
Die für Freitag geplante Demonstration fand aufgrund des massiven Sicherheitsaufgebots nicht statt, stellte ein AFP-Team vor Ort fest. „Der Protest wurde abgesagt, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden“, hieß es aus dem Umfeld der Organisatoren.
Bereits am Dienstag war eine Protestaktion, an der mehrere Dutzend Männer teilnahmen, gewaltsam aufgelöst worden. Eine Gruppe von UN-Experten gab an, dass dabei mindestens zwei Menschen getötet und über zwanzig verletzt wurden. Die UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) bestätigte am Mittwoch, dass ein Jugendlicher erschossen und mehrere Personen durch Schläge verletzt wurden. Ein AFP-Journalist sah, wie Sicherheitskräfte auf die Menge schossen und Demonstranten mit Stöcken traktierten. Die Polizei von Herat bestritt jedoch den Einsatz scharfer Munition.
Unter den Festgenommenen befindet sich eine Krankenschwester, die für eine Klinik in Zusammenarbeit mit „Ärzte ohne Grenzen“ arbeitete. Laut der Organisation verbrachte sie zwei Tage in Haft. Vor ihrer Freilassung musste sie gemeinsam mit ihrem Ehemann und Angehörigen ein Dokument unterzeichnen, in dem sie sich verpflichteten, die von den Behörden vorgeschriebene Kleidung zu tragen. Ein Augenzeuge schilderte der AFP, dass die festgenommenen Frauen vollständig verschleiert waren und islamische Schleier trugen.
Das sogenannte Ministerium für die Verbreitung von Tugend und die Verhinderung des Lasters hatte kürzlich neue Vorschriften erlassen. Diese verbieten unter anderem Make-up und schreiben das Tragen von Socken und Gesichtsmasken vor. Verstöße können mit Festnahme und Haft bestraft werden.
Mehr zum Thema – Umfrage: Genug getan für die Gleichstellung der Frauen?