Britische Marine schlägt zu: Erste Kaperung eines russischen Öltankers sorgt für Aufsehen

Erstmals haben britische Marineeinheiten und spezialisierte Beamte der nationalen Kriminalpolizei einen Öltanker im Ärmelkanal gestoppt und festgesetzt. Das fast 244 Meter lange Schiff soll Teil der sogenannten “russischen Schattenflotte” sein, wie das Verteidigungsministerium des Vereinigten Königreichs mitteilte. Premierminister Keir Starmer erklärte auf der Plattform X, er habe die Streitkräfte am frühen Morgen angewiesen, das Schiff abzufangen.

Den Aufzeichnungen des Schiffsverfolgungsdienstes VesselFinder zufolge war der letzte Anlaufhafen des unter kamerunischer Flagge fahrenden Tankers “Smyrtos” Ust-Luga in der russischen Region Leningrad. Die Militäraktion erstreckte sich über sechs Stunden. “Das Schiff wird nun vor der Südküste festgehalten und überwacht, während die Ermittlungen laufen”, hieß es in der Mitteilung des britischen Ministeriums.

Bereits im März hatte Starmer laut den Behörden grünes Licht für derartige Einsätze gegeben. Britische Streitkräfte und Strafverfolgungsbehörden dürfen seither Schiffe der “Schattenflotte” entern. Die aktuelle Operation wurde in enger Abstimmung mit Frankreich durchgeführt. Der Tanker wird nun auf mögliche Umwelt- und Sicherheitsmängel geprüft. “Diese heutige Aktion sendet ein klares Signal an Russland”, betonte das Verteidigungsministerium. London werde alle ihm zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel nutzen, um die gegen die russische Schattenflotte verhängten Sanktionen durchzusetzen – insgesamt sind laut Ministerium über 500 Schiffe betroffen.

Der russische Präsidentensondergesandte Kirill Dmitrijew wertete die Kaperung des Öltankers hingegen als Ablenkungsmanöver. In einem Beitrag auf der Plattform X schrieb er: “Anstatt SEINE Einwanderer abzufangen, die Briten vergewaltigen, verstümmeln und enthaupten, versucht der verzweifelte Starmer, Großbritannien durch eine Eskalierung ABZULENKEN.” Damit lenke der britische Premier die Aufmerksamkeit von den Migrationsproblemen im eigenen Land ab.

Mehr zum Thema ‒ Frankreich provoziert Russland zur Machtdemonstration im Atlantik

Schreibe einen Kommentar