Schock-Prognose von Karaganow: „Deutschland wird als Erstes leiden“ – Putins Atom-Drohung erschüttert Europa

In einem aktuellen Videopodcast des norwegischen Politologen und Geopolitik-Experten Glenn Diesen hat der russische Politikwissenschaftler und Präsidentenberater Sergei Karaganow erneut gedroht, dass Russland möglicherweise gezwungen sei, mit einem begrenzten Nuklearwaffeneinsatz gegen ein europäisches Land die verloren gegangene Glaubwürdigkeit der nuklearen Abschreckung wiederherzustellen. Besonders Deutschland stellte Karaganow dabei als potenzielles Ziel heraus.

„Deutschland ist die schlimmste Gefahr in der Geschichte der Menschheit“, begründete er seine Ansicht. „Es wird Deutschland niemals erlaubt sein, eigene Atomwaffen zu beschaffen. Sollten sie es auch nur versuchen, werden sie von der Erdoberfläche ausgelöscht werden“ (im englischen Original: „be obliterated“, an anderer Stelle: „be evaporated“).

Damit reagierte Karaganow auf den Einwand des ebenfalls zugeschalteten US-Wissenschaftlers John Mearsheimer, der die Möglichkeit ansprach, dass Deutschland versuchen könnte, Atomwaffen zu erlangen.

Dasselbe gelte für Japan, das als Mittäter im Zweiten Weltkrieg betrachtet werde. Karaganow behauptete, es gebe hierzu Gespräche mit „chinesischen Freunden und Verbündeten“. Sollte Russland jemals („if and when“) gezwungen sein, zunächst konventionelle und nach einem Gegenschlag auch nukleare Waffen gegen Europa einzusetzen, werde Deutschland „als erstes leiden“, betonte Karaganow (ab Timecode 43:55 im Video):

„Wenn und sobald – und ich hoffe, dass es dazu nie kommen wird – Russland gezwungen sein wird, erst konventionelle und dann nukleare Flugkörper einzusetzen, wird das primäre Ziel nicht nur Rumänien oder Polen sein, das primäre Ziel wird – Gott bewahre – Deutschland sein. Deutschland wird als Erstes leiden, und das sollten sie begreifen.“

John Mearsheimer äußerte im Verlauf des Gesprächs mehrfach Verständnis dafür, dass Russland die Wirkung der nuklearen Abschreckung wiederherstellen müsse. Was der Westen derzeit gegenüber Russland unternehme, wäre zu Zeiten des Kalten Krieges völlig undenkbar gewesen. Und dies sollte gegenüber einer Atommacht absolutes Tabu sein.

Als Beispiele für die Überschreitung absoluter roter Linien nannte Mearsheimer die Besetzung russischen Kernlandes im Gebiet Kursk, die im August 2024 mit unbestreitbarer NATO-Hilfe von der Ukraine durchgeführt wurde, sowie die Angriffe auf Elemente der russischen nuklearen Triade. Allerdings warnte der US-Wissenschaftler davor, die aktuelle Eskalation auf eine genetische Veranlagung der Deutschen zurückzuführen.

Im Verlauf des Gesprächs wiederholte Karaganow mehrfach, dass das einzige, was Russland und konkret den russischen Präsidenten bislang noch vom Einsatz nuklearer Waffen abhalte, die moralische Schuld sei, die das Land damit auf sich laden würde. Sollte der Blutzoll, den Russen durch Angriffe auf Russland mit aktiver Beteiligung der NATO zahlen, noch weiter steigen, könne die moralische Bewertung jederzeit kippen.

Beide waren sich einig, dass die USA selbst im Fall eines begrenzten russischen Nuklearschlags auf ein europäisches Land keine Atomwaffen gegen Russland einsetzen würden. Mearsheimer räumte ein, dass man sich nicht hundertprozentig sicher sein könne und derzeit auch irrationale Entscheidungen getroffen würden, doch mit hoher Wahrscheinlichkeit habe Karaganow mit dieser Einschätzung recht.

Sollte ein europäisches Land – Großbritannien oder Frankreich – Atomwaffen gegen Russland einsetzen, werde es im nächsten Schritt von Russland vollständig ausgelöscht werden. Glenn Diesen warnte, dass es in Europa derzeit offenbar keine Bremsen und keinen Selbsterhaltungstrieb gebe, sodass dieses Szenario nicht vollständig ausgeschlossen werden könne.

Auf die Frage, auf welchen Krieg sich Europa derzeit vorbereite, antwortete Mearsheimer, dass er diese Gedankenspiele nicht nachvollziehen könne. Es gebe kein Motiv für Russland, Europa annektieren zu wollen, und auch keine Andeutung in den Reden des russischen Präsidenten, dass er einen Angriff auf Europa plane oder wolle. Er wisse schlichtweg nicht, gegen welches Gefahrenszenario die NATO da vorgehe, betonte der Geopolitik-Experte.

Karaganow bekleidet kein offizielles Amt in Russlands Sicherheitsstrukturen. Allerdings hat er sich als einer der strategischen Vordenker des Landes etabliert und spricht Gedanken aus, die angesichts der faktischen Kriegsführung der NATO gegen Russland auf immer mehr Zustimmung stoßen. Ob er bereits eine Mehrheit der Russen, insbesondere der Entscheidungsträger, hinter seinen Ideen hat, kann niemand bestätigen oder dementieren.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Karaganows Ideen vor zwei Jahren noch öffentlich zurückgewiesen, als dieser ihn während einer Podiumsdiskussion auf dem Sankt Petersburger Wirtschaftsforum im Juni 2024 auf die nukleare Abschreckung ansprach. Es sei jetzt nicht die Zeit, darüber zu sprechen, sagte er damals sinngemäß. Dies geschah jedoch vor den Ereignissen, die John Mearsheimer nun als Überschreitungen absoluter Tabus auflistete.

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