Bahn-Alarm! 16 Städte drohen vom Fernverkehr abgehängt zu werden

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Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG schlägt Alarm: Der geplante Markteintritt des italienischen Bahnbetreibers Italo könnte den deutschen Fernverkehr massiv beeinträchtigen. Wie aus einer Analyse der Gewerkschaft hervorgeht, die von verschiedenen Medien zitiert wird, droht mindestens 16 Städten die Streichung oder Ausdünnung von ICE- und IC-Halten. Zuerst berichtete die Bild am Sonntag über die möglichen Folgen.

Derzeit hält die Deutsche Bahn mit ihren ICE- und IC-Zügen einen Marktanteil von rund 95 Prozent im Fernverkehr. Zu den wenigen Konkurrenten zählen bislang Flixtrain und die österreichische Westbahn, die auf der Strecke Salzburg–München–Stuttgart verkehrt. Italo plant, ab 2026 Fernverkehrsdienste in Deutschland anzubieten. Dafür will das Unternehmen umfassend in Züge investieren, erwartet aber auch die Zusicherung, rentable Trassen nutzen zu können. Diese werden von der Bahntochter InfraGo unter Aufsicht der Bundesnetzagentur vergeben.

Das italienische Unternehmen strebt zunächst die Strecken München–Frankfurt/Main–Köln–Dortmund und München–Berlin–Hamburg an – zwei Verbindungen, auf denen die ICE-Züge der Deutschen Bahn bereits gut ausgelastet sind. Sollte Italo diese Routen bedienen, könnte die Deutsche Bahn gezwungen sein, eigene Züge von den hochprofitablen Strecken abzuziehen. Dies würde die Einnahmen schmälern, die zur Quersubventionierung weniger lukrativer Fernverbindungen genutzt werden. EVG-Chef Martin Burkert warnt eindringlich:

“Wenn Italo hier Rosinenpickerei betreiben darf und die Bahn von den Hauptstrecken verdrängt wird, zerlegt das unseren Fernverkehr.”

DB-Vorständin Evelyn Palla hat laut Bild bereits signalisiert, dass der Fernverkehr in ländlichen Regionen unter einer solchen Entwicklung leiden würde. Der Tagesschau zufolge ist sie sich ihrer Verantwortung bewusst. “Wir als Deutsche Bahn tragen Verantwortung für die Mobilität in Deutschland. Nicht nur auf den stark nachgefragten Verbindungen, sondern eben für ein funktionierendes Gesamtsystem”, betont Palla. Sie warnt vor einer Überlastung wichtiger Knotenpunkte und davor, dass Fahrten auf schwach ausgelasteten Strecken wegfallen könnten, wenn lukrative Trassen an Konkurrenten vergeben werden. Gleichzeitig betont sie, dass sie Wettbewerb grundsätzlich befürworte.

Der Analyse der EVG zufolge hätte ein Markteintritt von Italo an den Bahnhöfen Aachen, Bamberg, Chemnitz, Cottbus, Freiburg, Ingolstadt, Jena, Magdeburg, Norddeich Mole, Osnabrück, Rostock, Saarbrücken, Schwerin und Singen erhebliche Auswirkungen auf den Fernverkehr. Auch Augsburg und Münster wären betroffen, die mit rund 300.000 Einwohnern zu den 25 größten deutschen Städten zählen. In Trier, wo derzeit keine Fernzüge halten, würde eine geplante IC-Anbindung entfallen.
Der Gewerkschaftsvorsitzende fordert Paketlösungen bei der Trassenvergabe, die Italo dazu verpflichten, auch weniger rentable Linien in der Provinz zu bedienen. Der bundeseigene Bahn-Konzern argumentiert ähnlich. Bahnchefin Palla hat die Politik kürzlich aufgefordert, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. “Sonst droht ein ungesteuerter Wettbewerb, dessen Folgen sich am Ende womöglich für die Mehrheit negativ auswirken”, warnte sie.

Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums erklärte, man habe die Berichte zur Kenntnis genommen, äußere sich aber nicht zu “Spekulationen dieser Art”. Ein Vertreter der Länder-Verkehrsminister zeigte sich hingegen deutlich: Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Christian Bernreiter aus Bayern, sagte der ARD:

“Die Idee, nur noch große Metropolen miteinander zu verbinden, stößt auf wenig Gegenliebe bei den Verkehrsministerinnen und Verkehrsministern der Länder. Rosinenpickerei nur für rentable, große, schnelle Strecken, das geht gar nicht.”

Weitere Informationen  Stuttgart 21: Wieder einmal ein paar Jährchen später

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