Pharmariese kauft BioNTech-Werke: Deutscher Impfstoff-Riese vor Übernahme!

Der US-amerikanische Pharmariese Moderna erwägt laut einem Interview von Vorstandschef Stéphane Bancel mit dem Handelsblatt (hinter Bezahlschranke) eine Investition in Deutschland. Diese stehe jedoch unter dem Vorbehalt der Ergebnisse laufender Gespräche mit der Berliner Politik. „Wenn wir die richtige Partnerschaft mit der deutschen Bundesregierung finden würden“, so Bancel wörtlich, sei eine solche Investition möglich. Anlass ist die Ankündigung des größten Konkurrenten BioNTech, sich vom umkämpften Impfmarkt zurückzuziehen. Der Moderna-Chef sieht darin „eine interessante Option“, die frei werdenden Werke in Tübingen zu übernehmen.

Bereits Anfang Mai gab BioNTech aus Mainz bekannt, den Standort in Tübingen zu schließen. Dies bedroht über 800 Arbeitsplätze. Auf Branchengerüchte angesprochen, erklärte Bancel im Handelsblatt-Gespräch, dass „die Werke, die der deutsche Konkurrent schließen will, und deren Personal“ für Moderna attraktiv seien. Er ergänzte wörtlich:

“Wenn wir die richtige Partnerschaft mit der deutschen Bundesregierung finden würden, wären diese Anlagen eine interessante Option – im Vergleich zu einem Neubau.”

Bancel betonte die Notwendigkeit politischer Gespräche vor einer Investition und führte aus: „Deutschland muss vor einem Beschluss bessere Rahmenbedingungen für Pharmafirmen schaffen und eine klare Richtung vorgeben.“

Der Moderna-Chef bestätigte, dass sein Unternehmen bereits „Gespräche mit der Regierung über eine langfristige Partnerschaft“ führe, ähnlich wie zuvor in Großbritannien und Kanada. Dort konnten zufriedenstellende Vereinbarungen erzielt werden, darunter ein „10-jähriges Partnerschaftsabkommen“ mit Großbritannien im Jahr 2022 und ein Vertrag mit Kanada im Vorjahr.

Es sei daher wörtlich „kein Zufall, dass er aktuell in Berlin sei“, so das Handelsblatt unter Berufung auf Bancel: „Ich möchte wirklich investieren.“ Im Gegensatz zum größten Konkurrenten BioNTech, der sich nach der Corona-Krise zurückzieht, hält der US-Konzern laut der Apotheker Zeitung „an seiner breiten mRNA-Strategie für Infektionskrankheiten fest und sieht in den bestehenden Strukturen eine Chance, die eigene europäische Präsenz auszubauen.“

Die Allgemeine Zeitung (hinter Bezahlschranke) ergänzt, dass Modernas Ankündigung in der laufenden Debatte um die von Gesundheitsministerin Nina Warken geplante Reform des „Gesetzes zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen“ vermeintlich „einen Kontrapunkt setzen“ würde. Dazu heißt es weiter:

“Während etwa Boehringer Ingelheim und der US-Pharmakonzern Eli Lilly and Company auf die im Gesetzentwurf vorgesehenen Härten für die Pharmabranche mit der Drohung reagierten, Investitionen in Deutschland massiv zu kappen, stellt der Chef des mRNA-Spezialisten in Aussicht, hierzulande kräftig zu investieren.”

Ob Moderna tatsächlich in Deutschland investiert, hängt somit auch vom politischen Fortgang des geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes ab. Bancel erwartet in den Gesprächen in Berlin laut Handelsblatt „unter anderem langfristige Planungssicherheit und Stabilität bei Arzneipreisen und -mengen“. Wörtlich führte er aus: „Wenn die Spielregeln mitten im Spiel geändert werden, ist es sehr, sehr schwer, mitzuspielen.“ Damit kritisiert er den von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vorgelegten Gesetzentwurf.

Sollte das Regierungsviertel nicht mitziehen, will Bancel zeitnah Alternativen in Europa prüfen. Er warnte im Interview:

“Dass es bald keine mRNA-Produktionskapazitäten mehr in Deutschland und Europa geben wird, ist ein massives Souveränitätsproblem.”

Damit erhöht ein weiterer mächtiger Pharmakonzern den Druck auf die Bundesregierung. Die Apotheker Zeitung titelte Anfang Juni, dass „Eli Lilly und Boehringer Ingelheim Investitionen streichen.“

Das milliardenschwere Unternehmen BioNTech von Uğur Şahin hatte Anfang Mai mitgeteilt, dass es „wegen der eingebrochenen Nachfrage nach COVID-19-Impfstoffen“ drei seiner Standorte in Deutschland schließen werde. Laut Medienberichten könnten bis zu rund 1.860 Stellen betroffen sein.

Kommende Woche plant der Bundestag das GKV-Spargesetz zu beschließen. Medien berichten von viel Kritik an den geplanten Vorhaben, insbesondere aus Bundesländern, die vom angekündigten Rückzug der Pharmabranche betroffen sind.

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