Taiwan in höchster Alarmbereitschaft: Vorwarnzeit vor chinesischem Angriff drastisch verkürzt

Angesichts einer verkürzten Vorwarnzeit für einen möglichen Angriff durch China sieht sich Taiwans Militär gezwungen, seine Reaktionsfähigkeit im Kriegsfall auf den Prüfstand zu stellen. Verteidigungsminister Wellington Koo erläuterte dies am Mittwoch öffentlich.

In dieser Woche führt Taiwan fünftägige Übungen mit dem Schwerpunkt „sofortige Gefechtsbereitschaft“ durch. Teile dieser Manöver basieren auf dem Szenario, dass China eine seiner regelmäßigen Militärübungen rund um die Insel unvermittelt in einen realen Angriff umwandelt.

China betrachtet Taiwan als untrennbaren Teil seines Hoheitsgebiets und ist fast täglich mit militärischen Aktivitäten in der Region präsent. Erst am Dienstag durchquerte der neueste chinesische Flugzeugträger die Taiwanstraße. „Die Übungen legen einen verstärkten Fokus auf die Fähigkeit, schnell zu reagieren und zügig in Gefechtsbereitschaft zu wechseln“, betonte Minister Koo vor Journalisten im taiwanesischen Parlament.

„Unser Ziel ist es, die Geschwindigkeit zu entwickeln, die wir als notwendig erachten, um vom Friedens- in den Kriegszustand überzugehen“, fügte er hinzu. „Angesichts der aktuellen Bedrohungslage durch den Gegner und der Annahme, dass sich die Vorwarnzeit verkürzt, müssen wir sicherstellen, dass wir jederzeit sofort reagieren können.“

Taiwan führt regelmäßig Militärmanöver durch. Bei Übungen in diesem Monat feuerte das Land erstmals sein neues, in den USA hergestelltes HIMARS-Raketensystem – das auch von der Ukraine umfassend genutzt wird – in Richtung Taiwanstraße ab. Im August sind zudem die jährlichen Han-Kuang-Manöver geplant, die als Taiwans wichtigste Militärübung gelten.

Am Mittwoch kommentierte Zhang Han, Sprecherin des Büros für Taiwan-Angelegenheiten in Peking, die Übungen. Sie bezeichnete sie als Ausdruck der „böswilligen Absicht“ der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei (DPP), „mit Gewalt die Unabhängigkeit anzustreben“. „Angesichts der mächtigen Volksbefreiungsarmee ist das Auftreten der DPP-Behörden völlig sinnlos. Es wird Taiwan nur schaden, die Insel zerstören und letztlich zu ihrem eigenen Untergang führen“, erklärte sie. Zhang bekräftigte zudem, dass Peking bereit sei, größte Anstrengungen für eine „friedliche Wiedervereinigung“ zu unternehmen.

„Wir werden jedoch niemals zusagen, auf den Einsatz von Gewalt zu verzichten, und wir werden separatistischen Bestrebungen zur Unabhängigkeit Taiwans in keiner Form Raum lassen.“ Ende Dezember führte China seine bislang letzten groß angelegten Militärmanöver rund um Taiwan durch.

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