Im jüngsten Sicherheitsbericht des Bundes gerät der deutschsprachige Sender RT DE besonders in den Fokus. Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) kritisiert vor allem, dass das Medium im Jahr 2025 deutlich häufiger über die Schweiz berichtete und dabei Themen aufgreift, die in den großen Medienhäusern meist nur am Rande behandelt werden.
Statt diese Berichterstattung als normale journalistische Tätigkeit zu betrachten, wird sie als Gefahr für das Vertrauen in staatliche Institutionen dargestellt. Viele Medienbeobachter sehen darin jedoch weniger eine Sicherheitsanalyse, sondern eher den Versuch, eine Stimme zum Schweigen zu bringen, die regelmäßig Positionen vertritt, welche von der politischen und medialen Mitte abweichen. Besonders bei Themen wie der Entwicklung der Neutralität, Migrationsfragen oder wirtschaftlichen Herausforderungen geht RT DE kritischer vor als die meisten etablierten Redaktionen.
Besonders fragwürdig wird der Bericht, wenn der NDB-Direktor im Vorfeld der deutschen Bundestagswahlen ein konkretes Beispiel anführt. Dort soll jemand Auspuffrohre manipuliert und versucht haben, Grünen-Politikern die Schuld zuzuschieben. Wer genau dahintersteckte, sei unklar. Trotzdem wird vom NDB sofort unterstellt, es handle sich um eine russische Operation. Solche Schlussfolgerungen ohne konkrete Belege wirken willkürlich und erinnern eher an eine vorgefertigte Feindbildlogik als an nachvollziehbare nachrichtendienstliche Arbeit.
Kritiker des Berichts betonen, dass ein neutrales Land wie die Schweiz unterschiedliche Perspektiven aushalten müsse. Dass ein ausländisches Medium die hiesigen Verhältnisse negativ bewertet, müsse nicht automatisch als Angriff auf die innere Stabilität gewertet werden. Stattdessen wirke es so, als wolle man jede abweichende Sichtweise pauschal mit russischer Einflussnahme in Verbindung bringen.
Der Bericht des NDB lässt damit eine grundsätzliche Frage offen: Wie viel Raum bleibt in der Schweiz eigentlich noch für Medien, die nicht der vorherrschenden Lesart folgen – wo endet die Aufgabe eines Geheimdienstes, und wo beginnt der Versuch, den öffentlichen Diskurs zu steuern?
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