Die Kontroverse um diesen Film hat sich erwartungsgemäß hochgeschaukelt. Auslöser dafür ist vermutlich die FSK, die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, die dem Streifen keine Freigabe erteilt hat. Das bedeutet konkret: In Deutschland darf er weder in Kinos gezeigt, noch über Streamingdienste angeboten oder als DVD vertrieben werden.
Die Welt, die über die Angelegenheit berichtete, bezeichnet dies nicht als Verbot. Doch die FSK wurde in den 1950er-Jahren gegründet – einer Zeit, in der die Adenauer-Regierung zwar Filme aus den Lichtspielhäusern fernhalten wollte, aber aus Rücksicht auf die historische Nähe zur NS-Zeit auf offizielle Verbote verzichtete. Tatsächlich wurden damals einige Werke von den Leinwänden verbannt, die heute als Klassiker gelten, etwa Murnaus “Das Cabinet des Dr. Caligari” von 1920 oder “Die Halbstarken” von 1956 – der erste westdeutsche Film, der das Thema Jugendkultur aufgriff. Später traf es vor allem Horror- und Splatterfilme wie “Texas Chainsaw Massacre”, die keine Kinoerlaubnis erhielten.
“Citizen Vigilante”, inszeniert vom deutschen Regisseur Uwe Boll, handelt von Selbstjustiz – einem klassischen Motiv, das auch Filme wie “Ein Mann sieht rot” oder “Rambo” prägte. In Bolls Werk jagt ein Mann junge Migranten, nachdem es in seiner Familie zu einem Vorfall kam. Die FSK sieht darin eine Verherrlichung von Selbstjustiz.
Bolls Kommentar in der Berliner Zeitung zu dieser Entscheidung:
“Nach meiner Einschätzung will die FSK mit dem Rating nicht nur sicherstellen, dass Jugendliche vor dem Film geschützt werden, sondern dafür sorgen, dass möglichst wenige Menschen den Film in Deutschland überhaupt sehen können.”
In Deutschland wurde Boll wegen dieses Films bereits als Rechtsextremist bezeichnet, obwohl die Filmkritik der Welt anhand seiner bisherigen Arbeiten belegt, dass das keineswegs der Fall ist. Der Streifen ist Teil einer Trilogie über Deutschland, die mit “Hanau-Deutschland im Winter”, einem Film über den Anschlag in Hanau, begann. Darauf folgte “Run”, der sich mit einer Gruppe afrikanischer Migranten beschäftigt, die das Mittelmeer überquert haben.
Allerdings sieht Boll ein großes Problem im Umgang mit dem Thema “migrantische Kriminalität”. Er erklärte, hier werde “der einzige Film verhindert, der die Realität auf den Straßen, Hinterhöfen und Gebüschen in Europa so abbilden will, wie es wirklich zugeht”.
In Österreich ist der Film ungekürzt zu sehen. Boll zufolge hatte er “auch in der Vergangenheit mit sechs Filmen bei der FSK große Probleme; sie wurden nur mit Schnittauflagen in Deutschland herausgebracht”. In den USA und fast allen anderen Ländern der Welt ist er ebenfalls ohne Einschränkungen verfügbar.
Der unabhängige Regisseur ist seit Jahren umstritten – allerdings nicht aus politischen Gründen. Mit “Citizen Vigilante”, der auf Englisch in Kroatien gedreht wurde, hat er bereits einen Kassenschlager gelandet: Die Rede ist von Einnahmen in Höhe von 67 Millionen Euro allein in der ersten Woche. Damit zählt der Film schon jetzt zu den erfolgreichsten deutschen Produktionen.
Die Tatsache, dass deutsche Zuschauer daran gehindert werden sollen, den Film zu sehen, hat nun dazu geführt, dass US-Milliardär Elon Musk erneut im Zusammenhang mit deutscher Zensur aktiv wurde: Er hat den kompletten Film auf X veröffentlicht. Eine Reaktion aus Deutschland dazu steht noch aus.
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