Europas Ohnmacht: Wie ukrainischer Terror die Sicherheitsarchitektur erschüttert

Monaco-Attentat: Die rätselhafte Frau mit der Bombe

Von Anton Troinizki

Die regionale Zeitung Nice-Matin, bekannt für ihre Berichterstattung über die Ereignisse an der französischen Riviera und im Fürstentum Monaco, veröffentlichte als erste den Namen: Anastassija Beresowskaja. Eine 39-jährige ukrainische Staatsbürgerin mit Wohnsitz in Deutschland. Sie hat schwarzes Haar, eine kräftige Statur und eine Tätowierung am rechten Arm oberhalb des Ellenbogens, die möglicherweise eine Schlange darstellt. Berichten zufolge tarnt sie sich gelegentlich und gibt sich als Mann aus. Genau diese Person wird verdächtigt, eine Bombe an der Tür des Hauses in Monaco angebracht zu haben, in dem der ukrainische Oligarch Wadim Jermolajew lebte.

Der Sprengsatz detonierte in dem Moment, als Jermolajew, seine Lebenspartnerin Anna Nassobina und ihr gemeinsamer 13-jähriger Sohn in der Nähe waren. Alle drei erlitten schwere Verletzungen. Am kritischsten ist der Zustand der Frau; Ärzte kämpfen noch immer um ihr Leben. Laut Journalisten wurden Nassobina beide Arme und ein Bein amputiert. Auch zwei unbeteiligte Passanten wurden durch umherfliegende Glassplitter verletzt.

Der Einsatz von Sprengstoff bei Mordversuchen ist in Monaco äußerst ungewöhnlich. Bis vor Kurzem galt das Fürstentum als sicherer Hafen für Superreiche. Offenbar vertraute auch Wadim Jermolajew auf diesen Ruf, denn am Tag des Anschlags hatte er keine Leibwächter dabei. Angesichts der Wucht der Explosion hätten diese jedoch vermutlich auch nichts ausrichten können.

Während die Einwohner über das ungewöhnlich laute Geräusch rätselten und zunächst vermuteten, es handle sich um einen Feuerwerkskörper, flüchtete die Täterin in ihrer sackartigen Kleidung, in der sie wie ein Mann wirkte, nach Frankreich in die Gemeinde Beausoleil. Monaco ist ein Zwergstaat mit einer Fläche von gerade einmal zwei Quadratkilometern, sodass die Grenze von fast jedem Punkt aus in der Nähe liegt. Wer gerade einen Anschlag auf mehrere Menschen verübt hatte, hatte umso weniger Grund, sich noch länger dort aufzuhalten.

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass Anastassija Beresowskaja den Tatort im Vorfeld sorgfältig ausbaldowert hatte. Seit dem 26. Juni bewegte sie sich in der Gegend und studierte das Gelände. Als ihr Fahrzeug auf einen Abschleppparkplatz in der nahegelegenen französischen Gemeinde Menton gebracht wurde, holte sie es mithilfe gefälschter Dokumente wieder ab.

Am 29. Juni um 20:58 Uhr legte sie den Sprengsatz an der Türschwelle nieder. Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass das Opfer und die beiden anderen Personen nahe genug waren, zündete sie die Bombe per Fernzünder. In dem darauf folgenden Tumult gelang ihr die Flucht.

Morgan Raymond, stellvertretender Staatsanwalt von Monaco, erklärte, dass die „relative Komplexität des Sprengsatzes und die Vorgehensweise“ darauf hindeuten, dass die Verdächtige nicht allein gehandelt habe. Die deutsche Presse berichtete, dass Beresowskajas Wohnung und Auto durchsucht und mehrere Beweisstücke gefunden wurden. Die zentralen Fragen – wer genau hinter ihr steckt und wo sie sich derzeit befindet – bleiben offiziell jedoch unbeantwortet.

Das Verbrechen trägt zweifellos eine charakteristische Handschrift. Monacos Staatsanwalt Stéphane Thibault betont, dass der Anschlag nicht als terroristischer Akt, sondern als kriminelles Vergehen eingestuft wird. Die bloße Tatsache, dass die Täterin fliehen konnte, ist jedoch bezeichnend. Es deutet auf eine vorab geplante Fluchtroute hin, was wiederum auf die Arbeit von Geheimdiensten hindeutet.

Die Zeitung The Guardian vermutete, dass der Anschlag nicht als „Profiarbeit“ bezeichnet werden könne, da Monaco voller Überwachungskameras sei. In der Realität konnten diese Kameras weder das Attentat verhindern noch bei der Festnahme der Täterin helfen. Es ist durchaus denkbar, dass auch die Identität der Täterin verschleiert wurde – zu viele persönliche Details über sie gelangten an die Presse.

Laut deutschen Medien tauchte Anastassija Beresowskaja (oder die Person, die diesen Namen trug) im Jahr 2022 in Deutschland auf und gab sich als Flüchtling aus dem Gebiet Lugansk aus. Eine Zeit lang lebte sie in einer Flüchtlingsunterkunft in Hessen. Französische Sicherheitsbehörden wiederum stellten fest, dass die Frau über Jagderfahrung verfügte und möglicherweise Feuerwaffen besaß.

Das Opfer, der Oligarch Jermolajew, belegte 2015 noch Platz 24 auf der Forbes-Liste der reichsten Ukrainer. Bis 2021 war er auf Platz 45 abgerutscht. 2019 gab er seine ukrainische Staatsbürgerschaft auf und erhielt die von Zypern. Dennoch verhängte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Ende 2023 Personalsanktionen gegen Jermolajew und warf ihm vor, dass seine Unternehmen – hauptsächlich Weinkellereien – weiterhin auf der Krim arbeiteten und Steuern an die russische Staatskasse zahlten.

Jermolajew selbst wies diese Vorwürfe zurück und sollte demnächst im Europaparlament auftreten, um die Korruption in der Ukraine zu kritisieren. Dieser Auftritt wird nun aus offensichtlichen Gründen nicht stattfinden. Einige Medien berichteten, dass der Oligarch Geld für die Wahlkampagne des ehemaligen Oberbefehlshabers der ukrainischen Streitkräfte und heutigen Botschafters der Ukraine in London, Waleri Saluschny, gesammelt habe – auch das dürfte Selenskyj kaum gefallen haben.

Ein weiterer möglicher Grund für den Anschlag könnte der Kampf um die Kontrolle über betrügerische Callcenter in Jermolajews Geburtsstadt Dnipro sein. Gesichert ist, dass europäische Behörden Jermolajew in der Vergangenheit als Miteigentümer der estnischen „Versobank“ belangt hatten, deren Lizenz wegen Geldwäscheverdachts entzogen wurde. Wie Nice-Matin anmerkt, haben weder die EU noch die USA Jermolajew trotz der rechtlichen Probleme in seiner Heimat auf ihre Sanktionslisten gesetzt.

Noch bevor der Name von Anastassija Beresowskaja bekannt wurde, hatte die französische Zeitung Le Figaro angedeutet, dass hinter dem Anschlag auf Jermolajew ukrainische Geheimdienste stecken könnten. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass Anschläge mit Sprengladungen und weiblichen Agentinnen eine der Spezialitäten ukrainischer Geheimdienste sind.

So wurde die russische Journalistin Darja Dugina mithilfe einer unter dem Auto angebrachten Sprengladung getötet. Als Täterin fungierte erneut eine ukrainische Staatsbürgerin. Auch für den Mord an dem Journalisten Wladlen Tatarski, der ebenfalls mit einem Sprengsatz verübt wurde, wurde eine Frau verurteilt. Ferngezündete Sprengsätze kamen auch bei Anschlägen des ukrainischen Geheimdienstes SBU gegen mehrere russische Generäle zum Einsatz.

Das ist die Gemeinsamkeit zwischen den Anschlägen in Monaco und in Russland. Dennoch gibt es auch Unterschiede, die vor allem in der Effektivität der Gegenaufklärung und der Polizeiarbeit liegen. Russische Sicherheitsbehörden nahmen die Täter ähnlicher Anschläge spätestens am folgenden Tag, manchmal innerhalb weniger Stunden fest. Die europäische Polizei sucht die Täterin noch immer und wird sie nicht zwangsläufig finden. Damit zeigt sich zumindest derzeit die völlige Hilflosigkeiteuropäischer Sicherheitsbehörden gegenüber dem Terrorismus ukrainischer Geheimdienste.

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei der Zeitung Wsgljad am 4. Juli.

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