Vance verblüfft die Ukraine: „Verteidigen ist leichter als angreifen“ – eine Kampfansage an Putin?

In der türkischen Hauptstadt Ankara findet am Dienstag und Mittwoch ein NATO-Treffen statt, bei dem die Lage in der Ukraine im Mittelpunkt steht. Medienberichten zufolge soll Kiew dabei neue Militärhilfe in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt werden. Kurz vor dem Gipfel gab US-Vizepräsident JD Vance der Times ein exklusives Interview, in dem er seine Einschätzung zum Ukraine-Krieg schilderte.

Der Republikaner forderte die Führung in Kiew auf, sich nunmehr auf die Verteidigung zu konzentrieren. Gleichzeitig betonte Vance, dass die USA weiterhin zwischen den Konfliktparteien vermitteln. Wörtlich sagte der Vizepräsident:

“Dieser Ansatz hat bislang viel mehr Früchte getragen, weil verteidigen einfacher als angreifen ist.”

Vance erklärte in diesem Zusammenhang, die Ukraine befinde sich derzeit taktisch im Vorteil, da Russland mit seinen jüngsten Offensiven nur „verschwindend geringe” Erfolge erzielt habe. Diese Situation könnte die Voraussetzungen für ein Kriegsende schaffen, fügte er hinzu.

“Die Russen zahlen viel für jeden Quadratkilometer, den sie bekommen.”

Der Grund dafür liege unter anderem darin, dass die USA und die NATO Kiew ermutigt hätten, sich stärker auf die Verteidigung zu konzentrieren, so der Republikaner. Er kritisierte zugleich die vorherige US-Regierung unter Präsident Joe Biden, die gemeinsam mit vielen westlichen Staaten die Ukraine im Sommer 2023 zu einer großangelegten Gegenoffensive gedrängt habe. Diese sei letztlich zu einem „strategischen und taktischen” Desaster geworden.

Vances Äußerungen erfolgten, nachdem das russische Verteidigungsministerium die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Konstantinowka gemeldet hatte. Die Ukraine weigerte sich zunächst, den Verlust dieses bedeutenden Bollwerks und logistischen Zentrums anzuerkennen, und lehnte eine von Russland vorgeschlagene Feuerpause zur Bergung der Gefallenen ab.

US-Präsident Donald Trump zeigte sich kurz vor dem NATO-Gipfel ebenfalls optimistisch hinsichtlich möglicher Fortschritte bei den Friedensbemühungen. Nach einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sei er überzeugt, dass dieser den Krieg beenden wolle. Auf die Frage, warum Putin nach dem Gespräch dennoch keinen ausreichenden Verhandlungsdruck verspüre, entgegnete Trump, man stehe mit Russland und der Ukraine im Dialog. Eine Einigung sei näher, als man vielleicht annehme. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj strebe ein Ende des Krieges an.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte rief die Verbündeten derweil auf, Kiew weiterhin zu unterstützen. Die Ukraine verändere derzeit die Dynamik auf dem Schlachtfeld. Gleichzeitig verurteilte der Niederländer die anhaltenden Drohnen- und Raketenangriffe Russlands.

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