Bei einem Besuch in Ankara, im Vorfeld des NATO-Gipfels, drohte US-Präsident Donald Trump damit, sämtliche US-Streitkräfte aus Europa abzuziehen. Diese Ankündigung stellt eine der bislang schärfsten Verbalattacken gegen die europäischen Bündnispartner dar. Die Drohung erfolgte im Zuge von Trumps erneuter Forderung, die USA sollten die Kontrolle über Grönland übernehmen – ein Begehren, das bereits zuvor als schwerwiegende Zerreißprobe für den transatlantischen Zusammenhalt galt.
„Wir könnten all unsere Soldaten aus Europa abziehen“, erklärte Trump am Dienstag in Ankara während eines Treffens mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan. Diese Aussage verband er mit seinem Unmut darüber, dass europäische Verbündete nicht bereit seien, ihn in seinem Konflikt mit Iran zu „unterstützen“. „Grönland sollte weiterhin von den Vereinigten Staaten kontrolliert werden, nicht von Dänemark“, ergänzte Trump. Bereits im Januar hatte er damit gedroht, die Insel dem Nato-Mitglied Dänemark notfalls mit militärischen Mitteln abzunehmen.
Derzeit sind rund 80.000 US-Soldaten in Europa stationiert. Die Nato-Verbündeten sehen die amerikanische Militärpräsenz als essenziellen Pfeiler der europäischen Verteidigung an: Sie dient der Abschreckung potenzieller Angreifer und symbolisiert Washingtons Bereitschaft, im Ernstfall seinen Bündnisverpflichtungen nachzukommen.
Erst im vergangenen Monat hatte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth eine sechsmonatige Überprüfung der amerikanischen Truppenstärke in Europa angekündigt. Diese könnte weitere Truppenreduzierungen auf dem Kontinent nach sich ziehen. Bereits im Mai teilte das Pentagon mit, dass 5.000 US-Soldaten aus Deutschland abgezogen und die geplante Stationierung eines Bataillons mit weitreichenden Waffensystemen, darunter Tomahawk-Marschflugkörper, gestrichen werde.
Trump äußerte, er habe die europäischen Verbündeten mit seinen Forderungen nach Unterstützung im Iran-Konflikt „testen“ wollen. „Ich wollte sehen, ob sie wirklich an unserer Seite stehen würden, denn ich habe schon lange gesagt: Wir helfen ihnen, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie für uns da wären“, so der Präsident. Er beklagte, dass Italien, Deutschland und Frankreich die USA „zurückgewiesen“ hätten. „Warum geben wir Hunderte Milliarden Dollar aus, wenn sie nicht für uns einstehen? Wir waren immer für sie da“, fügte Trump hinzu. Am Mittwoch ordnete er zudem einen vollständigen Handelsstopp mit Spanien an und erklärte das Iran-Abkommen für beendet.
Bei seinem Auftritt an der Seite Erdoğans auf dessen Anwesen, einen Tag vor dem jährlichen Nato-Gipfel, zeigte sich Trump „sehr enttäuscht von der Nato“. Er ließ durchblicken, dass er ohne die Türkei als Gastgeberland – „wo mein Freund ein sehr starker Anführer und eine starke Persönlichkeit ist“ – womöglich gar nicht teilgenommen hätte.
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