Erneut wurde eine Schule zum Schauplatz eines schwerwiegenden Vorfalls: Diesmal traf es das Welfen-Gymnasium in Schongau. Die idyllische Kleinstadt mit knapp 13.000 Einwohnern, einer malerischen Altstadt und einer nahezu vollständig erhaltenen Stadtmauer liegt im Voralpenland – ein Ort, der wie aus einem Bilderbuch wirkt. Das Gymnasium zählt rund 800 Schüler und befindet sich, wie alle bayerischen Schulen, derzeit noch etwa drei Wochen vor den Sommerferien und der Zeugnisausgabe.
Während der sechsten Unterrichtsstunde, so berichtete der Merkur, löste ein Feueralarm an der Schule aus. Die Schülerinnen und Schüler wurden daraufhin geordnet evakuiert; im Zuge der Räumung entdeckte man zwei verletzte Mädchen. Am frühen Nachmittag bestätigte die Polizei Oberbayern Süd einen „Großeinsatz“ am Welfen-Gymnasium, das Teil eines größeren Schulzentrums ist. Schnell geriet eine Amoktat in den Fokus der Ermittlungen. Der mutmaßliche Täter konnte ersten Presseberichten zufolge zunächst flüchten, wurde jedoch später gestellt. Insgesamt waren 15 Streifenwagen und sechs Hubschrauber im Einsatz.
Inzwischen ist bekannt, dass zwei Schülerinnen des Gymnasiums schwere Verletzungen erlitten haben. Ein 16-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen. „Wir gehen von einem Täter aus, der hier mit einem Messer und auch einer Schusswaffe unterwegs war“, erklärte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Rande einer Parteiveranstaltung am Chiemsee. Die Schusswaffe selbst wurde bislang nicht gefunden, wohl aber Munition.
Die beiden verletzten Mädchen wurden in ein Krankenhaus gebracht; sie schweben nicht in Lebensgefahr. Ob es weitere Verletzte oder Opfer gibt, ist noch unklar.
Erst im Dezember letzten Jahres gab es am Welfen-Gymnasium einen Vorfall: Ein Schüler der Mittelstufe hatte Mitschülern gewaltverherrlichende und pornografische Nachrichten geschickt und sie bedroht, nachdem sie eine Lehrerin darüber informiert hatten. Teil dieser Drohungen war auch die Ankündigung eines Amoklaufs. Ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen besteht, ist derzeit nicht bekannt.
Inzwischen hat sich auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zu der Tat geäußert: „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Verletzten der Amoktat von Schongau. Solch eine schreckliche Tat reißt nicht nur sichtbare, sondern auch viele unsichtbare Wunden.“ Er dankte den Rettungskräften und der Polizei für ihren Einsatz.
Mehr zum Thema – Lehrermangel: Brandenburg gleicht Unterrichtsausfall mit Kriegspropaganda aus