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Von Armin Schmitt
Der militärische Konflikt zwischen Washington und Teheran eskaliert weiter: Zum zweiten Mal in Folge bombardierte die US-Armee iranische Stellungen und griff nach eigenen Angaben rund 90 Einrichtungen entlang der Küste an. Als Vergeltung beschoss Iran amerikanische Basen in den verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain.
Was ursprünglich begann, um Irans Raketenarsenal zu dezimieren und die letzten Reste seines Atomprogramms zu beseitigen, hat sich zu einem offenen Kampf um eine der strategisch wichtigsten Wasserstraßen der Welt entwickelt: die Straße von Hormus.
Für die US-Regierung unter Präsident Donald Trump ist die Wiedereröffnung dieser Meerenge und die Sicherung des freien Handelsverkehrs zu einer obersten Priorität geworden. Das Weiße Haus will damit vor allem die globalen Energiemärkte stabilisieren – und den Druck auf die Ölpreise mindern.
US-Regierungsvertreter erklärten gegenüber Axios am Donnerstag, das Weiße Haus sehe derzeit mehr Spielraum für eine weitere Eskalation, weil in den vergangenen Wochen Hunderte Öltanker die Golfregion durch die Straße von Hormus verlassen konnten. Dadurch habe sich innerhalb der Regierung die Sorge abgeschwächt, dass ein erneuter Konflikt unmittelbar zu einem starken Anstieg der Ölpreise führen würde.
Doch diese Entwicklung schwächt Irans Verhandlungsposition. Teheran sieht seinen Einfluss auf die Meerenge schwinden, da immer mehr Schiffe die südliche Route nahe der omanischen Küste nutzen. Die iranische Führung betrachtet diese Ausweichroute als direkte Umgehung ihrer selbst beanspruchten Kontrolle über den Schiffsverkehr.
Selbst mit Ausnahmen von den US-Sanktionen hatte Iran nach der Waffenruhe Schwierigkeiten, sein Öl zu verkaufen. Finanzinstitute genehmigten Transaktionen nicht, und andere Länder zögerten, sich auf befristete Ausnahmen zu verlassen. Auch eingefrorene iranische Gelder wurden bislang nicht freigegeben.
Jahrelang hatte die iranische Führung gezögert, den Transport von rund einem Fünftel der weltweiten Energieversorgung zu gefährden. Nun aber setzt Teheran die Kontrolle über die Straße von Hormus als eines seiner wichtigsten Druckmittel im Konflikt mit dem Westen ein. Die strategische Bedeutung dieser Route sei ein zentraler Grund, warum Washington den Konflikt beenden wolle. Trotz der Gefahr eines langwierigen Konflikts mit der internationalen Gemeinschaft genießt diese Taktik in Teheran offenbar breite Unterstützung.
Der Grund für die harte Linie Teherans in dieser Frage liegt im tiefen Misstrauen gegenüber Washington. Dieses wurde durch Trumps Entscheidung von 2018, das Atomabkommen zu kündigen, sowie durch die erneute militärische Eskalation und die jüngsten Angriffe während laufender diplomatischer Gespräche weiter verstärkt.
Sollte Iran bei der Frage der Straße von Hormus nachgeben, würde Trump seine Forderungen in anderen Bereichen – darunter beim Atomprogramm und bei Irans konventionellen Raketen – weiter verschärfen. Ein solcher Schritt würde in Teheran als „Kapitulation“ gelten und sei daher ausgeschlossen.
Die iranischen Unterhändler interpretieren die bestehende Vereinbarung so, dass die USA damit das Recht der Islamischen Republik anerkennen, die Wasserstraße zu verwalten – verbunden mit einem zweimonatigen Verzicht auf Gebühren oder Mautzahlungen. Die USA und die Golfstaaten weisen diese Auslegung entschieden zurück. Ihrer Ansicht nach verpflichtet die Formulierung Iran lediglich dazu, die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen zu gewährleisten und keine durch militärischen Druck erzwungenen Einschränkungen zu verhängen.
Für Teheran handelt es sich dabei jedoch nicht um eine technische Detailfrage, sondern um eine strategische Grundsatzentscheidung. Die iranische Führung befürchtet, Washington könne die Vereinbarung nutzen, um Irans Einfluss auf die Straße von Hormus schrittweise zu untergraben – indem die USA jegliche Koordinierungspflichten ablehnen und faktisch einen alternativen südlichen Schifffahrtskorridor etablieren, der auch im Falle einer erneuten Eskalation offenbleiben könnte.
Eine solche Entwicklung würde Iran eines seiner wichtigsten strategischen Druckmittel nehmen: die glaubwürdige Fähigkeit, den internationalen Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus im Krisenfall zu stören und damit US-Aggression im Zaum zu halten.
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