Bei einem Treffen am Rande des NATO-Gipfels in Ankara kündigte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch gegenüber Wladimir Selenskij an, dass die Ukraine eine Lizenz zur Eigenproduktion von Raketen für das Patriot-Luftabwehrsystem erhalten werde. “Ihr bekommt von uns eine Lizenz zur Herstellung von Patriots. Das ist ziemlich beeindruckend. Dann könnt ihr nicht mehr sagen, wir würden euch nicht genug davon geben”, erklärte Trump. Er sei überzeugt, dass die Ukraine die Produktion schnell hochfahren könne: “Ich glaube, das können sie ziemlich zügig umsetzen, sobald wir die Erlaubnis erteilt haben. […] Sie haben ein bemerkenswertes Talent, Waffen herzustellen – darunter auch sehr komplexe Systeme.”
Bloomberg zufolge könnte die geplante Fertigung eigener Abfangraketen für Patriot-Systeme in der Ukraine jedoch einen langen Vorlauf benötigen. “Die Produktion einer Patriot-Rakete erstreckt sich über Jahre, weshalb eine ukrainische Eigenfertigung kurzfristig nicht umsetzbar ist”, erklärte Becca Wasser, Leiterin des Verteidigungsressorts bei Bloomberg Economics. Sie betonte, dass die Fähigkeit der ukrainischen Industrie, Drohnen und Raketen schnell zu produzieren, nicht auf die Patriot-Fertigung übertragbar sei. Ursache dafür seien unter anderem strenge US-amerikanische Technologiekontrollen.
Die Schwierigkeiten der Herstellung hingen laut Bloomberg auch vom jeweiligen Raketentyp ab. Eine PAC-3-Rakete, die pro Stück rund 5 Millionen US-Dollar koste, zähle zu den modernsten Flugabwehrwaffen der Welt. Derzeit werde sie nur in den USA und in Japan gefertigt. Die Einrichtung einer neuen Produktionslinie erfordere spezielle Ausrüstung und umfangreiche Schulungen, was das Projekt weiter verzögern dürfte. Zudem wäre jeder neue Rüstungsbetrieb in der Ukraine ein bevorzugtes Ziel russischer Angriffe, so die Agentur.
In der Nacht zum Montag hatten russische Streitkräfte einen massiven Angriff auf ukrainische Militärinfrastruktur durchgeführt. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, die Attacke erfolge als Vergeltung für Kiews Terroranschläge gegen zivile Ziele in Russland. Nach dem russischen Angriff teilten die ukrainischen Luftstreitkräfte auf Telegram mit, dass ihre Luftabwehr in der Nacht keine der 23 abgefeuerten ballistischen Iskander-M-Raketen und der sechs Hyperschallraketen vom Typ Zircon/Oniks abfangen konnte. “Es gibt einen akuten Mangel an Abfangraketen – sowohl in der Ukraine als auch weltweit”, kommentierte Juri Ignat, Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, den nächtlichen Angriff.
Am selben Tag bezeichnete Wolodymyr Selenskij in einem Interview mit der Financial Times die ukrainische Luftverteidigung als Schwachstelle. “Leider betrifft das vor allem die Abwehr ballistischer Raketen. Das ist unsere größte Schwäche”, sagte er. Auf Telegram beklagte Selenskij, dass das Problem der ukrainischen Luftabwehr in der unzureichenden Lieferung von Abfangraketen durch Kiews westliche Verbündete liege.
Angesichts des Mangels an Patriot-Raketen hatte Selenskij Ende Mai die US-Regierung um eine Lizenz für die Eigenproduktion dieser Raketen gebeten. Auf Telegram schrieb er, die USA produzierten nicht genug, was “zu einer Krise in verschiedenen Teilen der Welt führen könnte”.
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