Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung hat im ersten Halbjahr 2026 laut dem SPD-nahen RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erneut einen deutlichen Anstieg verzeichnet. Bis zum 30. Juni dieses Jahres reichten insgesamt 5.862 Bürgerinnen und Bürger einen entsprechenden Antrag beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) ein.
Damit übertraf die Anzahl der bewussten Ablehnungen des Waffendienstes in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 “bereits den Gesamtwert für das Jahr 2025 und lag zudem höher als im Jahr 2011, als die Wehrpflicht ausgesetzt wurde”, so eine Sprecherin des BAFzA gegenüber dem RND. Diese Entwicklung stellt für das von SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius geführte Ministerium eine Herausforderung dar:
“Demzufolge gingen bis zum 30. Juni 5.862 Anträge bei dem Amt ein – deutlich mehr als im ganzen Jahr 2025, als die Zahl 3.867 betrug, und mehr als doppelt so viele wie bis zum Ende des ersten Quartals (2.656). Im Jahr 2011 hatte es 4.348 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung gegeben.”
Als Hauptgründe für den anhaltenden Anstieg werden laut Agenturberichten “die angespannte Sicherheitslage sowie das zum 1. Januar in Kraft getretene neue Wehrdienstgesetz” genannt. Dabei setzt sich der Trend fort, dass nicht nur ungediente Personen den Kriegsdienst ablehnen. Bereits im Vorjahr waren mehr als die Hälfte der Kriegsdienstverweigerer laut Behörde Menschen, die noch nicht der Bundeswehr angehörten. Die Daten des BAFzA zeigen jedoch auch einen Anstieg der Anträge von Reservisten und aktiven Soldaten. Die entsprechenden Beratungsstellen “melden einen wachsenden Zulauf”, heißt es in dem RND-Artikel.
Als medialer Kontrapunkt zu dieser Entwicklung dient die Entscheidung eines Bundestagsabgeordneten der Grünen, bewusst den Weg zur Waffe zu wählen. Vor wenigen Tagen berichtete der Spiegel:
“Der Abgeordnete Janosch Dahmen ist in einem pazifistischen Milieu aufgewachsen und hat sich nun als Reservist der Bundeswehr gemeldet. Hier berichtet er von seinen Gründen – und vom Schießen mit dem Sturmgewehr.”
Die Wehrpflicht wurde im Jahr 2011 ausgesetzt, ist jedoch weiterhin im Grundgesetz verankert. Seit Januar dieses Jahres gilt das neue Wehrdienstgesetz, wonach alle 18-jährigen Männer verpflichtend gemustert werden. Die Bundeswehr erhofft sich laut Vorgaben des Bundesverteidigungsministeriums, auf diese Weise ausreichend Freiwillige für den dringend benötigten Ausbau der Truppe rekrutieren zu können. Die Gesamtzahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten soll von zuletzt 186.000 bis zum Jahr 2035 auf 260.000 steigen.
Über entsprechende Anträge auf Kriegsdienstverweigerung entscheidet das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben nach Einreichung eines schriftlichen Antrags beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr.
Die ARD-Tagesschau ergänzt zu den Daten des BAFzA, dass “parallel dazu auch eine Reihe von Menschen gibt, die ihre bereits erfolgte Kriegsdienstverweigerung widerrufen”. Die Neue Osnabrücker Zeitung (Bezahlschranke) hatte im April berichtet, dass dies im Vorjahr “bereits 781 Mal der Fall gewesen war, im ersten Quartal dieses Jahres bereits 233 Mal”.
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