Österreichs Bauwirtschaft erreicht 2026 den Tiefpunkt
Die Bauwirtschaft in Österreich steckt in einer tiefen Krise. Seit 2021 ist das reale Bauvolumen um knapp zwölf Prozent gesunken. Für das laufende Jahr wird ein Volumen von voraussichtlich 51,7 Milliarden Euro erwartet – ein deutlicher Rückgang gegenüber 58,7 Milliarden Euro zu Beginn der Korrektur. Die Prognosen bis 2028 zeigen nur einen minimalen Anstieg auf 52 Milliarden Euro, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von lediglich 0,1 Prozent entspricht. Von einer echten Erholung kann also keine Rede sein.
Die Auswirkungen sind in ganz Österreich spürbar: steigende Mieten, eine angespannte Infrastruktur und eine schleichende Deindustrialisierung unter der aktuellen Regierung. Besonders hart trifft es den Hochbau. Dessen Volumen fiel von 50,6 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 43,3 Milliarden Euro im Jahr 2025. Für 2026 wird ein weiterer, wenn auch leichter, Rückgang erwartet. Der Neubau leidet besonders stark.
Zwischen 2021 und 2025 brach der Neubau um mehr als ein Fünftel ein. Der Wohnungsbau, das mit Abstand größte Segment, stagniert bei rund 27,5 Milliarden Euro und dürfte erst 2028 wieder leicht zulegen. Renovierungsarbeiten haben die Einbrüche zwar teilweise abgefedert, können den Rückgang beim Neubau jedoch nicht ausgleichen. Viele notwendige Sanierungen werden verschoben, weil die hohen Kosten, die unsichere Finanzierung und unklare Förderungen die Projekte unwirtschaftlich machen.
Marktbeobachter bringen es auf den Punkt: Bedarf allein baut keine Wohnungen. Entscheidend ist die wirtschaftliche Machbarkeit unter den aktuellen Bedingungen. Hohe Bau- und Finanzierungskosten bleiben die zentrale Hürde.
Zwar hat sich der starke Preisanstieg der Jahre 2021 bis 2023 abgeschwächt, doch das Niveau liegt weiterhin deutlich über dem der Niedrigzinsära. Steigende Löhne treiben die Kosten zusätzlich in die Höhe. Das Finanzierungsumfeld bleibt trotz der Zinssenkungen seit 2024 anspruchsvoll. Viele Projekte bewegen sich an der Grenze zwischen machbar und unmöglich. Schon kleine Veränderungen bei Zinsen, Baukosten oder Verkaufspreisen entscheiden über den Start oder die Verschiebung eines Vorhabens.
Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO bestätigt dieses Bild. Nach realen Rückgängen von 5,2 Prozent im Jahr 2024 und 0,8 Prozent im Jahr 2025 erwartet es für 2026 nur ein minimales Plus von 0,2 Prozent. Österreich hinkt damit dem europäischen Trend hinterher. In den Euroconstruct-Ländern wird für 2026 bereits ein Wachstum von 2,4 Prozent prognostiziert. Der Tiefbau, der in den vergangenen Jahren noch stabilisierend wirkte, gerät nun durch die fiskalische Konsolidierung unter Druck. Der Wohnbau zeigt erste Anzeichen einer Stabilisierung, bleibt aber weit von einer dynamischen Erholung entfernt.
Es gibt jedoch erste positive Signale: Die Auftragsbestände haben im ersten Quartal 2026 eine Reichweite von 15 Wochen erreicht, nach 13 Wochen im Vorjahr. Auch die Erwartungen der Unternehmen hellen sich auf. Dennoch liegen die Bestände weiterhin unter früheren Niveaus, und die Branche bleibt vorsichtig. Die Frühindikatoren zeigen, dass der Markt nicht mehr so stark fällt. Sie deuten jedoch noch nicht darauf hin, dass es wieder kräftig bergauf geht.
Die Folgen der Krise reichen weit über die Baustellen hinaus. Weniger Neubau verschärft den Druck auf den Wohnungsmarkt, vor allem in den Ballungsräumen. Unternehmen kämpfen mit ausgelasteten Kapazitäten in manchen Gewerken, während sie in anderen unter Auftragsmangel leiden. Die Zahl der Insolvenzen bleibt hoch, auch wenn sie sich im Baugewerbe 2025 leicht entspannt hat. Die Beschäftigtenzahl liegt bei rund 140.000, doch die Unsicherheit belastet die Planung und Investitionen.
Das Jahr 2026 gilt als Jahr der Seitwärtsbewegung. Viele Marktteilnehmer sehen darin eine Chance, sich strategisch aufzustellen und auf 2027 vorzubereiten, wenn ein moderates Wachstum erwartet wird. Ob daraus ein nachhaltiger Aufschwung wird, hängt maßgeblich vom Wohnungsbau ab. Solange dieser nicht an Dynamik gewinnt, bleibt die Bauwirtschaft in ihrer Schwächephase gefangen. Die Rahmenbedingungen müssen sich spürbar verbessern, bevor aus dem Tiefpunkt mehr wird als nur der tiefste Punkt.
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