Ab Juni 2027 wird der präventive Einsatz von Rattengift untersagt. Die bislang in Großbäckereien, Supermarktlagern und Lebensmittelbetrieben übliche “befallsunabhängige Dauerbeköderung” (BuD) ist dann Geschichte. Statt vorbeugend Gift auszulegen, muss künftig erst durch gezielte Überwachung ein tatsächlicher Rattenbefall nachgewiesen werden, bevor Maßnahmen ergriffen werden dürfen, wie apollo news berichtet. Deutschland verliert damit eines seiner wichtigsten Werkzeuge zur Nagetierbekämpfung – und könnte nun vor einer massiven Rattenplage stehen.
Diese umstrittene Neuregelung geht auf die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (zum Arbeitsministerium von SPD-Politikerin Bärbel Bas gehörend) und das Umweltbundesamt (unter SPD-Umweltminister Carsten Schneider) zurück. Die rot geführten Behörden setzen auf ein „integriertes Schädlingsmanagement” anstelle von Präventionsgift. Konkret bedeutet das: Ratten sollen künftig mit Überwachungstechnik verfolgt werden, statt sie präventiv mit Gift zu bekämpfen. Wie dies praktisch umgesetzt werden soll, bleibt jedoch vage.
Die Kritik lässt nicht lange warten. Manuel Klein, Vizechef des Verbands der Lebensmittelkontrolleure, sagte der Welt, die Entscheidung bringe für Unternehmen „immens höhere Kosten und immens höheren Aufwand” – und das für Betriebe, die ohnehin seit Jahren unter Steuer- und Bürokratielasten aus Berlin ächzen. Dabei hatte die Koalition, wie so oft, das Gegenteil versprochen und immer wieder Entlastung und Entbürokratisierung gefordert.
Bereits heute fehlt es an ausreichend Schädlingsbekämpfern, um den künftigen Bedarf zu decken, so Klein. „Wenn immer mehr Gifte vom Markt genommen werden, dann werden wir wieder Probleme wie im Mittelalter bekommen: Mäuse und Ratten, die auf der Straße rumlaufen”, warnt er weiter. Sein Fazit:
„Als Ratte habe ich doch mittlerweile das tollste Leben. Immer weniger Bekämpfungsmöglichkeiten und immer mehr Müll auf den Straßen.”
Michael Reininger vom Raiffeisenverband skizziert die möglichen Folgen einer Plage. Betriebe könnten während des vierwöchigen Monitoring-Zeitraums einen Befall feststellen und müssten dann ihr Geschäft sofort für 14 Tage schließen. Die Konsequenz: enorme Umsatzeinbußen und Imageschäden. In den Unternehmen herrsche deshalb derzeit große Verunsicherung.
Das Vorgehen der Ministerien wirkt grotesk, und es stellt sich die Frage, warum man nicht nach Holland schaut. Dort wurde die Dauerbeköderung bereits 2023 abgeschafft – genau wie jetzt in Deutschland. Seitdem steigt die Zahl der Rattenbefälle im Gastgewerbe laut der niederländischen Lebensmittelsicherheitsbehörde dramatisch an. Kein Wunder, dass sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (dem Landwirtschaftsministerium von CSU-Minister Alois Rainer unterstellt) gegen das Verbot ausgesprochen hat und auf die „Notwendigkeit des Erhalts der BuD” pocht.
Im Westen Deutschlands gab es zuletzt viele Initiativen gegen den Einsatz von Rattengift. In Braunschweig etwa startete eine Petition dagegen, die bereits mehr als 500 Unterschriften sammelte.
Ganz ohne Rattengift geht es ohnehin nicht mehr: Seit Mai 2024 ist der Verkauf an Privatpersonen verboten. Auch für Kammerjäger ist die Anwendung durch neue Auflagen deutlich aufwendiger geworden. Der Grund für die verschärften Regeln: Die chemischen Rodentizide stören die Blutgerinnung, was zu inneren Blutungen und einem qualvollen Tod führt. Aber was wäre die Alternative? Schon jetzt sieht man in vielen deutschen Städten Ratten und andere Nager auf öffentlichen Plätzen. Ähnlich wie beim Wolf lässt man sich in Deutschland aus Gründen des vermeintlichen Tierwohls den eigenen, unmittelbaren Lebensraum nehmen – mit erheblichen negativen Folgen für die Menschen.
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