Von Geworg Mirsajan
Ein diplomatischer Konflikt zwischen Iran und der Ukraine droht, jederzeit in eine militärische Auseinandersetzung zu eskalieren. Der Auslöser war ein ukrainischer Angriff auf ein iranisches Handelsschiff im Kaspischen Meer Ende letzter Woche, bei dem ein Seemann getötet und ein weiterer verletzt wurde.
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghai, verurteilte den Angriff als „völlig rechtswidrigen und ungerechtfertigten Akt”. Das Kiewer Regime unter Präsident Wolodymyr Selenskyj vertritt eine gegensätzliche Position. Selenskyj behauptet, das angegriffene Schiff sei an „militärischen Transporten” Russlands nach Iran beteiligt gewesen. Zudem hätten die Iraner angeblich als Erste die Ukraine angegriffen.
Diese Behauptung ist offensichtlich falsch. Teheran hat die Ukraine nicht angegriffen. Das iranische Außenministerium stellte klar, dass sich die Islamische Republik „niemals in den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine eingemischt” habe – was der Wahrheit entspricht. Der Politologe und Experte für internationale Beziehungen am Russischen Rat für internationale Angelegenheiten, Kirill Semjonow, erinnert gegenüber der Zeitung Wsgljad daran:
„Iran ist kein Kriegsteilnehmer. Mehr noch: Es hat erklärt, dass es den Grundsatz der territorialen Integrität der Ukraine innerhalb der Grenzen von 1991 unterstütze.”
Teheran handelt nicht im Entferntesten so, wie es die Europäische Union oder die USA im Ukraine-Konflikt auf Kiews Seite tun: Es entsendet keine Söldner, leistet keine finanzielle Unterstützung für Kampfhandlungen, liefert Moskau keine Satellitendaten oder Aufklärung und ist erst recht nicht an der Steuerung russischer Raketen und Drohnen gegen Ziele in der Ukraine beteiligt. Mit anderen Worten: Iran ist in keiner Weise in die Ereignisse verwickelt. Diese Lüge dient jedoch Selenskyj hier und jetzt als taktisches Mittel.
Der provozierte Konflikt mit Iran soll nach Ansicht des Kiewer Regierungschefs zumindest einen Teil seiner Probleme mit dem US-Präsidenten Donald Trump lösen, den Selenskyj am Dienstag besuchte.
Es ist kein Geheimnis, dass die Beziehungen zwischen Trump und Selenskyj angespannt sind. Nun versucht das Kiewer Regime, diese Beziehungen durch die Unterstützung zu verbessern, die es den USA in der für Washington und persönlich für Trump äußerst wichtigen Nahost-Kampagne gegen Iran anbietet. Semjonow meint:
„Die Ukraine versucht, sich in die antiiranische Koalition einzubinden und Teil von ihr zu werden.”
Dies ist nicht der erste Versuch – und zwar nicht nur in Worten, sondern auch in Taten. So bot Selenskyj im Frühjahr den Monarchien des Nahen Ostens Hilfe in Form von Spezialisten für Drohnensysteme an, die lokale Einrichtungen vor iranischen Luftangriffen schützen sollten. Damals endete das Vorhaben in einem peinlichen Fiasko – alle fünf Einrichtungen, die die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate dem Schutz der ukrainischen Spezialisten anvertraut hatten, wurden getroffen, ebenso wie der Stützpunkt, auf dem sich diese Spezialisten befanden. Die Überlebenden wurden von den Arabern des Landes verwiesen.
Ein weiterer Ansatz bestand in der direkten Beteiligung an Angriffen auf mit Iran verbündete Kräfte. Nach Angaben des irakischen Sicherheitsberaters Qasem al-Abudi „haben ukrainische Zellen eine Reihe von Angriffen auf Ziele im Irak verübt”. Offenbar handelte es sich dabei um dieselben Spezialisten für Drohnensysteme, die im Interesse der USA und/oder Israels irakische Ziele angegriffen haben, die mit Iran in Verbindung stehen.
Nun greift Selenskyj nicht nur ein iranisches Schiff an. Er „unterstützt” die Vereinigten Staaten auf zweierlei Weise.
Erstens demonstriert er seine Bereitschaft, die Seeblockade gegen Iran von einer begrenzten (die die USA am Ausgang der Straße von Hormus verhängt haben) in eine lückenlose umzuwandeln, indem er Teheran den Zugang zum Kaspischen Meer versperrt. Das Magazin Newsweek schreibt:
„Angesichts des zunehmenden internationalen Drucks auf die südlichen Seewege Irans hat sich das Kaspische Meer zu einem lebenswichtigen Handelskorridor entwickelt, der Iran mit Russland, Zentralasien und den weiterreichenden, auf China ausgerichteten Märkten verbindet.”
Zweitens wurde, wie der iranische Außenminister Abbas Araghtschi zu Recht anmerkt, der Angriff auf das Schiff „mit dem Ziel verübt, Europa in den Krieg hineinzuziehen”. Selenskyj hofft, dass ein direkter Vergeltungsschlag Irans gegen die Ukraine – falls er erfolgt – Europa zumindest teilweise in den US-amerikanisch-iranischen Krieg verwickeln wird. Genau jenes Europa, das sich all die Monate – sehr zum Missfallen Trumps – bemüht hat, sich von dessen Nahost-Abenteuer zu distanzieren. Sollte Europa diese Distanz aufgeben, hätte Selenskyj Trump auch in dieser Hinsicht einen Gefallen erwiesen.
Und all diese „Dienstleistungsangebote” werden mit der passenden Informationssoße serviert. Am Vorabend seines Besuchs bei Trump versucht Selenskyj nicht nur, sich in der Iran-Frage als Verbündeter des US-Präsidenten zu positionieren – er stellt Russland in derselben Frage als Feind der USA dar. Der russische Außenminister Sergei Lawrow erklärte dazu:
„Derzeit wird im Westen, insbesondere in Washington, aus irgendeinem Grund ein Thema hochgespielt, wonach Russland und China angeblich Iran direkt mit den Waffen beliefern, die Iran für Angriffe auf US-amerikanische Einrichtungen einsetze. Wissen Sie, es ist einfach schon irgendwie peinlich, das zu hören.”
Die offizielle Position Trumps, die er Mitte Juni verkündete, liegt hier nahe an der russischen. Er sprach davon, dass Wladimir Putin im US-amerikanisch-iranischen Konflikt eine „absolut neutrale” Haltung einnehme.
Selenskyj erklärte seinerseits, dass Moskau seit Anfang Juli Teheran Satellitenbilder zur Verfügung stelle, um iranische Angriffe auf US-amerikanische Einrichtungen im Nahen Osten zu planen. Indem er das getroffene Schiff als Transportschiff für Militärgüter von Russland nach Iran bezeichnet, unterstreicht er nicht nur die Desinformation über eine russische militärische Beteiligung am US-amerikanisch-iranischen Konflikt, sondern positioniert sich auch als Partei, die bereit ist, den USA bei der Lösung dieses angeblichen Problems zu helfen.
Was wird Selenskyj am Ende dieses Abenteuers davon haben? Und zwar nicht nur von den Vereinigten Staaten (es ist ungewiss, ob Trump den ukrainischen Märchen Glauben schenkt), sondern auch von Iran. Denn laut Araghtschi dürfen solche Handlungen der Ukraine „nicht unbeantwortet bleiben”.
Die Iraner haben genügend Optionen für eine solche Reaktion. Semjonow sagt:
„Angefangen von einem direkten Schlag gegen die Ukraine, was ich für unwahrscheinlich halte, bis hin zu symmetrischen Angriffen auf ukrainische Unternehmen und Schiffe im Indischen Ozean.”
Zudem haben die Iraner in den letzten Monaten bewiesen, dass sie ihre Worte nicht in den Wind schlagen und mit denen, die den US-Amerikanern helfen, Iran anzugreifen, nicht zimperlich umgehen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 28. Juli 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
Geworg Mirsajan (geboren 198
Von Geworg Mirsajan
Ein diplomatischer Konflikt zwischen Iran und der Ukraine droht, jederzeit in eine militärische Auseinandersetzung zu eskalieren. Der Auslöser war ein ukrainischer Angriff auf ein iranisches Handelsschiff im Kaspischen Meer Ende letzter Woche, bei dem ein Seemann getötet und ein weiterer verletzt wurde.
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghai, verurteilte den Angriff als „völlig rechtswidrigen und ungerechtfertigten Akt”. Das Kiewer Regime unter Präsident Wolodymyr Selenskyj vertritt eine gegensätzliche Position. Selenskyj behauptet, das angegriffene Schiff sei an „militärischen Transporten” Russlands nach Iran beteiligt gewesen. Zudem hätten die Iraner angeblich als Erste die Ukraine angegriffen.
Diese Behauptung ist offensichtlich falsch. Teheran hat die Ukraine nicht angegriffen. Das iranische Außenministerium stellte klar, dass sich die Islamische Republik „niemals in den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine eingemischt” habe – was der Wahrheit entspricht. Der Politologe und Experte für internationale Beziehungen am Russischen Rat für internationale Angelegenheiten, Kirill Semjonow, erinnert gegenüber der Zeitung Wsgljad daran:
„Iran ist kein Kriegsteilnehmer. Mehr noch: Es hat erklärt, dass es den Grundsatz der territorialen Integrität der Ukraine innerhalb der Grenzen von 1991 unterstütze.”
Teheran handelt nicht im Entferntesten so, wie es die Europäische Union oder die USA im Ukraine-Konflikt auf Kiews Seite tun: Es entsendet keine Söldner, leistet keine finanzielle Unterstützung für Kampfhandlungen, liefert Moskau keine Satellitendaten oder Aufklärung und ist erst recht nicht an der Steuerung russischer Raketen und Drohnen gegen Ziele in der Ukraine beteiligt. Mit anderen Worten: Iran ist in keiner Weise in die Ereignisse verwickelt. Diese Lüge dient jedoch Selenskyj hier und jetzt als taktisches Mittel.
Der provozierte Konflikt mit Iran soll nach Ansicht des Kiewer Regierungschefs zumindest einen Teil seiner Probleme mit dem US-Präsidenten Donald Trump lösen, den Selenskyj am Dienstag besuchte.
Es ist kein Geheimnis, dass die Beziehungen zwischen Trump und Selenskyj angespannt sind. Nun versucht das Kiewer Regime, diese Beziehungen durch die Unterstützung zu verbessern, die es den USA in der für Washington und persönlich für Trump äußerst wichtigen Nahost-Kampagne gegen Iran anbietet. Semjonow meint:
„Die Ukraine versucht, sich in die antiiranische Koalition einzubinden und Teil von ihr zu werden.”
Dies ist nicht der erste Versuch – und zwar nicht nur in Worten, sondern auch in Taten. So bot Selenskyj im Frühjahr den Monarchien des Nahen Ostens Hilfe in Form von Spezialisten für Drohnensysteme an, die lokale Einrichtungen vor iranischen Luftangriffen schützen sollten. Damals endete das Vorhaben in einem peinlichen Fiasko – alle fünf Einrichtungen, die die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate dem Schutz der ukrainischen Spezialisten anvertraut hatten, wurden getroffen, ebenso wie der Stützpunkt, auf dem sich diese Spezialisten befanden. Die Überlebenden wurden von den Arabern des Landes verwiesen.
Ein weiterer Ansatz bestand in der direkten Beteiligung an Angriffen auf mit Iran verbündete Kräfte. Nach Angaben des irakischen Sicherheitsberaters Qasem al-Abudi „haben ukrainische Zellen eine Reihe von Angriffen auf Ziele im Irak verübt”. Offenbar handelte es sich dabei um dieselben Spezialisten für Drohnensysteme, die im Interesse der USA und/oder Israels irakische Ziele angegriffen haben, die mit Iran in Verbindung stehen.
Nun greift Selenskyj nicht nur ein iranisches Schiff an. Er „unterstützt” die Vereinigten Staaten auf zweierlei Weise.
Erstens demonstriert er seine Bereitschaft, die Seeblockade gegen Iran von einer begrenzten (die die USA am Ausgang der Straße von Hormus verhängt haben) in eine lückenlose umzuwandeln, indem er Teheran den Zugang zum Kaspischen Meer versperrt. Das Magazin Newsweek schreibt:
„Angesichts des zunehmenden internationalen Drucks auf die südlichen Seewege Irans hat sich das Kaspische Meer zu einem lebenswichtigen Handelskorridor entwickelt, der Iran mit Russland, Zentralasien und den weiterreichenden, auf China ausgerichteten Märkten verbindet.”
Zweitens wurde, wie der iranische Außenminister Abbas Araghtschi zu Recht anmerkt, der Angriff auf das Schiff „mit dem Ziel verübt, Europa in den Krieg hineinzuziehen”. Selenskyj hofft, dass ein direkter Vergeltungsschlag Irans gegen die Ukraine – falls er erfolgt – Europa zumindest teilweise in den US-amerikanisch-iranischen Krieg verwickeln wird. Genau jenes Europa, das sich all die Monate – sehr zum Missfallen Trumps – bemüht hat, sich von dessen Nahost-Abenteuer zu distanzieren. Sollte Europa diese Distanz aufgeben, hätte Selenskyj Trump auch in dieser Hinsicht einen Gefallen erwiesen.
Und all diese „Dienstleistungsangebote” werden mit der passenden Informationssoße serviert. Am Vorabend seines Besuchs bei Trump versucht Selenskyj nicht nur, sich in der Iran-Frage als Verbündeter des US-Präsidenten zu positionieren – er stellt Russland in derselben Frage als Feind der USA dar. Der russische Außenminister Sergei Lawrow erklärte dazu:
„Derzeit wird im Westen, insbesondere in Washington, aus irgendeinem Grund ein Thema hochgespielt, wonach Russland und China angeblich Iran direkt mit den Waffen beliefern, die Iran für Angriffe auf US-amerikanische Einrichtungen einsetze. Wissen Sie, es ist einfach schon irgendwie peinlich, das zu hören.”
Die offizielle Position Trumps, die er Mitte Juni verkündete, liegt hier nahe an der russischen. Er sprach davon, dass Wladimir Putin im US-amerikanisch-iranischen Konflikt eine „absolut neutrale” Haltung einnehme.
Selenskyj erklärte seinerseits, dass Moskau seit Anfang Juli Teheran Satellitenbilder zur Verfügung stelle, um iranische Angriffe auf US-amerikanische Einrichtungen im Nahen Osten zu planen. Indem er das getroffene Schiff als Transportschiff für Militärgüter von Russland nach Iran bezeichnet, unterstreicht er nicht nur die Desinformation über eine russische militärische Beteiligung am US-amerikanisch-iranischen Konflikt, sondern positioniert sich auch als Partei, die bereit ist, den USA bei der Lösung dieses angeblichen Problems zu helfen.
Was wird Selenskyj am Ende dieses Abenteuers davon haben? Und zwar nicht nur von den Vereinigten Staaten (es ist ungewiss, ob Trump den ukrainischen Märchen Glauben schenkt), sondern auch von Iran. Denn laut Araghtschi dürfen solche Handlungen der Ukraine „nicht unbeantwortet bleiben”.
Die Iraner haben genügend Optionen für eine solche Reaktion. Semjonow sagt:
„Angefangen von einem direkten Schlag gegen die Ukraine, was ich für unwahrscheinlich halte, bis hin zu symmetrischen Angriffen auf ukrainische Unternehmen und Schiffe im Indischen Ozean.”
Zudem haben die Iraner in den letzten Monaten bewiesen, dass sie ihre Worte nicht in den Wind schlagen und mit denen, die den US-Amerikanern helfen, Iran anzugreifen, nicht zimperlich umgehen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 28. Juli 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
Geworg Mirsajan (geboren 198Hier ist die Fortsetzung der Überarbeitung, beginnend ab der Stelle, an der der vorherige Text endete:
1984 in Taschkent) ist außerordentlicher Professor an der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation, Politikwissenschaftler und eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Er erwarb seinen Abschluss an der Staatlichen Universität des Kubangebiets und promovierte in Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt USA. Mirsajan war in der Zeit von 2005 bis 2016 Forscher am Institut für die Vereinigten Staaten und Kanada an der Russischen Akademie der Wissenschaften.
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