Der tödliche Anschlag auf die CSD-Parade in Berlin hat weitreichende Folgen für die Veranstaltungslandschaft der Stadt. Eigentlich war für den 15. August die Technoparade “Zug der Liebe” geplant, die als bescheidene Neuauflage der einstigen Loveparade gilt. Diese Musik-Demo wird nun aber nicht wie gewohnt stattfinden, wie die Organisatoren bekannt gaben. “Die Ereignisse rund um den CSD haben die Situation grundlegend verändert”, heißt es in einer Instagram-Mitteilung.
Der “Zug der Liebe” trat 2015 das Erbe der Loveparade an, die im Jahr 2000 noch eine Million Menschen nach Berlin lockte. Nachdem 2010 bei der Technoparade in Duisburg eine Massenpanik 21 Todesopfer gefordert hatte, setzt der “Zug der Liebe” bewusst auf ein kleineres Format. Er verfolgt ähnliche Botschaften wie sein Vorgänger, grenzt sich aber explizit von dessen Massencharakter ab. Im Vorjahr zog die Parade rund 10.000 Teilnehmer an, die laut Veranstalter für Toleranz, Vielfalt und Solidarität durch die Innenstadt marschierten.
“Eine Durchführung wäre in diesem Jahr mit enormen Auflagen verbunden”, so die Organisatoren weiter. Dazu zählen Barrieren, Taschenkontrollen und ein massives Polizeiaufgebot. Bisher stand die Parade für einen unbeschwerten und angstfreien Protestraum. Eine Demonstration unter dem aktuellen Klima der Verunsicherung und so strengen Bedingungen widerspreche dem eigentlichen Geist der Veranstaltung. Neben der Sicherheitslage und städtischen Vorschriften werden auch logistische Herausforderungen und bürokratische Hindernisse als Gründe für die Absage genannt.
Die verbliebenen Fahrzeuge wollen die Organisatoren stattdessen der gleichzeitig geplanten Kundgebung zum Erhalt des RAW-Geländes zur Verfügung stellen. Dieses Areal eines früheren Bahnwerks in Friedrichshain gilt als Berlins berühmte Partymeile und Kulturzone. “Statt uns still zurückzuziehen, bündeln wir unsere Kräfte, um die bedrohte Berliner Kulturszene direkt zu unterstützen”, so die Mitteilung.
Am vorherigen Samstagabend war ein mutmaßlich islamistischer Attentäter mit einem Van am Berliner Tiergarten in eine Menschengruppe der CSD-Feierlichkeiten gerast. Dabei kam eine Frau ums Leben, 31 Personen wurden verletzt. Die Politik reagierte mit Bekenntnissen zu Offenheit, Freiheit und Vielfalt, während Bürgermeister Kai Wegner betonte, dass Berlin eine sichere Stadt bleibe.
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