Skandal bei der Berliner Stadtreinigung: IT-Mitarbeiter fliegt raus – wegen AfD-Parteibuch!

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In der brandenburgischen Kreisstadt Neuruppin, genauer gesagt im Stadtparlament, sitzt ein Mann namens Klaus Baumdick – zumindest offiziell für die AfD-Fraktion, wie die Stadtverwaltung mitteilt. Anfang des Jahres bewarb sich Baumdick jedoch in Berlin um eine Stelle in der IT-Abteilung der Berliner Stadtreinigung (BSR). Die Stelle wurde ihm zugesagt, und er begann die Probezeit. Diese endete jedoch abrupt, weil, wie der Tagesspiegel (kostenpflichtig) berichtet, „einige BSR-Kollegen etwas intensiver” seine öffentlichen Beiträge in sozialen Medien und seine AfD-Mitgliedschaft „durchleuchtet” hätten.

Der Berliner Tagesspiegel greift diesen Fall wenige Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl auf, um gesellschaftliche Spannungen in der Hauptstadt zu beleuchten. Die politischen Details zu Klaus Baumdick bleiben dabei vage. Unter der Rubrik „Exklusiv” wird der Vorfall so betitelt: „Personalpanne bei der Berliner Stadtreinigung: AfD-Politiker eingestellt – und gleich wieder entlassen.”

Es ist nicht ganz klar, ob Baumdick inzwischen aus der AfD-Fraktion in Neuruppin ausgetreten ist und nun als fraktionsloser Stadtverordneter agiert. Die derzeit öffentlich zugänglichen Unterlagen der Stadt geben darüber keine Auskunft. Offiziell wird er von der Stadtverwaltung weiterhin der AfD-Fraktion zugeordnet.

Der Tagesspiegel hatte bereits im März (kostenpflichtig) darauf hingewiesen, dass der Politiker auf einem Brandenburger Parteitag angeblich mit einem „AfD-Ausweis mit der Mitgliedsnummer 5.999″ die Partei verlassen wollte. Rund vier Monate später, vor wenigen Tagen, schilderte Baumdick auf LinkedIn seine Erfahrungen mit der BSR: „Zum 1. Mai hatte ich einen richtig geilen Job gefunden. So geil, dass ich auf sehr viel Geld verzichtet habe. Öffentlicher Dienst in Berlin. Heute kam es, wie ich es schon erwartet habe. Linke Kräfte haben so intensiv auf den Vorstand eingehämmert, dass er mir gekündigt hat.”

Die Redaktion des Tagesspiegel erfuhr – aus welchen Gründen auch immer – von den internen Abläufen bei der BSR und konnte so „exklusiv” Hintergrunddetails liefern.

In dem Artikel wird Baumdick als „eigenwillig und streitlustig” beschrieben. Er poste Videos auf Instagram oder schreibe Bücher wie „Der Schurkenstaat”, die „das aktuelle politische System als billige Demokratiefassade zu entlarven versuchen”. Zudem wurden Beiträge „gegen Ausländer, Linke und Klimaaktivisten” ausfindig gemacht. Genau diese hätten dann, so der Tagesspiegel, „einige BSR-Kollegen etwas intensiver nachgeforscht”, ebenso wie Baumdicks unklare AfD-Mitgliedschaft.

Der Vorwurf der besorgten Kollegen an die BSR-Geschäftsführung lautete, die Personalabteilung habe dies vor der Einstellung unterlassen. Wie die BSR-Angestellten überhaupt auf die AfD-Verbindung ihres neuen IT-Kollegen stießen, bleibt im Artikel offen. Die BSR-Pressestelle rechtfertigt sich auf Nachfrage des Tagesspiegel: „Aus Datenschutzgründen führt die BSR keine Recherchen im Internet und in sozialen Medien über Bewerber:innen durch – mit Ausnahme ihrer öffentlichen Profile in beruflichen Netzwerken, wenn dazu eine Veranlassung besteht.”

Berufliche Portale wie LinkedIn oder Xing dürfen Arbeitgeber jedoch einsehen. Dies hätte im Fall Baumdick „zumindest seine politische Laufbahn und die radikalen Thesen seines Buches offenbart”, so die BSR zur Kündigungserklärung.

Die Geschäftsführung verweist auf ihren „umfangreichen ‚Verhaltenskodex'”, der „Vielfalt und Wertschätzung predigt, sich gegen Rassismus und Diskriminierung stellt und mit Äußerungen von AfD-Politikern wie Baumdick kaum vereinbar ist”. Diese Regeln „gelten für jeden Einzelnen und in jedem Moment”, betont die BSR, jedoch „aber nur im unternehmerischen Kontext”. Als Grund für die Entlassung, so der Tagesspiegel abschließend, „spielte der Kodex offenbar keine Rolle”.

Der entlassene Baumdick schildert das Abschlussgespräch in seinem LinkedIn-Beitrag als „unter acht Augen im stillen Zimmer”. Weiter sagt er: „Mein Chef und sein Chef bedauerten die Kündigung glaubwürdig zutiefst.” Für die BSR sei der Vorfall laut Tagesspiegel „unangenehm, auch wenn Baumdick nur geringe Chancen hat, eine Kündigung in der Probezeit anzufechten”. Baumdick beendet seinen LinkedIn-Eintrag mit den Worten: „Wir leben im besten Deutschland aller Zeiten!”

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