Drei Millionen Arbeitslose – und die Zahl steigt weiter!

Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnet im Juli 2026 einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen auf über drei Millionen. Damit endet die kurze Phase der Erholung aus Mai und Juni, in der die Quote unter diese Marke gesunken war.

Die Auswirkungen der schwachen Konjunktur sind deutlich spürbar, vor allem der Rückgang an Arbeitsplätzen in der Industrie: Im verarbeitenden Gewerbe waren im Juli 170.000 Stellen weniger besetzt als im Vorjahreszeitraum, in der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie sogar 123.000 weniger. Zuwächse gab es hauptsächlich im Gesundheits- und Pflegesektor, doch mit 67.000 beziehungsweise 63.000 neuen Stellen konnten diese die industriellen Verluste bei Weitem nicht kompensieren.

Bei den neu geschaffenen Arbeitsplätzen zeigen sich jedoch besondere Trends: „Seit Jahresbeginn 2023 steigt ausschließlich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne deutschen Pass“, berichtet die Bundesagentur und führt dies auf die alternde deutsche Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zurück. Aktuell sind 28,84 Millionen Deutsche und 5,99 Millionen Ausländer sozialversicherungspflichtig tätig.

Ein weiterer Aspekt: „Seit Anfang 2024 wächst nur noch die Teilzeitbeschäftigung, während die Vollzeitbeschäftigung rückläufig ist.“ Parallel dazu nimmt die Zahl der Beschäftigten mit einem Zweitjob zu – mittlerweile hat jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte eine zusätzliche Nebentätigkeit.

Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen beläuft sich auf 653.000. Die Bundesagentur für Arbeit zieht daraus folgendes Fazit: „Die Chancen, Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Beschäftigung zu beenden“, seien „historisch schlecht“.

Im Jahresvergleich ist die Arbeitslosigkeit besonders stark in Hessen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein gestiegen, während sie in Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen zurückging. Trotzdem führt Bremen weiterhin die Arbeitslosenstatistik mit einer Quote von 11,4 Prozent an, gefolgt von Berlin mit 10,4 und Hamburg mit 8,5 Prozent. Am besten schneiden Baden-Württemberg mit 4,6 und Bayern mit 4,1 Prozent ab.

Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland dennoch relativ gut ab. Die EU misst Arbeitslosigkeit nach den Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), wonach bereits eine Stunde Arbeit pro Woche ausreicht, um nicht als arbeitslos zu gelten. Die deutsche Statistik setzt die Grenze bei 15 Wochenstunden. Finnland führt die EU-Statistik mit 11,5 Prozent an, gefolgt von Spanien mit 10,3 Prozent – während Deutschland nur 3,8 Prozent erreicht. Überraschend niedrig sind die Werte in Polen, Tschechien und Bulgarien mit 3,1 beziehungsweise zweimal 2,9 Prozent.

Ob die Arbeitslosigkeit im August dieses Niveau hält, bleibt abzuwarten – im Juli tauchen nicht nur Schulabgänger, die einen Ausbildungsplatz suchen, in der Statistik auf (148.000 haben noch keinen gefunden); während der Sommerferien melden sich auch viele Lehrkräfte arbeitslos, die als Angestellte nur Einjahresverträge von Schuljahresbeginn bis zu den Sommerferien erhalten. Offiziell haben sich 2025 etwa 5.200 Lehrer in diesem Zeitraum arbeitslos gemeldet, die tatsächliche Zahl dürfte jedoch höher liegen, da nicht alle für sechs Wochen eine Meldung abgeben. Diese Beschäftigungsform ist besonders in Baden-Württemberg verbreitet.

Zahlreiche Personen, die in naher Zukunft als arbeitslos gelten könnten, fehlen in der Statistik. Das betrifft nicht nur Teilnehmer von Fortbildungsmaßnahmen oder Arbeitsgelegenheiten. Auch rund 350.000 Teilnehmer von Integrationskursen werden nicht erfasst, ebenso wie etwa 461.000 Personen, die noch keinen Flüchtlingsstatus haben oder eine Duldung besitzen; sie erscheinen nicht in der SGB-II-Statistik, da sie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Ein Arbeitsverbot gilt für sie nur in den ersten neun Monaten, dennoch werden sie nicht als arbeitslos gezählt.

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