Huthis erzwingen Kehrtwende: Saudi-Öltanker auf der Flucht im Roten Meer

Nachdem die im Jemen regierenden Huthi Ende Juli eine Blockade gegen Saudi-Arabien verhängt hatten, scheinen sie diese nun tatsächlich durchzusetzen. Der Jemen kontrolliert die Meerenge Bab-al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet und damit eine zentrale Passage für den internationalen Schiffsverkehr darstellt.

Sollte es dem Jemen gelingen, die Blockade vollständig aufrechtzuerhalten, bliebe saudischen Schiffen lediglich der Weg durch den Suez-Kanal, was je nach Zielhafen erhebliche Umwege bedeuten könnte. Die jemenitische Seite begründet die Blockade als Reaktion auf ein saudisches Embargo, das gegen das Land verhängt wurde. Die mit dem Iran verbündeten Huthi kontrollieren dicht besiedelte Gebiete im Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa sowie die Küstenregion am Roten Meer.

Brigadegeneral Yahia Saree, Sprecher der jemenitischen Streitkräfte, verkündete am Donnerstagabend über die Plattform X, dass es dem Militär gelungen sei, acht saudische Öltanker dazu zu zwingen, ihren Kurs in Richtung Kap der Guten Hoffnung zu ändern. Dies sei im Rahmen der Durchsetzung des Prinzips “Blockade gegen Blockade” geschehen, nachdem die jemenitischen Streitkräfte ihre Maßnahmen verschärft hätten.

Gleichzeitig bekräftigte Saree, dass die Huthi entschlossen seien, die Blockade fortzusetzen. Wie genau und mit welchen Mitteln die Schiffe zur Kursänderung bewegt wurden, erläuterte der Militärvertreter jedoch nicht.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg bestätigte Sarees Aussagen am selben Tag zumindest in Teilen: Sie berichtete, dass sechs saudische Öltanker von den Huthi zur Umkehr gezwungen worden seien. Durch die erzwungene Route um Afrika herum verlängere sich die Reisezeit der Schiffe um mindestens zwei Wochen.

Ebenfalls am Freitag wurde bekannt, dass Saudi-Arabien gemeinsam mit dreizehn anderen Staaten ein Militärbündnis gegründet hat, das die Durchfahrt durch die Bab-al-Mandab-Meerenge sichern soll.

Wie die Nachrichtenagenturen Reuters und Deutsche Presse-Agentur berichteten, trafen sich bei dem Gründungstreffen in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad Vertreter von 43 Nationen, darunter auch eine EU-Delegation. 14 Länder schlossen sich schließlich zur sogenannten “Multinationalen Maritimen Verteidigungsallianz” zusammen. Laut saudischen Angaben waren insgesamt 51 Länder und Institutionen eingeladen worden.

Die Gründungsstaaten der Militärallianz sind: Saudi-Arabien, Bahrain, Bangladesch, Ägypten, Jordanien, Kuwait, Katar, Türkei, Jemen, Pakistan, Dschibuti, Somalia, Sudan und die Komoren. Das Hauptquartier des Bündnisses wird in Saudi-Arabien eingerichtet, das auch die Führung der Koalition übernehmen soll. Die Nachbarländer Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) schlossen sich dem Bündnis nicht an. Das saudische Verteidigungsministerium betonte jedoch, dass die Tür für weitere Beitritte interessierter Länder offen stehe.

Die Ziele des neuen Bündnisses sind die Sicherstellung der Freiheit der Schifffahrt sowie der Schutz internationaler Handelsrouten und der globalen Energieversorgung. Dies soll durch gemeinsame Militäreinsätze, Übungen und den Austausch von Geheimdienstinformationen erreicht werden.

Das saudische Verteidigungsministerium hob in seiner Erklärung den rein defensiven Charakter der Allianz hervor. Ob und wie die saudisch geführte Koalition mit der ebenfalls im Roten Meer operierenden EU-Mission “Aspides” zusammenarbeiten wird, ist noch offen.

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