CSD-Amokfahrer unter Polizeischutz beerdigt: Ermittler präsentieren schockierenden Fund eines zweiten Handys!

Gestern Vormittag fand auf dem Landschaftsfriedhof Gatow im Berliner Bezirk Spandau die Beisetzung des Deutsch-Libanesen Abdul Balloud statt, der einen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) geplant haben soll. Rund 190 Polizeikräfte sicherten das Gelände, um “die Totenruhe zu gewährleisten und eine sichere sowie angemessene Bestattung zu begleiten”, wie ein Polizeisprecher gegenüber der Presse erklärte. Wie die Redaktion der Zeitung Welt (Paywall) erfuhr, wurde im Zuge der Ermittlungen ein weiteres Mobilgerät im Tatfahrzeug entdeckt, das “derzeit vom Bundeskriminalamt (BKA) ausgewertet” werde.

Die Hauptstadtpresse berichtete, dass Fahrzeuge, die zum Friedhofsparkplatz fahren wollten, von der Polizei vorab kontrolliert wurden. An der Zeremonie – der Friedhof verfügt über eine eigene Anlage für muslimische Gräber – nahm lediglich eine kleine Gruppe aus dem Familienkreis teil. Laut Bild ist der Landschaftsfriedhof Gatow “einer von drei Friedhöfen in Berlin, die auch eine islamische Ruhestätte haben”.

Während der Beisetzung achteten die Beamten darauf, “dass sich Angehörige, Schaulustige und Journalisten nicht begegnen”, so der Welt-Artikel. Polizisten patrouillierten über das Gelände und wiesen Reporter zurück. Gegen 13:45 Uhr endete die Zeremonie; rund zwei Stunden später rückte die Polizei ab, wie die Berliner Zeitung vermeldete.

Parallel dazu fand am Dienstag eine digitale Sondersitzung des Innenausschusses des Bundestags statt, berichtete die Welt. Die zugeschalteten Abgeordneten wollten wissen, warum der Amoktäter, “der von den Behörden als Gefährder mit hohem Risiko eingestuft war, nicht deutlich besser überwacht wurde”. Zur Rechtfertigung aufgefordert waren Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Sinan Selen, sowie der BKA-Präsident Holger Münch.

BKA-Chef Münch gab zu Protokoll, dass der Täter nicht nur den Kleintransporter angemietet hatte, sondern zuvor offenbar auch “einen Elektroroller, mit dem er später verschiedene Tatorte ausgespäht” haben soll – darunter die Straßen rund um den Berliner Tiergarten und den sogenannten “Regenbogen-Kiez” in Schöneberg, einem international bekannten Treffpunkt der queeren Community.

Laut Welt-Artikel hätten die Verantwortlichen auf direkte Fragen “kaum oder ausweichend geantwortet”, so auch der CSU-Innenminister. Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft verwiesen wiederholt darauf, “wegen der laufenden Ermittlungen keine Auskünfte erteilen zu können”.

“Nach der heutigen Sondersitzung des Innenausschusses des Deutschen Bundestags zum Anschlag auf den Berliner CSD bleiben zahlreiche Fragen weiter unbeantwortet”, erklärte Konstantin von Notz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, im Anschluss an die Zoom-Veranstaltung.

Der Tagesspiegel (Paywall) konnte in Erfahrung bringen, dass die Berliner Ermittler “offenbar ein zweites Handy des CSD-Attentäters Abdul Ballout auswerten”. Das Gerät sei nicht identisch mit dem Handy, “das das Berliner Landeskriminalamt (LKA) seit Ballouts Haftentlassung im Mai überwacht hatte”, so die Welt-Redaktion ergänzend.

Bestätigt wurde, dass es ebenfalls im Tatfahrzeug gefunden wurde. Warum mehrere Tage vergingen, bevor dieser Fund der Presse mitgeteilt wurde, bleibt unklar. Laut Behörden gilt das zweite Mobiltelefon nun als “möglicher ‘Missing Link'”, da es Aufschluss darüber geben könnte, “ob Ballout bei der Planung des Anschlags mit weiteren Personen in Kontakt stand”.

Die Bild-Redaktion (Paywall) fasst die bisherigen Erkenntnisse zusammen:

“Auch bei seiner Kommunikation ging der Terrorist offenbar professionell vor … Berliner Ermittler vermuten, dass Ballout mindestens zwei Handys hatte. Der Islamist rechnete offensichtlich damit, dass sich die LKA-Ermittler auf sein Handy aufgeschaltet hatten – und nutzte offenbar heimlich ein weiteres Gerät, ein ‘Terror-Handy’ – denn unter der abgehörten Handynummer waren nur belanglose Gespräche und Gebete zu hören.”

Zudem würden ausgewertete Fahrzeugdaten belegen, dass Ballout am Tattag “in einer Art Zickzackkurs mit dem gemieteten Transporter in der Stadt unterwegs war”, so Bild. Zwischendurch habe er immer wieder parkend gestoppt – ein möglicher Hinweis auf “Anweisungen oder zumindest Unterstützung eines Unbekannten via Handy”, mutmaßt das Blatt.

Clara Bünger, innenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, stellte nach der Anhörung die Frage, “ob die Behörden nicht auch nach geltendem Recht mehr hätten tun müssen”.

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