Die einflussreiche proisraelische Interessenvertretung AIPAC hat angekündigt, den demokratischen Senatskandidaten Abdul El-Sayed im Novemberwahlkampf offen bekämpfen zu wollen. El-Sayed, ein prominenter Vertreter des progressiven Flügels der Demokraten und scharfer Kritiker der israelischen Politik, setzte sich in der Vorwahl in Michigan mit 48,5 Prozent knapp gegen die Amtsinhaberin Haley Stevens durch.
AIPAC betonte, man werde alles daransetzen, die Wähler davon zu überzeugen, El-Sayed und dessen sogenannte „antiisraelische Haltung“ abzulehnen. Bereits im Vorfeld hatten die Organisation und ihre Bündnispartner rund 30 Millionen Dollar in den Wahlkampf von Stevens investiert.
El-Sayed, promovierter Mediziner und Experte für öffentliche Gesundheit, dessen Wurzeln in Ägypten liegen, schlug die bisherige Abgeordnete Stevens im Rennen um jenen Senatssitz, den der zurückgetretene Senator Gary Peters freigemacht hat. Sein Stimmenanteil lag bei 48,5 Prozent, während Stevens auf 47,5 Prozent kam.
Sollte er sich im November gegen den Republikaner Mike Rogers durchsetzen, wäre El-Sayed der erste muslimische US-Senator der Geschichte. Im Wahlkampf machte er mit deutlicher Kritik an Israels Militäraktionen im Gazastreifen auf sich aufmerksam, sprach von „Apartheid“ und sprach sich gegen US-Waffenhilfe für Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Ägypten aus.
Gegenüber CNN bezeichnete El-Sayed im April sowohl Israel als auch die Hamas als „böse“. Besonders AIPAC griff er während des Vorwahlkampfs mehrfach an. So erklärte er in einer Debatte im Juli: „Zu lange wurde unsere Außenpolitik von Kräften wie Israel und AIPAC dominiert.“
El-Sayed reiht sich ein in eine wachsende Zahl propalästinensischer, progressiver Kandidaten, die im aktuellen Wahlzyklus bedeutende Vorwahlen der Demokraten für das Repräsentantenhaus für sich entscheiden konnten. Melat Kiros gewann im Juni ihre Vorwahl in Colorado, und in New York setzten sich im selben Monat drei von Bürgermeister-Zögling Zohran Mamdani unterstützte Kandidaten durch.
US-Präsident Donald Trump feierte die Berichte über El-Sayeds Sieg als „großartige Neuigkeiten für die Republikanische Partei“. Auf seiner Plattform Truth Social bezeichnete er ihn als „kommunistischen Totalausfall“. Trump verwendet das Kommunismus-Etikett zunehmend gegen linke Demokraten, die zuletzt auch andernorts Erfolge verbuchen konnten.
Aktuelle Umfragen belegen einen deutlichen Stimmungswandel unter US-Demokraten gegenüber Israel. Laut einer Erhebung des Pew Research Center aus dem April haben inzwischen 80 Prozent der Demokraten und demokratisch orientierten Wähler eine ablehnende Haltung gegenüber Israel. Vor dem Gaza-Krieg lag dieser Wert im Jahr 2022 noch bei 53 Prozent.
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