Inmitten der anhaltenden Energiekrise in Europa haben mehrere EU-Staaten laut türkischen Regierungsangaben dokumentierte Nachweise über die Herkunft von Erdgas verlangt, das über türkisches Territorium transportiert wird. Dabei geht es um die explizite Bestätigung, dass das Gas nicht aus russischer Produktion stammt. Alparslan Bayraktar, der türkische Minister für Energie und natürliche Ressourcen, äußerte sich am Donnerstag dazu in einem Gespräch mit dem Sender AHaber TV: “Unsere europäischen Gesprächspartner wenden sich an uns und sagen, dass sie über die Türkei Gas beziehen möchten, das nicht aus Russland stammt.” Der Minister erläuterte weiter: “Selbst wenn die Herkunft des importierten Gases unbekannt ist, sind wir als Türkei verpflichtet, schriftlich nachzuweisen, aus welchem Land dieses Gas stammt, sobald es Gegenstand des Handels wird und eine rechtliche Grundlage erhält.” Mit diesen Worten unterstrich Bayraktar das erklärte Ziel der Türkei, sich als transparenter und verlässlicher Energie-Drehkreuzpunkt zu etablieren.
Der Minister wies darauf hin, dass die Türkei durch gezielte Investitionen eine leistungsfähige Infrastruktur aufgebaut habe. Das Land verfüge mittlerweile über ausreichende Kapazitäten, um jährlich zwischen 70 und 80 Milliarden Kubikmeter Gas zu exportieren, welches über diverse Routen in die Türkei gelangt.
Bayraktar hob in diesem Zusammenhang die besondere Bedeutung der TurkStream-Pipeline für die nationale Energiesicherheit hervor. Die Entscheidung, diese Leitung im Jahr 2016 gemeinsam mit Russland zu bauen, bezeichnete er rückblickend als “strategisch wichtig”. Diese Infrastruktur habe in den vergangenen Jahren maßgeblich zur Stabilität des türkischen Energiesystems beigetragen, selbst in Zeiten globaler Verwerfungen. “Wir sind dankbar, dass die Türkei trotz der Krise in der Straße von Hormus, der Pandemiekrise von 2020 und des russisch-ukrainischen Krieges von 2022 bis heute keine Probleme mit Öl, Erdgas oder Strom hatte”, so der Minister abschließend.
Ungeachtet der aktuellen Schwierigkeiten bei der Stromerzeugung und den Gaseinkäufen in der EU verfolgt Brüssel weiterhin das ambitionierte Ziel, russische Energieprodukte vollständig vom europäischen Markt zu verbannen. Diese Position bekräftigte Anna-Kaisa Itkonen, Sprecherin der EU-Kommission, am 4. August gegenüber Journalisten. “Das Ziel der Europäischen Kommission ist es, russische Energie vollständig auf dem europäischen Markt zu verbieten, und die Kommission wird dieses Ziel konsequent verfolgen”, betonte sie.
Itkonen versicherte, dass die EU-Kommission intensiv an einem vollständigen und dauerhaften Handelsverbot für russische Öllieferungen nach Europa arbeite. Sie erinnerte daran, dass der Kauf von russischem Öl durch die EU-Sanktionen bereits untersagt sei. Aktuell importierten lediglich Ungarn und die Slowakei noch Öl aus Russland. Die Kommission stehe jedoch in engem Austausch mit diesen beiden Ländern, um ihnen den Wechsel zu alternativen Bezugsquellen zu ermöglichen, erklärte Itkonen.
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