Skandal um F-35: Pentagon verheimlicht kritischen Bericht – droht der Schweiz der Jet-Albtraum?

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Erstmals seit über zwei Jahrzehnten wird ein zentraler Prüfbericht des US-Kongresses zum milliardenschweren F-35-Kampfjet-Programm nicht öffentlich zugänglich gemacht. Wie die zuständige Behörde Government Accountability Office (GAO) bestätigte, hat das Pentagon den als „Zwischenbericht zu Produktion und Weiterentwicklung“ betitelten Report als „Controlled Unclassified Information“ (CUI) eingestuft. Obwohl diese Kategorie nicht dem Geheimstatus entspricht, sind die Weitergabe- und Veröffentlichungsmöglichkeiten deutlich eingeschränkt.

Der Bericht wurde zwar den Verteidigungsausschüssen beider Kammern des Kongresses zugestellt, der breiten Öffentlichkeit bleibt er jedoch vorenthalten. Diese Praxis stellt eine Zäsur dar: Seit Beginn der jährlichen, vom Kongress angeordneten Evaluationen des Programms im Jahr 2005 wurden die Ergebnisse stets publiziert. Das F-35-Projektbüro des Pentagons begründet die Geheimhaltung mit sicherheitsrelevanten Aspekten. Detaillierte technische Leistungswerte, Einsatzbereitschaftsdaten sowie Informationen über die Zulieferkette könnten demnach Risiken für die militärische Planung und die Betriebssicherheit bergen.

Die plötzliche Diskretion wirft jedoch neue Fragen über den tatsächlichen Stand des Prestigeprojekts auf. Bill Sweetman, ein ausgewiesener Luftfahrtexperte und ehemaliger Mitarbeiter des Rüstungskonzerns Northrop Grumman, interpretiert die Maßnahme als ein klares Indiz für anhaltende Schwierigkeiten. Seine Prognose: Möglicherweise haben sich zentrale Meilensteine in der Serienproduktion und bei der avisierten Modernisierung erneut verschoben. Er verweist in diesem Kontext auf chronische Problemfelder, darunter die Bordelektronik, die Triebwerks- und Kühlsysteme sowie eine angespannte Ersatzteillage, die zu einer hohen Wartungsintensität führt.

Unabhängig von der Geheimhaltung belegen bereits öffentlich zugängliche Zahlen eine trübe Bilanz. Ein separater, nicht klassifizierter GAO-Bericht zur Wartung vom Juni 2026 zeigt dramatische Einbußen bei der Verfügbarkeit der Flotte: Waren 2021 noch 67 Prozent der F-35 der US-Streitkräfte einsatzfähig, fiel dieser Wert bis 2025 auf 44 Prozent. Noch gravierender ist der Rückgang bei den Maschinen, die ohne jede Einschränkung alle zugewiesenen Aufgaben erfüllen können. Deren Quote stürzte im selben Zeitraum von 38 auf rund ein Viertel der Gesamtflotte ab.

Die Debatte hat auch direkte Auswirkungen auf die Schweiz. Der Bundesrat hatte 2021 den Kauf von 36 F-35A für die Luftwaffe beschlossen – damals noch im Vertrauen auf die von US-Seite prognostizierte hohe Einsatzbereitschaft. Nun sieht sich die Schweizer Luftwaffe mit kritischen Nachfragen konfrontiert. Programmleiter Cédric Aufranc wies jedoch aktuelle Bedenken zurück. Man habe die Ersatzteilversorgung von Beginn an explizit geplant und zusätzlich ein erweitertes Unterstützungspaket geordert, um einen Betrieb der Jets auch ohne direkte Herstellerhilfe sicherzustellen. Die ersten für die Schweiz bestimmten Maschinen sollen voraussichtlich ab Mitte 2028 eintreffen; ein erster Flieger befindet sich bereits in den USA in der Endmontage.

Mit der Einstufung verliert die Öffentlichkeit erstmals seit über 20 Jahren die Möglichkeit, einen unabhängigen Prüfbericht zum größten Rüstungsvorhaben der USA einzusehen. Ob hinter der Zurückhaltung tatsächlich nur Sicherheitsinteressen stehen oder auch unangenehme Wahrheiten über Kostenexplosionen, Verzögerungen und technische Mängel verborgen werden sollen, lässt sich ohne Einsicht in die Unterlagen nicht final bewerten. Klar ist: Wartung, Ersatzteilversorgung und Modernisierung bleiben die neuralgischen Punkte für die Zukunft des Programms.

Trotz dieser offenen Flanken hält sich Bern mit öffentlicher Kritik an Washington auffällig zurück. Grund dafür dürften die angespannten transatlantischen Beziehungen sein. Präsident Donald Trump hat die Schweiz jüngst erneut attackiert und mit Sonderzöllen gedroht. In einem Interview mit dem US-Magazin Punchbowl News behauptete er, die USA hätten ein Handelsdefizit von rund 39 Milliarden Dollar mit der Schweiz. Dieses könne er „mit einem Strich auslöschen“. Würden die USA keine Schweizer Uhren oder andere Produkte mehr abnehmen, wäre die Schweiz „kein Eliteland mehr“, so Trump. Seine Vorwürfe: Die Schweiz und andere Nationen würden vom amerikanischen Markt profitieren, ohne genug für ein faires Handelsgleichgewicht zu tun.

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