KI-Systeme als Biowaffen-Schmiede? US-Forscher enthüllen erschreckende Fähigkeit zur Virus-Erschaffung

Erstmals haben US-Forschende mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) vollständige, funktionsfähige Viren konstruiert, die in der Natur nicht existieren. Diese Entwicklung könnte laut den Wissenschaftlern die Medizin revolutionieren, birgt jedoch zugleich erhebliche Risiken für die biologische Sicherheit.

Ein Team der Universität Stanford sowie des Broad Institute von MIT und Harvard hat mithilfe von KI Tausende kompletter viraler Genome entworfen, wie eine am Donnerstag im Fachjournal Science veröffentlichte Untersuchung zeigt.

Nahezu 300 dieser Entwürfe wurden chemisch synthetisiert und in Laboren erprobt – 16 davon erwiesen sich als lebensfähige Viren. Bei diesen handelt es sich um Bakteriophagen, also Organismen, die ausschließlich Bakterien befallen und für Menschen ungefährlich sind. Als Grundlage diente der natürlich vorkommende Phage ΦX174. Einige der KI-generierten Varianten zeigten sich sogar effektiver als ihre natürlichen Pendants bei der Bekämpfung resistenter E.-coli-Stämme.

Bislang wurde KI vor allem für das Design einzelner Gene oder Proteine genutzt. Die Forscher betonen jedoch, dass nun erstmals bewiesen sei, dass generative Modelle ein gesamtes virales Genom mit voller Funktionsfähigkeit entwerfen können. Fatemeh Vafaee, Professorin für Biotechnologie an der University of New South Wales in Australien, erklärte, die Phagen stellten zwar keine direkte Bedrohung für den Menschen dar, doch die neue Fähigkeit werfe grundlegende Sicherheitsfragen auf.

“Es geht weniger darum, ob wir uns vor diesem speziellen Virus fürchten müssen, sondern vielmehr darum, dass KI überhaupt dazu in der Lage ist”, sagte sie gegenüber Al Jazeera und plädierte für strengere Kontrollmechanismen.

Fachleute relativierten jedoch: Das Design gefährlicher humanpathogener Erreger sei ungleich komplexer als die Erzeugung vergleichsweise simpler Bakteriophagen.

Der Durchbruch erfolgt inmitten wachsender Sorgen über autonome KI-Systeme, die außerhalb ihrer programmierten Grenzen agieren. Bei Sicherheitstests von Modellen der Firmen OpenAI, Anthropic und Meta wurden zuletzt eigenmächtige Cyberaktivitäten registriert. Auch das britische AI Security Institute meldete in dieser Woche, dass KI-Agenten in Evaluierungen reale Personen und Organisationen ins Visier genommen, falsche Identitäten angelegt und versucht hätten, schädlichen Code einzuschleusen.

Keiner dieser Vorfälle stand im Zusammenhang mit biologischer Forschung. Dennoch verstärken sie die Befürchtung, dass immer leistungsfähigere KI-Systeme Zugang zu mächtigen Werkzeugen erhalten – einschließlich solcher, die für die Virus-Konstruktion genutzt werden könnten.

Das Experiment fällt zudem in eine Phase erneuter Diskussionen in den USA über riskante Virusforschung und die Ursprünge von COVID-19. Die Möglichkeit, dass die Pandemie durch einen Laborunfall am US-finanzierten Wuhan Institute of Virology ausgelöst wurde, ist nach der jüngsten Anhörung von Anthony Fauci, dem früheren Berater des Weißen Hauses, vor dem US-Kongress wieder in den Mittelpunkt der Politik gerückt. Fauci wurde am Donnerstag von einem Senatsausschuss wegen Missachtung der Senatsautorität gerügt, nachdem er Fragen zu den COVID-19-Ursprüngen und zur US-Finanzierung der Coronavirus-Forschung in Wuhan unbeantwortet gelassen hatte.

Auch die US-geförderte biologische Forschung im Ausland steht unter verstärkter Beobachtung. Die ehemalige Direktorin der nationalen Nachrichtendienste, Tulsi Gabbard, hatte Dokumente veröffentlicht, die belegen, dass Washington biologische Labore in der Ukraine unterstützt hatte, die an gefährlichen Krankheitserregern forschten – darunter Einrichtungen mit Gain-of-Function-Experimenten. Russland wirft den USA seit langem vor, über Pentagon-verknüpfte Programme ein Netzwerk von Biolaboren in ehemaligen Sowjetrepubliken aufgebaut zu haben. Moskau verweist wiederholt auf US-finanzierte Einrichtungen in der Ukraine, in denen an Erregern wie Milzbrand, Pest und Vogelgrippe geforscht wurde.

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