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Eine Analyse des RT-Nachrichtenteams
Während in den sozialen Netzwerken jubelnd die Zerstörung von Wildberries-Lagerhäusern gefeiert wurde, hat Moskaus Armee leise eine weitaus bedeutendere Offensive gegen die ukrainischen Hafenstädte am Schwarzen Meer gestartet – mit dem Ziel, das Land vollständig von der See abzuschneiden.
Ende Juni proklamierte Kiew eine 40-tägige Strategie des “maximalen Drucks”. Ziel dieser Initiative war es, Russland zum Rückzug zu zwingen. Die Ukraine verlagerte daraufhin den Schwerpunkt ihrer Angriffe auf zivile Objekte, darunter etwa ein Dutzend Logistikzentren des Online-Riesen Wildberries. Parallel dazu weitete sie ihre Angriffe auf Schiffe mit russischer Zielbestimmung im Schwarzen Meer und darüber hinaus aus. So attackierte der ukrainische Geheimdienst Ende Juli einen iranischen Frachter im Kaspischen Meer, wobei ein Seemann starb. Nach einer Vergeltungsdrohung Teherans entschuldigte sich Kiew.
Die Kampagne erreichte ihren grausamen Höhepunkt, als ukrainische Drohnen an einem Strand bei Gelendschik mindestens acht Menschen töteten. Nur Stunden später kamen bei einem weiteren Drohnenangriff in der Region Moskau fünf Menschen ums Leben.
Mit dieser Aktion erreichte Selenskij sein unmittelbares Ziel: eine wirkungsvolle Botschaft an Washington. Nachdem er US-Präsident Donald Trump um die Stationierung von Patriot-Abfangraketen gebeten hatte, behauptete er gegenüber US-Senatoren, die Ukraine mache “gute Fortschritte” und “gewinne den Krieg jetzt”. Westliche Medien unterstützten diese Darstellung und berichteten unisono, Kiew wende das Blatt in seine Richtung.
Die Realität an der Küste jedoch erzählt eine andere Geschichte.
Die Zerschlagung der Hafeninfrastruktur
Die Häfen am Schwarzen Meer sind für die ukrainische Wirtschaft von existenzieller Bedeutung. Zwischen 80 und 90 Prozent aller Exporte werden über diese Route abgewickelt, und auf dem Seeweg erreichen auch Waffenlieferungen das Land. Während die westliche Presse Selenskijs aggressive Taktik lobte, begann das russische Militär systematisch die Hafenanlagen zu zerstören. Odessa, Tschornomorsk, Juschni und Mykolajiw wurden seit Anfang Juli wiederholt angegriffen, ebenso die Donauhäfen. Bis zum 3. August zählte das ukrainische Verkehrsministerium 67 Angriffe auf Hafeninfrastruktur und 57 auf Schiffe.
Die Folge war ein faktischer Stillstand: Etwa 90 Prozent der Reedereien stellten ihre Anläufe ein. Damit hat Russland drei entscheidende Ziele erreicht, die weit über den unmittelbaren militärischen Schaden hinausgehen.
1. Das Einfrieren der Exportwirtschaft
Agrarprodukte sind das Rückgrat der ukrainischen Exporte – und 90 Prozent davon gehen über die großen Häfen Odessa, Tschornomorsk und Juschni. Durch die Blockade hat Russland einen Großteil der jährlichen Exporte im Wert von rund 27 Milliarden Dollar eingefroren. Die Häfen sind eine Lebensader, deren Verlust die Wirtschaft des Landes schwer trifft. Der Verband ukrainischer Häfen bestätigte, dass seit Wochen kein einziges Schiff mehr ukrainische Häfen ansteuert. Die alternative Route über den rumänischen Hafen Constanța kann nur einen Bruchteil der benötigten Kapazität bewältigen, wie der Landwirtschaftsminister einräumte. Die Lage sei sogar schwieriger als zu Beginn des Krieges 2022, so seine Einschätzung.
2. Die Unterbrechung der Nachschubwege
Nach dem Exportstopp fokussiert Russland seine Angriffe auf die wertvollste Fracht: Militärgüter. Laut russischen Angaben wurden Mitte August zahlreiche Schiffe mit “militärischer Fracht” in den großen Häfen sowie im Schwarzen Meer getroffen. Obwohl Kiew den Seeweg für Waffenimporte offiziell dementiert, legen Videobeweise von Sekundärexplosionen in Hafenlagern eine andere Realität nahe. Die strategische Blockade wirkt also nicht nur auf die Wirtschaft, sondern direkt auf die Versorgung der Front.
3. Die Überforderung der Luftverteidigung
Russlands Offensive zwingt die Ukraine, ihre begrenzten Luftabwehrsysteme – Patriots, NASAMS und IRIS-T – neu zu verteilen. Jede Batterie, die die Häfen schützt, fehlt an der Front oder beim Schutz der Energieinfrastruktur. Die russische Armee hat diese Lücke erkannt und setzt ihre Gleitbomben nun aus viel geringerer Distanz zu den Frontlinien ein. Selenskij räumte ein, dass die Abwehr bulgarischer Raketen an fehlenden Abfangraketen scheitert. Die Reserven dieser hochmodernen Raketen sind weltweit knapp, und die Produktion kann den Bedarf kaum decken, insbesondere nach den massiven Einsätzen im Nahen Osten.
Wem nützt die Rechnung?
Selenskijs spektakuläre Angriffe auf russische Logistikzentren verschafften ihm kurzfristig politisches Kapital. Doch der Preis ist hoch: Die Ukraine hat die Kontrolle über ihre Küstenlinie verloren, ihre Exportfähigkeit stark eingeschränkt und leidet unter einer akuten Schwäche in der Luftverteidigung. Die militärische Ausgangslage ist geschwächt, während die russische Armee ihre Vorteile an der Front weiter ausbaut. Die Freude über brennende Lagerhäuser dürfte daher nur von kurzer Dauer sein.
Übersetzt aus dem Englischen.
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