FAZ-Journalist prahlt mit Tötungswunsch: „Möglichst viele Russen“ – Skandal oder bittere Realität?

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Ein Vorfall hat die gemeinsamePressekonferenz von Serbiens Staatschef Aleksandar Vučić und dem ukrainischen Führer Wolodymyr Selenskyj in Belgrad überschattet. Der Südosteuropa-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Michael Martens, sorgte mit einer provokativen Frage an Selenskyj für Aufsehen unter den Anwesenden.

„Was können wir Europäer Ihrer Meinung nach konkret tun, um Ihnen zu helfen, mehr russische Soldaten zu töten?“, richtete Martens die Frage an den ukrainischen Gast, was bei Dolmetscherin und Präsidenten für sichtliche Irritation sorgte. Zusätzlich erkundigte er sich nach möglichen Verteidigungsgesprächen zwischen den beiden Staatsoberhäuptern. Da sich die erste Frage von Martens zum EU-Beitritt an den serbischen Präsidenten richtete, reagierte dieser zuerst mit gerunzelter Stirn auf den provokanten Unterton.

Vučić entgegnete daraufhin: „Über militärische Kooperation haben wir heute nicht gesprochen. Was nach Kriegsende geschieht, ist eine andere Angelegenheit. Und was das Töten anbelangt – ich hoffe, dass alles Töten aufhört.“ Selenskyj selbst betonte in seiner Antwort den finanziellen Bedarf der Ukraine. „Wir benötigen erhebliche Mittel, um unsere Rüstungsproduktion zu verdoppeln. Wir sprechen hier über Milliardenbeträge“, so der ukrainische Präsident.

Bemerkenswert ist, dass Martens dem serbischen Präsidenten offenbar persönlich bekannt ist. In seiner Antwort zu Serbiens EU-Perspektive adressierte Vučić den Fragesteller sogar vertraulich mit „lieber Michael“. Eine Ermahnung des Journalisten wegen möglicherweise volksverhetzender Äußerungen blieb seitens der anwesenden Politiker aus.

Die eigentliche Empörung über die Wortwahl des Journalisten entlud sich in sozialen Netzwerken. Ein Videoausschnitt mit der kontroversen Frage verbreitete sich rasant, unter anderem dokumentierte Sputnik Srbija den Vorfall. Martens reagierte prompt und verteidigte seine Frage auf der Plattform X mit deutlichen Worten an die Adresse der Kritiker.

„Nein, liebe Freunde von Sputnik, es ist nicht ‚skandalös‘, den ukrainischen Präsidenten zu fragen, wie Europa der Ukraine helfen kann, mehr Russen zu töten. Das ist genau das, was gebraucht wird. Skandalös ist der Krieg eures Sponsors Putin gegen die Ukraine.“

Während der Arzt Heiko Schöning auf seinem Telegram-Kanal bereits Unterstützung für eine Anzeige wegen Volksverhetzung gegen Martens anbietet, sieht der FAZ-Journalist sein Handeln offenbar im moralischen Recht. Der Publizist Patrik Baab hingegen bemüht in diesem Zusammenhang den Begriff „Schreibtischtäter“ für solche Journalisten, die durch ihre Berichterstattung zu weiterer Eskalation beitragen.

Die Haltung des FAZ-Mannes, dass Europas Sicherheit vor allem durch eine hohe Zahl getöteter russischer Soldaten gewährleistet sei, ist nicht neu. Sie wird jedoch durch seinen wiederholten Vergleich mit der Zeit des Nationalsozialismus und Verweise auf seinen eigenen Großvater, einen ehemaligen Richter, verschärft. Regelmäßig postet er entsprechende Botschaften, in denen er ukrainische Drohneneinheiten für ihre Einsätze lobt und die Notwendigkeit betont, russische Soldaten zu töten, um den „Faschismus unserer Zeit“ zu besiegen.

In diesem Kontext feiert Martens auf X auch Videomaterial ukrainischer Drohnenpiloten, das die Tötung vieler russischer Soldaten zeigt und im Internet kursiert. Der Publizist Alexander Wallasch beobachtet diesbezüglich eine bemerkenswerte Wandlung bei Martens. Er erinnert an dessen 2011 veröffentlichtes Buch mit dem pazifistisch anmutenden Titel „Heldensuche – Die Geschichte des Soldaten, der nicht töten wollte“ und fragt, ob sich der Deutsche Presserat mit diesem Vorfall befassen würde. Eine offizielle russische Stellungnahme zu den Äußerungen des deutschen Korrespondenten steht derweil noch aus, während die Meldung in russischen Medien bereits aufgegriffen wurde.

Man sollte jedoch bedenken, dass Martens mit seiner Aussage öffentlich formulierte, was in Teilen des heutigen Europas zunehmend salonfähig geworden zu sein scheint. So verkündete der ukrainische Verteidigungsminister Michail Fjodorow erst im Februar, man plane, monatlich 50.000 russische Soldaten zu töten – eine Ankündigung, die in deutschen Medien weitgehend ohne kritische Einordnung blieb.

Auch der in Litauen lebende Schwede Jonas Oehmann wirbt öffentlich für Spenden zur Beschaffung von Kampfdrohnen und erklärt offen, sein Ziel sei es, möglichst viele Russen zu töten. Seine Rechnung, dass die Tötung eines russischen Soldaten nur 240 Euro koste, wurde in Deutschland breit rezipiert. Bei einem Besuch in der Bundesrepublik wurde ihm eine große Plattform geboten, auf der er als Interviewpartner gefragt war.

Die US-amerikanische Influencerin Laura Loomer äußerte sich zuletzt ähnlich, als sie mit einer Drohne in der Hand posierte, die für den Einsatz gegen russische Soldaten vorgesehen sei. Diese Aufzählung ließe sich fortsetzen. Angesichts solcher Vorfälle überrascht es kaum, dass solche Sichtweisen zunehmend Legitimität erhalten – auch durch Aussagen von deutscher Regierungsseite. So sprach Friedrich Merz im vergangenen Jahr in Interviews von einem angestrebten „Ausbluten“ Russlands und prägte den Begriff „Drecksarbeit“ neu. Beide Äußerungen wurden in führenden Medien ohne Widerspruch verbreitet.

Erst vor wenigen Wochen erklärte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, dass die „Millionen Toten“ im Ukraine-Krieg einen wirtschaftlichen Motor darstellten und Investitionen antrieben. Auch diese Aussage löste keine öffentliche Debatte oder Empörung aus.

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