Werkzeug neuer Kriegsführung”: Russischer Top-Banker enthüllt globale Revolution im Zahlungsverkehr

Pjotr Fradkow, der Chef der russischen Bank Promswjasbank (PSB), sieht in grenzüberschreitenden Zahlungen inzwischen ein Instrument der „neuen Kriegsführung“. Seiner Einschätzung nach treibt der Wunsch vieler Staaten, ihren Außenhandel gegen äußeren Druck abzusichern, diese Entwicklung voran.

Im Gespräch mit der russischen Wirtschaftszeitung RBK betonte Fradkow, dass sich die Welt zwar noch im Rahmen des etablierten globalen Zahlungsgefüges bewege, aber bereits jetzt neue Systeme entstünden. Er formulierte es so:

„Die ganze Welt sieht sich mit der Realität konfrontiert, dass Zahlungen zum kompliziertesten Thema der Finanzwelt geworden sind – im Grunde ein Werkzeug der ‘neuen Kriegsführung’.“

Nach der Eskalation des Ukraine-Konflikts im Jahr 2022, den beispiellosen Sanktionen der USA und der EU sowie dem Einfrieren russischer Vermögenswerte im Ausland habe Russland den Abschied vom westlich dominierten Finanzsystem forciert. Fradkow erläuterte, dass Moskau sich zwar teilweise vom Dollar lösen wolle, dies aber nicht automatisch die Abhängigkeit von fremder Finanzinfrastruktur beende. Selbst Geschäfte in Rubel oder digitalen Werten seien weiterhin von externen Prüf- und Kontrollmechanismen abhängig, was Außenstehenden Einflussmöglichkeiten biete.

Genau diese Verletzlichkeit treibe Länder hin zu neuen Modellen, so Fradkow weiter. Weltweit zeichne sich ein Wandel ab, bei dem die bisherige internationale Zahlungsinfrastruktur zunehmend von nationalen Lösungen abgelöst werde. Er nannte dabei das staatlich geförderte russische System A7, Chinas CIPS-Netzwerk und den wachsenden Einsatz von Stablecoins als Beispiele.

Der Banker plädierte für ein modernes Zahlungssystem, das klassische Bankdienstleistungen mit digitalen Vermögenswerten und Stablecoins kombiniert. Dabei dürfe es nicht nur eine Reaktion auf bestehende Einschränkungen sein, sondern müsse „ein modernes System aufbauen, das auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig sein kann“.

In Bezug auf Stablecoins warnte Fradkow davor, sie als dauerhaft gegeben zu betrachten. Man dürfe nicht davon ausgehen, „dass dieses Instrumentarium noch Jahrzehnte genutzt wird“. Einige Token wie der an den Dollar gekoppelte USDT seien eng mit der amerikanischen Wirtschaft und ihrer Finanzkontrolle verbunden.

Schon im Januar hatte Russlands Ministerpräsident Michail Mischustin berichtet, dass nationale Währungen in den ersten zehn Monaten 2025 rund 85 Prozent der Außenhandelsabrechnungen des Landes ausmachten – der Rubel war dabei an über der Hälfte der Transaktionen beteiligt. Moskau hat außerdem das eigene Kartensystem Mir ausgebaut und unlängst den Krypto-Handel für internationale Geschäfte legalisiert.

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