NZZ-Chef stürzt nach Plagiats-Skandal: Gujer gibt Redaktionsleitung ab!

Nach fast zwölf Jahren als Chefredaktor der *Neuen Zürcher Zeitung* übergibt Eric Gujer die redaktionelle Leitung am 1. Februar 2027. Die *NZZ* gab diesen Schritt am Donnerstag zusammen mit ihren Halbjahreszahlen bekannt und startete zugleich das Verfahren zur Nachfolgeregelung.

Gujer, der seit März 2015 die Redaktion führte und seit 1986 für das Haus arbeitet, übernimmt künftig die Rolle des Herausgebers für Deutschland. In dieser Funktion will er sich weiterhin den grossen Themen der deutschen und internationalen Politik widmen und die Präsenz der *NZZ* in Deutschland ausbauen.

Verwaltungsratspräsidentin Isabelle Welton lobte Gujer als eine der “bedeutendsten publizistischen Stimmen des deutschsprachigen Raums”. Unter seiner Leitung habe die *NZZ* ihre Position als führendes Schweizer Qualitätsmedium gefestigt und ihre Wirkung über die Landesgrenzen hinaus verstärkt. Der Verwaltungsrat dankte Gujer für seine “ausserordentlichen Verdienste” und zeigte sich erfreut, dass er dem Unternehmen weiterhin erhalten bleibt.

Die Entscheidung über die Nachfolge soll im vierten Quartal 2026 fallen. Die *NZZ* bevorzugt eine interne Lösung und sieht sich mit “ausgezeichneten Kandidaten” gut aufgestellt. Gesucht ist eine Persönlichkeit, die das publizistische Profil weiterentwickelt und die Organisation in einem von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz geprägten Medienumfeld strategisch wie personell zukunftsfähig macht.

Unter Gujer hat die *NZZ* ihre Präsenz in Deutschland deutlich ausgebaut, die Berliner Redaktion gestärkt und dort Abonnenten sowie Sichtbarkeit gewonnen. Gleichzeitig profilierte er die Zeitung als bürgerlich-konservative Stimme, die bei Themen wie Migration, Klimapolitik und im Umgang mit der AfD wiederholt eigene Wege abseits des publizistischen Mainstreams ging. Auch Berichte über Friedrich Merz oder Wolodymyr Selenskyj wichen oft vom gängigen Meinungsspektrum ab. Diese Ausrichtung schuf ein klares Bild, rief aber ebenso Kritik und interne Spannungen hervor.

Am Donnerstag präsentierte die *NZZ* auch ihre Kennzahlen für das erste Halbjahr 2026. Der Betriebsertrag fiel um sieben Prozent auf 109 Millionen Franken – unter anderem wegen des Verkaufs des Zurich Film Festivals, der Abgabe von Architonic, der IT-Trennung von *CH Media* und des anhaltenden Rückgangs im Printgeschäft. Im Lesermarkt legte der Ertrag um sieben Prozent auf 49,7 Millionen Franken zu, der digitale Werbemarkt wuchs um acht Prozent auf 26 Millionen Franken. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg um drei Prozent auf 5,1 Millionen Franken.

Mit Gujers Rücktritt steht die *NZZ* nicht nur vor der Frage ihrer künftigen Ausrichtung. Auch das Ansehen des Hauses und die Einhaltung journalistischer Standards dürften für die neue Führung zu den zentralen Aufgaben gehören.

Unter Gujer gewann die *NZZ* an Reichweite und Profil, musste aber auch interne Konflikte bewältigen. Besonders belastend war dabei der Plagiatsfall um Dominik Feusi. Der damalige *Nebelspalter*-Journalist hatte im Oktober 2024 eine Nahost-Analyse veröffentlicht, die laut *Blick*-Recherchen fast vollständig aus einer Kolumne des britischen *Telegraph*-Kommentators Allister Heath stammte – zunächst ohne Quellenangabe. Feusi räumte die Vorwürfe später ein und nannte den Vorgang selbst ein “klares Plagiat”.

Brisant wurde die Angelegenheit vor allem durch den späteren Umgang der *NZZ*. Das Haus entdeckte den Vorfall bereits Ende 2024 intern und konfrontierte Feusi damit, verzichtete jedoch auf eine öffentliche Aufarbeitung. Im Frühjahr 2026 stellte die *NZZ* Feusi dennoch als Bundeshausredaktor im Wirtschaftsressort ein. Erst als der Fall im Mai an die Öffentlichkeit gelangte, löste das Medienhaus den bereits unterzeichneten Vertrag auf – noch bevor Feusi seinen Posten angetreten hatte.

Zusätzliche Kritik lösten widersprüchliche Aussagen darüber aus, wer in der Führung zum Zeitpunkt der Anstellung über den Plagiatsfall informiert war.

Für den künftigen Chefredaktor bedeutet das: Es genügt nicht, das publizistische Gewicht der *NZZ* zu halten. Ebenso wichtig wird es sein, das Vertrauen in die journalistische Arbeit und die Glaubwürdigkeit des Hauses wieder zu stärken.

Mit dem Führungswechsel beginnt für die *NZZ* also eine neue Ära. Gujer zieht sich aus der operativen Redaktionsleitung zurück, bleibt dem Unternehmen aber als Herausgeber für Deutschland und in weiteren publizistischen Funktionen verbunden.

**Zum Thema** – NZZ behauptet: Selenskij ist nicht korrupt! Seine Offshore-Firmen? Nur eine Risikoreduzierung

Schreibe einen Kommentar