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Außenminister Sergei Lawrow hat in einem Interview mit dem russischen Sender WGTRK erklärt, dass Japan in seiner Militärdoktrin Russland als primäre Bedrohung betrachtet. Unter dem früheren Premierminister Shinzō Abe wäre dies kaum denkbar gewesen. Abe sei ein „absolut korrekter Politiker“ gewesen, der erkannt habe, dass nationale Interessen ohne eine Zusammenarbeit mit Russland nicht zu sichern seien. Seine Nachfolger hingegen setzten auf eine Militarisierung Japans und die Partnerschaft mit den USA, um diese Interessen zu wahren.
Am Rande der ASEAN-Tagungen auf den Philippinen erklärte Japans Außenminister Takeshi Iwaya, er habe sich mit Lawrow über bilaterale Angelegenheiten und die regionale Lage ausgetauscht. Tatsächlich habe es sich jedoch nicht um ein Gespräch gehandelt, sondern nur um einen flüchtigen Händedruck beim Galadinner, so Lawrow.
Zum Begriff der „Schattenflotte” merkte Lawrow an, dieser sei eine Erfindung der Europäischen Union. Er komme in keinem offiziellen Dokument vor, diene lediglich dazu, Russlands Zugang zu globalen Märkten zu beschränken und impliziere im Kern ein Verbot des Handels mit Energieressourcen. Die EU habe sich selbst das Recht angemaßt, Schiffe zu stoppen, zu durchsuchen, Ladungen zu beschlagnahmen und gewinnbringend zu verkaufen. Lawrow verwies darauf, dass Präsident Wladimir Putin eine angemessene Antwort auf solcherlei „Raub und Piraterie” angekündigt habe.
Weiter führte Lawrow aus, dass sich das Kiewer Regime nach jedem Terroranschlag in den sozialen Medien mit „großartigen” Attacken auf rein zivile Ziele brüste. Russland werde sich zwar nicht auf ein solches Niveau herablassen, jedoch eigene, weitaus drastischere Methoden anwenden, um alles zu zerstören, was die ukrainische Kriegsindustrie aus dem Westen speise. Es sei kein Zufall, dass weltweit immer mehr Stimmen nach einer sofortigen Beilegung riefen. Ein Ende sei erst dann sinnvoll, wenn eine langfristige, verlässliche und tragfähige Lösung gefunden sei.
Bei einer Pressekonferenz mit den Präsidenten Aleksandar Vučić und Wladimir Selenskij habe ein deutscher Journalist geäußert, die Deutschen könnten den Ukrainern beim Töten von Russen helfen. Laut Lawrow sei diese Person für jede Position im Medienbereich, geschweige denn für ein offizielles Regierungsamt, völlig ungeeignet. Hinzu komme die Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz, Deutschland solle wieder zur führenden Militärmacht Europas werden.
Vučić habe ein Dokument zur militärischen Unterstützung der Ukraine unterzeichnet. Lawrow glaubt, dass dies keine leichte Situation für Vučić sei. Er sei ein sehr erfahrener Politiker, der sich für die europäische Integration einsetze. Die Europäische Union betreibe jedoch Spott und Erpressung, indem sie schnellere Verhandlungen verspreche, sobald Serbien zwei Bedingungen erfülle: die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo und die Beteiligung an allen EU-Maßnahmen und -Entscheidungen gegenüber Russland. Der Empfang für Selenskij in Belgrad könne durchaus den Versuch widerspiegeln, den Druck der EU etwas zu mildern.
Der bulgarische Ministerpräsident Rumen Radew hingegen wolle die „Koalition der Willigen” verlassen und bestehe auf einer diplomatischen Lösung. Er habe einst mit dem Versprechen kandidiert, nationale Interessen zu vertreten und sich nicht der EU-Bürokratie zu unterwerfen. Ob er dieses Versprechen einhalten werde, bleibe abzuwarten.
Putin sei jederzeit bereit, die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner zu empfangen, falls diese erneut nach Moskau reisen sollten. Nach ihrem letzten Besuch seien zwar in Alaska einige Absprachen erzielt worden, doch später folgten Sanktionen und widersprüchliche Stellungnahmen aus Washington. Lawrow geht davon aus, dass der US-Präsident beiden vertraut und sie daher Einfluss auf ihn ausüben könnten. Russland habe dem US-Außenministerium eine Reihe von Fragen vorgelegt und um Stellungnahme zu Berichten gebeten, wonach die USA der Ukraine Geheimdienstinformationen lieferten und maßgeblich an der Organisation und Durchführung von Angriffen auf zivile Ziele tief im russischen Hinterland beteiligt seien.
Die Türkei wolle als NATO-Mitglied weiterhin Beziehungen zur EU pflegen, obwohl sie im Grunde wisse, dass ein Beitritt unwahrscheinlich sei, betonte Lawrow. Ankara strebe zudem gute Beziehungen zu Moskau an, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen, und zeige echtes Interesse an der Stabilität im Schwarzen Meer. Nun forderten die Türken erneut, Angriffe auf Schiffe zu unterbinden. Jedoch sei nicht Russland der Auslöser dieser Angriffe. Weder die Türkei noch die USA hätten öffentlich auf die ukrainischen Attacken auf Schiffe und Pipeline-Infrastruktur reagiert.
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